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Meuterei in Fürth: Spieler-Aufstand brachte Radoki zu Fall

Führungsspieler sollen nicht mehr hinter dem Trainer gestanden haben - 29.08.2017 10:38 Uhr

Mirko Dickhaut (links) war bislang Co-Trainer von Janos Radoki (rechts). Der 46-jährige Ex-Profi (Frankfurt, Bochum) übernimmt, bis ein neuer Coach gefunden ist. © Sportfoto Zink / WoZi


Am Montagnachmittag war es eigentlich viel zu heiß zum Trainieren. 28 Grad, blauer Himmel, kein Wind. Der Schweiß floss den Profifußballern bei ihren Übungsspielchen in Strömen vom Körper. Ein gewohntes Bild auf der Kronacher Hard seit Ende der Sommerpause. Nur diesmal mit dem Unterschied, dass der bisherige Co-Trainer Mirko Dickhaut die Regie führte – und nicht mehr Janos Radoki. Denn den haben sie nach nur vier Niederlagen in Fürth entlassen.

Ob es nun Schweißperlen oder Abschiedstränen waren, die den jungen Männern über die hochroten Gesichter rannen, war wegen des grellen Lichts nicht zu erkennen. Dem Vernehmen nach soll es solche und solche im Team des Zweitliga-Tabellenletzten geben: Die einen sind Radoki für den Sprung in den Profibereich dankbar. Die anderen hätten diesen Quälix am liebsten schon zum Ende der Vorsaison abgesägt.

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Janos Radoki beim Kleeblatt: Hoffnungsträger mit kurzer Haltbarkeit

Es hatte so gut begonnen: In der Saison 2016/17 übernahm der ehemalige Kleeblatt-Profi und Talentförderer Janos Radoki für Stefan Ruthenbeck auf der Trainerbank, stieg vom Interims- zum Chefcoach auf und verlängerte seinen Vertrag. Danach blieben allerdings die Ergebnisse aus - und der Verein zog nach einem verkorksten Saisonstart mit drei Niederlagen die Reißleine.


Das haben sie nun eben später erledigt. Auch wenn Profifußball-Direktor Ramazan Yildirim das nicht eins zu eins bestätigen mochte: Es war nichts anderes als Meuterei. Was war passiert? Am Freitagabend um 20.30 Uhr – nach dem 0:1 gegen Ingolstadt, der vierten Niederlage im vierten Saisonspiel – sagte der vor der Saison abgesetzte Spielführer Marco Caligiuri den Journalisten: "Wir haben eine Sprache gesprochen. Aber wir sind nicht gut aus der Halbzeit gekommen."

Er erinnerte sich an das Saisonende 2014/15: "Vor ein paar Jahren hatten wir das schon mal. Die Leute, die da waren, wissen, wie das ging, aber auch, wie schwer das ist, da wieder rauszukommen." Caligiuris Ratschlag an die Kollegen: "Man fährt am besten, wenn man weniger spricht und etwas tut, im Training und auf dem Fußballplatz."

+++Hier finden Sie einen Kommentar von FN-Sportredakteur Martin Schano zur Trainerentlassung in Fürth+++

Keine zwölf Stunden später tut die Mannschaft genau das nicht. Nur wenige Minuten lang traben die Spieler über den Platz, deuten ein "Auslaufen" also nur an, und verschwinden wieder in der Kabine des Trainingszentrums. Journalisten stehen ratlos herum, Radoki kommt kurze Zeit später noch für eine Stellungnahme zum Vorabend heraus, Feierabend. Seither ist das Handy des Trainers aus. Dem Vernehmen nach sollen sich einige Führungsspieler geweigert haben, im Anschluss an das Auslaufen eine Trainingseinheit zu absolvieren.

Ramazan Yildirim will zu diesem Vorfall nur sagen: "Die Mannschaft sollte regenerieren, sie hat regeneriert." Das Führungsgremium traf sich gleich im Anschluss zu einem "kritischen Austausch". "Dabei haben verschiedene Sachen dazu beigetragen, dass wir ein Gefühl bekommen haben", so der Manager. Von einer Meuterei will er nichts wissen: "Die Spieler dürfen keinen Aufstand machen, das darf kein Hauptgrund sein, wir sind im Leistungssport." Doch er fügt hinzu: "Aber natürlich sind es Signale, die wir empfangen."

Gelobtes Trainingslager

Und schließlich fiel in jenen Stunden die Entscheidung, sich vom Trainer zu trennen – was am Freitagabend noch ganz anders klang. Präsident Helmut Hack bekräftigte vor dem Spiel beim Bezahlsender Sky, wie sehr er mit der Arbeit des Trainers zufrieden sei: "Zunächst mal geht es überhaupt nicht um Janos Radoki. Wir haben miteinander analysiert, was wir miteinander anders machen können. Klar ist, die Mannschaft trainiert gut und lässt sich nicht hängen." Genau diese Sichtweise trug auch dazu bei, dass alle von dieser Sommervorbereitung so begeistert waren. Auch Hack: "Wir haben ein so gutes Trainingslager bewerkstelligt und waren so hoffnungsvoll."

90 Minuten nach diesen Worten begann es aber schon zu brodeln in den Köpfen der Entscheider, die dann eben dieselben Mechanismen in Gang setzen wie sie es ihnen in Aue (nach zwei Spieltagen) und Ingolstadt (nach drei) vorgemacht haben. Yildirim vermisste bei manchen Spielern "Lockerheit, Freude, Leichtigkeit. Wir hatten das Gefühl: Okay, jetzt müssen wir eine Veränderung herbeiführen. Wir wollten aber nichts mehr verändern, wir wollten was anfangen."

Emotionales Schlussgespräch

Dass sie so wenig Geduld mit ihm haben würden, das brachte wohl auch Radoki auf die Palme. Zumindest erzählt Yildirim, der Fußballlehrer habe das finale Gespräch "emotional aufgefasst", und er gibt klar zu: "Es war schwierig."

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Wie geht es nun weiter? Während ein Jurgen Gjasula, der sich noch am Freitag mit muskulären Problemen abmeldete, am Montag quietschfidel über den Trainingsplatz rannte, Adam Pinter, Balazs Megyeri (Ungarn), Nik Omladic (Slowenien) und David Raum (U 20 Deutschland) mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind, soll Mirko Dickhaut interimsweise übernehmen. Er sei einer, "der die Leichtigkeit reinbringen kann" und die Länderspielpause "nutzen" werde.

Derweil sondieren Yildirim und Hack den Trainermarkt, wie es in der Sprache des modernen Fußballs heißt. Das Profil, das die beiden angelegt haben, ist nicht starr, eine Deadline gibt es nicht. Der Neue sollte Erfahrung dahingehend mitbringen, die eigenen U 19- und U 23-Spieler in den Kader zu integrieren. Wobei diese Gruppe ja die unproblematischste in Fürth ist. Wichtig wird wohl eher sein, die Führungsspieler hinter sich zu bekommen. Denn daran ist Janos Radoki gescheitert.

Martin Schano

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