Anastasiya Semenenko (15) vom TV Fürth 1860

Karate: Fürth hat wieder eine Deutsche Meisterin

28.10.2021, 18:59 Uhr
Karateka Anastasiya Semenenko (links) trainiert beim TV Fürth 1860 mit Jungen, in ihrer Altersklasse unter Mädchen ist sie derzeit kaum zu besiegen.

Karateka Anastasiya Semenenko (links) trainiert beim TV Fürth 1860 mit Jungen, in ihrer Altersklasse unter Mädchen ist sie derzeit kaum zu besiegen. © Foto: Brigitte Kraußer

Nicht nur ungeschlagen, sondern auch ohne Punktverlust, also ohne einen wertbaren Gegentreffer, hat sich Anastasiya Semenenko vom TV Fürth 1860 in der U 16-Klasse bis 60 Kilogramm den Titel gekrallt.


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5:0, 9:0, 10:0 und 5:0 lauteten die Ergebnisse der gebürtigen Ukrainerin, eine wirkliche Chance hatten ihre Gegnerinnen nicht. Trainer Dennis Schnauder sagt mit Stolz: "Anastasiya hat ihre Kämpfe alle mit großer Dominanz gewonnen. Sie ist in Deutschland in ihrer Altersstufe konkurrenzlos im Moment."

Den Respekt jedenfalls spüren Schnauder und seine Athletin auch schon vor den Kämpfen: "Es ist ja nicht die erste Meisterschaft, bei der Anastasiya erfolgreich ist, sie hatte vor zwei Jahren ja schon den Titel im U 14-Bereich gewonnen. Das spricht sich unter den Gegnerinnen herum."

Was ist das Erfolgsgeheimnis? Der Karate-Meister sieht vor allem zwei Faktoren: "Sie ist sehr ehrgeizig, engagiert und fleißig, setzt ihre Technik ausgezeichnet um. Wenn sie diesen Trend so fortsetzt, bin ich zuversichtlich, dass sie auch im U 18-Bereich eine Medaille gewinnen kann."

Training mit einem Mentaltrainer

Als Schwäche sei höchstens die Nervosität auszumachen, die dem Teenager früher manchmal einen Streich gespielt hat, doch auch das ist besser geworden, wie Schnauder betont: "Durch ihre Zugehörigkeit zum Landeskader kann Anastasiya mit einem Mentaltrainer zusammenarbeiten. Sie ist mittlerweile viel ruhiger vor den Kämpfen. Das ist sehr wertvoll, man spürt, dass sie einen Sprung nach vorne gemacht hat."

Ein Prozess der vergangenen zwei Jahre sei dieser Erfolg nun gewesen, besonders das Technik- und Fausttraining stand im Mittelpunkt der Wettkampfvorbereitung. "Anastasiyas große Stärke ist die Fußtechnik, sie hat mittlerweile aber auch gelernt, den ersten Punkt regelmäßig mit der Faust zu machen. Taktisch hat sie den Plan 1A umgesetzt. Sie hat ein sehr schnelles Auffassungsvermögen, kann Tipps sofort umsetzen."

Der nächste Schritt wäre regelmäßiges Training mit dem Bundeskader und die Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaften, doch hier gibt es noch ein Problem: Die Karateka besitzt bislang nur die ukrainische Staatsbürgerschaft. Schnauder hofft, dass sich das irgendwann ändert, denn: Die Einladung des Bundestrainers wäre längst da, dem Deutschen Karate Verband ist nicht entgangen, was da für ein Talent an der Coubertinstraße trainiert.

So nimmt sie weiterhin an internationalen Turnieren teil, bei denen der Bundeskader und die Spitzenathleten der jeweiligen Altersklasse am Start sind. Im Gespräch und präsent bleiben – das ist das Ziel des Fürther Trainers für seine Kämpferin. Vielleicht kommt ihr Durchsetzungsvermögen vom Training mit den Jungen beim TV Fürth 1860. In dessen Leistungskader trainiert Semenenko.

Zehn Athleten des TV Fürth 1860 im Landeskader

Einen großen Unterschied zwischen Mann und Frau sieht Dennis Schnauder beim Karate in dieser Altersstufe aber nicht: "Natürlich merkt man, dass die Jungs körperlich kräftiger sind, aber das macht Anastasiya mit ihrer Technik wett. Da ist sie gleichwertig oder vielleicht sogar dominanter."

Überhaupt ist der Dambacher Verein gut aufgestellt in Sachen Karate. Zehn Athleten sind mittlerweile im Landeskader, in Bayern sind die 60er seit Jahren immer unter den ersten Zwei bei den Landesmeisterschaften.


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Auch die Zahlen stimmen: Rund 170 Mitglieder zählt die Karate-Abteilung, es sind sogar mehr als vor Beginn der Corona-Pandemie (wir berichteten). Besonders im Kinder- und Jugendbereich sind die Zahlen nach oben gegangen. Mit einer Deutschen Meisterin in der Abteilung hat der TV Fürth 1860 nun vielleicht ein weiteres Zugpferd. Anastasiya Semenenko dient definitiv als Vorbild.

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