Handball

U23 schlägt den nächsten Tabellenführer: HC Erlangen ist Nummer eins

Katharina Taubeneder
Katharina Taubeneder

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14.11.2021, 13:28 Uhr
Der Spitzenreiter-Tanz: Die U23-Handballer jubeln ausgelassen nach ihrem Sieg über die HSG Bieberau-Modau.

Der Spitzenreiter-Tanz: Die U23-Handballer jubeln ausgelassen nach ihrem Sieg über die HSG Bieberau-Modau. © Harald Sippel, NN

Irgendwie sind alle gewachsen in dieser Corona-Zeit. Nicht unbedingt in die Höhe, aber in die Breite. Viele Erlanger Nachwuchshandballer, die sich am Samstagabend an die Drittliga-Spitze gekämpft hatten, waren vor gar nicht allzu langer Zeit noch schmächtige A-Jugend-Talente. Mittlerweile sind sie junge Männer mit breiten Schultern und muskulösen Armen.

"Anscheinend ist das der Stand der Mannschaft"

Ihr Trainer, Tobias Wannenmacher muss bei dieser Anmerkung schmunzeln: "Wir machen ja auch Krafttraining, gerade in den Corona-Phasen hatten die Spieler viel Zeit dafür." Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Am Samstag hat die U23 des HC Erlangen die HSG Bieberau-Modau mit 27:24 (13:11) geschlagen, zuvor die HSG Hanau und davor die Reserve der HSG Wetzlar, Dutenhofen-Münchholzhausen II. Zum zweiten Mal in Folge hat der HCE damit einen Tabellenführer entthront - und sich nun selbst an die Spitze gesetzt.

Dass die U23 so gut ist, überrascht auch Wannenmacher ein wenig. "Vor dem Wetzlar-Spiel wussten wir nicht genau, wo wir uns ansiedeln, wir hatten ja auch einen Durchhänger gegen Bayreuth." Nach dem dritten Sieg in Folge ist selbst der Trainer überzeugt: "Anscheinend ist das der Stand der Mannschaft. Sie kann da oben mitspielen."

Gegen Bieberau-Modau konnte sich in der Anfangsphase zunächst noch kein Team absetzen. Selbst hatten die Erlanger drei Angriffe in Folge ohne Tor abgeschlossen, auf der Gegenseite parierte Janis Boieck grandios. Die erste Drei-Tore-Führung gab es bei 9:6 nach zwei schnellen Gegenstößen des HCE (16.), bei 11:7 führten die Hausherren erstmals mit vier Treffern. Vorausgegangen war ein cleveres Zuspiel von Tarek Marschall auf Tim Bauder, der nur noch versenken musste (19.).

Boieck hält, Marschall vollstreckt

Ende der ersten Halbzeit ließen beide Teams zu viele Großchancen liegen, die Keeper wirkten schier unüberwindbar. Mit dem Pausenpfiff traf Till Buschmann mit einem sehenswerten Wurf direkt oben links in den Winkel - 11:13 aus Sicht der Gäste.

Hielt, was zu halten war - und manchmal sogar ein wenig mehr: Janis Boieck war gegen Bieberau-Modau ein starker Rückhalt. 

Hielt, was zu halten war - und manchmal sogar ein wenig mehr: Janis Boieck war gegen Bieberau-Modau ein starker Rückhalt.  © Harald Sippel, NN

Nach dem Seitenwechsel trat erstmals auch Florian von Gruchalla, seit Ende seines Profi-Vertrags hauptamtlich beim HC Erlangen e.V. angestellt, in Aktion. Er soll die strategische Ausrichtung des Vereins im Nachwuchsbereich mitverantworten, außerdem unterstützt er das Drittliga-Team.

Von Gruchallas erster Pass war gleich ein erfolgreicher, aus der eigenen Abwehr direkt auf Marschall, der zum 14:12 vollendete (33.). Es war der Auftakt einiger sehr erfolgreicher HCE-Minuten, die letztlich wieder zu einer Vier-Tore-Führung führten (40.). Mit weiteren schnellen Angriffen erhöhten die Hausherren auf 23:17 (48.). Und Boieck hielt weiter mehr als eigentlich zu halten war, in der Crunchtime parierte er sogar einen Siebenmeter (24:20).

26 Absteiger: "Absichern ist das höchste Gebot"

Der Nachwuchs-Keeper, der auch schon in der Bundesliga überzeugt hat, durfte diesmal durchspielen. Gegen Hanau hatten sich die Torhüter abgewechselt, davor hatte Michael Haßferter geglänzt. Wannenmacher entscheidet "leistungsabhängig", manchmal auch nur "nach Bauchgefühl", welchen seiner Top-Torhüter er bringt. Es war zuletzt immer die richtige Entscheidung. Die HSG Bieberau-Modau kam nicht mehr heran, und die Erlanger tanzten wenig später zum Spitzenreiter-Lied.

249 Zuschauer haben das in der Hiersemannhalle live erlebt. "Schade" findet Wannenmacher das, in der dritten Liga waren es schon einmal ein paar Hundert mehr. Doch nachdem kurz vor dem Wochenende die Staatsregierung die 2G-Regel für alle Indoor-Veranstaltungen eingeführt hatte und die Corona-Zahlen insgesamt wieder steigen, waren sicher einige zu Hause geblieben, die gerne gekommen wären. "Man muss alles immer kurzfristig optimieren", sagt Wannenmacher. Nach eineinhalb Jahren Pandemie habe man sich aber selbst daran gewöhnt.

Ein Spiel steht in der Vorrunde noch an, "alles ist eng beisammen", sagt Wannenmacher. In die Aufstiegsrunde darf die U23 nicht, doch das Team will sich "maximal platzieren". In dem Corona-bedingten Spielmodus droht 26 Mannschaften der Abstieg. "Absichern ist das höchste Gebot." Zweifel hat man nach den jüngsten Eindrücken allerdings nicht.

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