Donnerstag, 22.04.2021

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Müller, Hummels, Boateng: Öffnet Löw die EM-Tür?

Die Entscheidung fällt aber im Mai - 28.02.2021 16:14 Uhr

Das DFB-Team könnte zur EM wieder mit drei eigentlich Aussortierten erweitert werden.

28.02.2021 © Tom Weller, dpa


Joachim Löw geht kämpferisch ins EM-Jahr - die Tür zur Nationalelf bleibt für Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng aber zumindest bei den ersten Länderspielen 2021 (noch) zu. Der Bundestrainer schloss in Interviews mit der ARD und dem kicker aber nicht aus, den eingeleiteten Umbruch bei der DFB-Auswahl für die EM auszusetzen und insbesondere Müller zurückzuholen. Denn dem Erfolg beim Turnier im Sommer will der 61-Jährige alles unterordnen.

Persönliche Interessen und Befindlichkeiten zählten nicht, betonte der Bundestrainer - und schloss sich selbst dabei ein. "Jetzt ist alles auf die drei Spiele im März und das Turnier fokussiert. Wir müssen alle liefern. Auch ich muss jetzt absolut liefern", sagt der 61 Jahre alte Löw deutlich. Die eigene Zukunft über die EM hinaus lässt er offen. Löws Vertrag läuft bis zur WM 2022. Seit dem 0:6 in Spanien aber arbeitet der Weltmeistercoach von 2014 auf Bewährung.

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Historische Niederlage: DFB-Team blamiert sich mit 0:6 gegen Spanien

Mit der höchsten Niederlage seit 1931 hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das Finalturnier der Nations League klar verpasst. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw verlor am Dienstag gegen Spanien in Sevilla 0:6 (0:3) und verpasste damit den Gruppensieg. Die Spanier zeigten sich in allen Belangen überlegen, der deutschen Mannschaft fehlte jegliche Gegenwehr. Eine Niederlage mit sechs Toren Unterschied hatte es zuletzt mit 0:6 am 24. Mai 1931 gegen Österreich gegeben.


Die drei WM-Qualifikationsspiele Ende März gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien geht Löw erwartungsgemäß ohne einen personellen Salto rückwärts an. "Einen Umbruch sollte man nie abbrechen und in eine völlig andere Richtung gehen", betonte er am Sonntag. Den von ihm mit der Ausmusterung von Müller (31), Hummels (32) und Boateng (32) vor zwei Jahren forcierten Verjüngungsprozess hält er weiterhin für alternativlos und richtig. Mit der Berufung des 18-jährigen Jamal Musiala vom FC Bayern München wird er ihn entsprechend fortführen.

Besondere Umstände Richtung EM

In den ersten Länderspielen des Jahres wolle er "den Umbruch jetzt nicht unterbrechen". Richtung EM könnten "besondere Umstände" das dann doch erfordern. "Am Ende muss ich irgendwie im Mai entscheiden", sagte Löw mit Blick auf die Nominierung des EM-Kaders. Dann lauten für ihn die Fragen: "Welche Spielertypen brauchen wir? Was brauchen wir auf den einzelnen Positionen, um den größtmöglichen Erfolg zu garantieren?" Ein "Energiegeber" wie Müller könnte notwendig sein.

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Joachim Löw: Vom Durchschnittsspieler zum Bundestrainer

Vom Zweitliga-Rekordtorschützen zum Weltmeister-Trainer: Joachim Löw hat in seiner Profikarriere und als Trainer schon viele Stationen durchlaufen. Seit 2006 ist er Deutschlands Fußball-Bundestrainer - und gibt das Amt nach der EM 2021 frei. Klicken Sie sich durch Stationen, Erfolge und Auszeichnungen des Schwarzwälders.


Eine Rückkehr der eigentlich Aussortierten wäre aus Löws Sicht kein größeres Problem. Müller, Hummels und/oder Boateng wären schnell wieder zu integrieren. "Die Spieler wissen genau, wie es bei der Nationalmannschaft läuft." Die Entscheidung aber werde schwierig sein. "Wenn man solche Spieler mitnimmt, muss man ihnen auch eine klare Aufgabe geben. Da erwartet man auch von den Spielern, dass sie die Führung mitübernehmen", betonte Löw. Er befürchtet aber keine hierarchischen Probleme: "Der Charakter von Thomas Müller und Mats Hummels ist, dass sie andere nicht unterdrücken."

Kritik angenommen

Die heftige Kritik an seiner Person nach dem desaströsen 0:6 gegen Spanien im letzten Länderspiel 2020 hat Löw angenommen, wie er vor der ARD-Kamera sagte. Die Skepsis der Fans an seiner Arbeit sei "auch eine Form von besonderem Ehrgeiz und eine Zusatzmotivation" für ihn. "Für mich ist das Ansporn." Er spüre nach den internen Debatten zum Jahresende das Vertrauen der DFB-Spitze: "Wir bündeln alle Kräfte Richtung EM: Das ist unsere Aufgabe, unsere Priorität, unser Ziel. Wir müssen eine gute EM spielen. Das sind wir den Fans und uns selbst schuldig."

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Überrannt, erdrückt, gedemütigt: Pressestimmen zum DFB-Debakel

Niemand schien eine Erklärung für das zu haben, was am Dienstagabend passiert war. Die Bild-Zeitung zählte elfmal die Verwendung des Wortes "irgendwie" im Statement des Bundestrainers nach dem Abpfiff. So richtig verstehen konnte es eben irgendwie keiner. Die Medien aber fanden international harte Worte zum blamablen 0:6 der deutschen Nationalmannschaft in Spanien und stellten Joachim Löw in Frage. Hier ein Überblick über die internationalen Pressestimmen zum DFB-Debakel!


Trotz des jüngsten 0:6-Tiefschlags ("Wir sind ein paar Treppenstufen nach unten gefallen jetzt") und der starken EM-Gruppe mit Frankreich, Portugal und Ungarn traut Löw seinem Team eine gute EM zu. "Wir wollen immer so weit wie möglich kommen. 2018 haben wir bei der WM versagt, die haben wir in den Sand gesetzt. Aber das hindert uns nicht daran, unsere Ansprüche wieder ganz oben anzulegen." Man müsse eben die Mannschaft mit dem größten Ehrgeiz und Teamgeist sein.

Auch Löw will am Spielfeldrand wieder anders agieren, voller Energie und Leidenschaft. Die Kritik an seinem teilnahmslosen Habitus während des Untergangs in Sevilla gegen Spanien hat er angenommen. "Meine Körpersprache war schlecht. Ich hatte das Gefühl, nichts mehr bewegen zu können. Das war ein falsches Zeichen", sagte Löw einsichtig.

dpa

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