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Kein Tor in Wembley: Ein Nachruf auf Hans Tilkowski

"Der war nicht drin": Der ehemalige DFB-Keeper und seine Szene - 06.01.2020 17:05 Uhr

Eine Szene bewegt die Fußball-Welt: Das Wembley-Tor ist ein Mythos, der Deutschlands Torwart Hans Tilkowski überlebt hat. © STF / CENTRAL PRESS / AFP


Die wichtigste Szene im Leben von Hans Tilkowski wird auf ewig bleiben. Es sind nur wenige Sekunden, aufgenommen in Schwarz und Weiß, aber sie gehören zu den umstrittensten der Fußballgeschichte. Auf den Bildern sieht man den englischen Angreifer Geoff Hurst, wie er am 30. Juli 1966, im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft, den Ball vorbei an Hans Tilkowski an die Unterkante der Latte schießt, wie der Ball von dort auf den Boden prallt, wie ihn Wolfgang Weber schließlich aus der Gefahrenzone köpft, während der englische Angreifer Roger Hunt da bereits jubelnd abdreht.

+++ Ex-Clubtrainer Hans Tilkowski gestorben +++

Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied auf Eckball, um wenig später doch ein Tor anzuzeigen. Noch heute ranken sich Mythen um diese Sekunden, die als Wembley-Tor in die Fußball-Historie eingingen, in Deutschland nachhaltiger als in England, wo sie nur vom "dritten Tor" sprechen. Ingenieure der Universität Oxford kamen Jahrzehnte später zu dem Schluss, der Ball habe die Linie nicht überquert, auch der aufgewirbelte Kalk der Torlinie galt als Beweis dafür, dass das Tor irregulär gewesen war - und England zu Unrecht Weltmeister wurde.

"Der Ball war nich drin" 

Auch Hans Tilkowski war immer dieser Meinung. In vielen Interviews, die er während und nach seiner Karriere als Torhüter gab, wollte er noch mal eines klarstellen, es war ihm zeitlebens ein Bedürfnis, seine Sicht auf diese Sekunden Fußballgeschichte darzustellen. Er sagte also stets: Der Ball war nich drin. Doch es würde Hans Tilkowski nicht gerecht, ihn nur auf das Wembley-Tor zu reduzieren. Von 1955 bis 1963 stand er in der damals erstklassigen Oberliga West bei 219 Spielen im Tor von Westfalia Herne, später gewann er mit dem BVB den DFB-Pokal und den Europapokal der Pokalsieger.

An die großen Erfolge als Spieler konnte er als Trainer nicht mehr anknüpfen. 1973 übernahm er den 1. FC Nürnberg, den er im letzten Jahr der zweitklassigen Regionalliga in die Aufstiegsrunde zur Bundesliga führte. Im zweiten Jahr der neuen 2. Bundesliga musste Tilkowskis Club in zwei Entscheidungsspielen Borussia Dortmund den Aufstieg überlassen.

Am Sonntag ist Hans Tilkowski im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben. Die wichtigste Szene in seinem Leben aber, die wird auf ewig bleiben. 

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