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Im Volleyball-Nachwuchs liegt Fürth vor Nürnberg

Wie Sigrid Rosenow die Volleyball-Abteilung des TV Fürth 1860 vorangebracht hat - 01.03.2021 11:07 Uhr

28.02.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Man muss schon gute Nerven haben, wenn man sich nach einem Vormittag in der Schule auch noch den Rest des Tages mit Kindern beschäftigt. Oder man hält es so wie Sigrid Rosenow: "Wenn man die Arbeit mit Kindern gern macht, dann macht man das auch noch in der Freizeit."


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Nach dem Vormittag am Gymnasium Langenzenn wird "Frau Rosenow" am Nachmittag und Abend beim TV Fürth 1860 zur "Sigi". An ihrem Wohnort Fürth genauso wie in ihren Schulklassen hat die 58-Jährige versucht, den Sport Volleyball populär zu machen. Mit Erfolg: Die Frauenmannschaft der "60er" spielt aktuell in der Dritten Liga, auf der Fürther Freiheit haben sie und ihr Lebensgefährte Stefan Fürst – auch so ein Tausendsassa – das Beachvolleyballturnier etabliert.

Dass der Verband das Vereinsgelände der 60er in Dambach für Turniere nutzt, weil es sechs Sandfelder hat, ist auch ihrem Engagement zu verdanken. Beim ersten 1997 hat sie selbst noch die Schaufel in die Hand genommen. Seit Ende ihrer Teenager-Zeit ist sie Spielerin und Trainerin.

1000 Bälle im Haus

Warum Volleyball? "Weil es eine geile Sportart ist. Wahnsinnig schön, aber auch unwahrscheinlich schwierig zu lernen", versucht sie es in Worte zu fassen. Über das Lernen hat sie sich schon immer viele Gedanken gemacht. Vor 30 Jahren habe sie bereits mit der "Ballstunde" einen Vorläufer der heutigen "Ballschule" des TV Fürth 1860 entwickelt, in der Kinder erst verschiedene Spielformen ausprobieren, ehe sie sich für eine Sportart entscheiden.

Dass ihre zwei Kinder Anna (27) und Hannes (28) es mit Volleyball in die zweite Liga schafften, geschah jedoch nicht ganz zufällig. Neben dem Fakt, dass "wir immer 1000 Bälle im Haus hatten", waren es vor allem volleyballspielende Eltern, die ihre Kinder in Rosenows "Ballstunde" entsandten.

Aus dreimal den Ball übers Netz werfen sei man dann relativ schnell "spezifisch aufs Volleyball gegangen". Und hier erwartete die Kinder die beste Schule des Lebens, denn Grundlage dieses Spiels sei: "Die Mannschaft ist nur so gut wie der Schlechteste, man muss miteinander spielen. Außerdem hat man den Gegner hinterm Netz, es geht nicht um Ellbogen."


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Den verbalen Ellbogen fährt sie lediglich aus, wenn sie über den Vergleich zwischen ihrer Kleeblattstadt und Nürnberg sprechen soll: "Die Volleyball-Szene in Fürth ist deutlich besser als in Nürnberg. Es gibt so gut wie keine Jugendmannschaften dort." Acht zählen die 60er derzeit immerhin, es waren allerdings schon einmal 18, rechnet sie ein wenig geknickt vor. "Wir bräuchten mehr Trainer, die sich engagieren."

Fürst und Rosenow ergänzen sich

Das Engagement war es sicher, das ihr vor rund 20 Jahren am damals neuen Coach der Männermannschaft imponierte. Über ihren Partner Stefan Fürst sagt sie kichernd: "Wir ticken da schon gleich." Als das Paar im Jahr 2000 über die leere Fürther Freiheit nach der Kirchweih schlenderte, kam ihnen die Idee: "Hier würden doch drei Beach-Felder herpassen." 2001 organisierten sie das erste Turnier.

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"Sowas wie ein Turnier auf der Fürther Freiheit hätte ich alleine zwar auch gedacht, aber geschafft hätte ich es nicht." Die beiden hielten sich gegenseitig "auf dem Boden der Tatsachen", sagt Rosenow, die einst Mathe und Physik studiert hat. "Er spinnt gerne was aus, und ich als Kassier bremse ihn ein." Das Gegenteil von Einbremsen geschehe indes mit den 100 freiwilligen Helfern, die das Turnier jährlich stemmen. Selbst Leute, die den Verein längst verlassen haben, böten sich immer wieder an. Für diesen Sommer haben sie es aber bereits gestrichen, das zweite Jahr in Folge.

Überhaupt ist es eine traurige Zeit für den Fürther Volleyball. Zu Weihnachten stellte sie das Kindertraining, das nicht mehr erlaubt war, endgültig ein. "Ich habe die Nerven nicht mehr", gibt sie nun doch zu. Die U 16-Jungen übernahm ihre Tochter, doch sie wird wegziehen und weiter in Dingolfing spielen. "Entweder es findet sich jemand oder es gibt dann halt mal nix", sagt sie schulterzuckend. "Mal schauen, ob wir das Volleyballfieber in Fürth wieder entfachen können."

Yoga gegen die Steifheit

Doch Stillstand gibt es bei dieser quirligen Frau trotz des Lockdowns nicht. Beim Online-Training der Mixed-Mannschaft mischt sie weiterhin mit. "Vor allem bei den Männern gefürchtet sind ihre Yoga-Aufwärm-Einheiten, die sie in Corona-Zeiten auch virtuell für die Abteilung anbietet", schreibt Abteilungsleiter Jochen Heidenreich.

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Darauf angesprochen, muss sie lachen. Mit Yoga habe sie vor drei Jahren erst begonnen, weil sie immer ungelenker wurde. "Früher hieß es Streck-dich-und-reck-dich, heute Herabschauender Hund", beschreibt sie die unbeliebteste Übung, bei der man im Vierfüßlerstand den Hintern so hoch heben soll wie möglich, die Nasenspitze zeigt Richtung Knie. Gar nicht so einfach. Genauso wie Volleyball eben.

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