Fürth

Seguin glaubt ans Kleeblatt: "Wir wissen, dass wir stark sind"

18.5.2021, 06:00 Uhr
Ein Küsschen fürs Tape: Ums Handgelenk hatte Paul Seguin (links) ein weißes Tape geklebt, wie viele seiner Teamkollegen. Was dahinter steckt, will die Mannschaft nicht verraten. 

Ein Küsschen fürs Tape: Ums Handgelenk hatte Paul Seguin (links) ein weißes Tape geklebt, wie viele seiner Teamkollegen. Was dahinter steckt, will die Mannschaft nicht verraten.  © David Inderlied, dpa

Paul Seguin hat es ausgehalten. Bis zur sechsten Minute der Nachspielzeit wusste der Mittelfeld-Taktgeber der Spielvereinigung Greuther Fürth nicht, wie es auf den anderen Plätzen steht. Es ist ein wenig wie in den Geschichten von damals, als es noch keine Smartphones gab und nur Einzelne über Radio die Zwischenstände zum Saisonfinale durchgaben. Heutzutage aber hätte es kaum jemand ausgehalten, während der 90 Minuten nicht zu wissen, wie Hamburg, Kiel oder Bochum spielen.


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Auch Seguin hätte in der Halbzeitpause beinahe nachgefragt. "Doch ich habe mich dagegen entschieden, und mich auf uns und unsere Leistung konzentriert. Als im zweiten Durchgang einmal die Ergebnisse aus den anderen Stadion eingeblendet waren, habe ich sie nicht richtig sehen können." Erst als das 4:2 fällt und die Fürther Torschütze Dickson Abiama in einer Jubeltraube begraben, kommen die Kollegen von der Bank dazu gesprintet. "Die haben uns dann gesagt, dass Kiel und Hamburg verloren haben." Mehr geht nicht.

Alle hatten fürs Kleeblatt gespielt, der HSV seine Aufstiegschance vertan, Kiel Punkte liegenlassen. Und weil Bochum auch nicht über ein Remis hinausgekommen war, hat die Spielvereinigung sogar noch die Chance auf die Zweitliga-Meisterschaft. Rang drei und damit die Relegation sind sicher. "Niemand hätte uns vor dieser Saison den Aufstieg zugetraut", sagt Seguin, der in dieser Runde wie so viele im Team die nächsten Schritte gemacht hat. Seit zweieinhalb Jahren ist der ehemalige Wolfsburger fester Bestandteil des Fürther Mittelfelds, er kommt auf 80 Einsätze und zehn Tore. Sieben Treffer hat er in dieser Saison erzielt - so viele wie noch nie.

Herausragende Comeback-Qualitäten auf beiden Seiten

Am Sonntag kam der jüngste hinzu, Seguin hämmerte den Ball kurz nach Wiederanpfiff in die Maschen. "Wer das Tor macht, ist mir eigentlich egal", sagt Seguin. "Hauptsache, wir sind als Mannschaft erfolgreich. Viele sagen, wenn ich ein Tor mache, war es ein gutes Spiel. Ich hatte aber auch schon einige gute Spiele ohne Treffer. Schön war es trotzdem, einen Führungstreffer zu erzielen, das ist immer besonders."

Es war ein Tor genau zum richtigen Zeitpunkt in einer verrückten Partie, in der keine Führung lange Bestand hatte. Havard Nielsen beglich Paul Jaeckels Eigentor nur sechs Minuten später, Chris Führich konterte Branimir Hrgotas Treffer binnen fünf Minuten kurz vor der Pause. Überraschend war das nicht, beide Mannschaften verfügen über herausragende Comeback-Qualitäten.

"Wir haben erst die erste Hürde genommen"

Die Ostwestfalen punkteten in dieser Saison bereits siebenmal nach einem Rückstand. Das Kleeblatt ist noch besser: Kein anderes Team holte nach Rückstand häufiger auf als Fürth - in neun von 15 Spielen. Entsprechend nervenstark spielte die Mannschaft um Paul Seguin. Der 26-Jährige, sonst kritisch und zurückhaltend, sagt: "Wir wissen, dass wir stark sind." Das Kleeblatt strotzt vor Selbstbewusstsein. "Es war eine absolute Willensleistung gegen einen starken Gegner", sagt Trainer Stefan Leitl.

In der Kabine haben die Fürther dann auch ein wenig gefeiert. "Es lief Musik und wir haben uns alle gefreut", sagt Seguin. Aus den Boxen kamen dabei noch keine Party-Schlager, "auch wenn mir die vielleicht lieber gewesen wären". Doch die gibt es dann vielleicht später noch. "Wir haben erst die erste Hürde genommen."

Um 2 Uhr im Hotel, bis 5 Uhr morgens wach

Erst einmal ging es ins Quarantäne-Trainingslager an den Bodensee. "Mit einem Sieg ist so eine Fahrt noch einmal viel schöner", sagt Seguin. Gegen 2 Uhr nachts kam das Team im Hotel an. Für Paul Seguin war dann immer noch nicht Schluss. Wie nach jedem Spiel schaute er sich die Partie noch einmal in voller Länge an. "Ich bin einfach fußballverrückt", sagt er dazu. So sehr, dass er bis 5 Uhr morgens wach war. Doch Seguin ist das wichtig. "Ich schaue nicht nur auf mich, sondern auch auf die anderen Spieler, was wir verbessern können. So werden wir als Team besser, und das hilft auch mir."

Der gebürtige Magdeburger freut sich auf die Trainingslager-Woche. "Wir haben hier super Bedingungen." Am Montag hatte das Team erst einmal eine regenerative Einheit. "Wir gehen das mit Spaß an und holen uns die nötige Frische. Entscheidend ist jetzt, was in der Birne passiert." Das Saisonfinale am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf, ist sich Seguin sich, ist Kopfsache. Für "die letzte Aufgabe" will er bereit sein. Das nämlich soll es unbedingt sein. Das letzte Spiel. Würde es so kommen, wäre die Spielvereinigung zurück in der Bundesliga. "Natürlich wollen wir hoch", sagt Seguin. Doch es wird auch wieder auf die Zwischenstände aus den anderen Stadion ankommen.

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