Valentinis FCN will mit der Achterbahn nach oben

30.12.2020, 05:45 Uhr
Nur für ihn ein unerfreuliches Ende: Enrico Valentini muss gegen Würzburg verletzt vom Platz.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr Nur für ihn ein unerfreuliches Ende: Enrico Valentini muss gegen Würzburg verletzt vom Platz.

Dass er gleich auf die nicht gerade kreativste Frage der Welt die nicht gerade kreativste Antwort der Welt geben wird, ahnt Enrico Valentini schon, als die Frage am Ausklingen ist. Aber es hilft ja nichts, es ist so, wie es ist. Also sagt der Kapitän des 1. FC Nürnberg auf die Bitte hin, das Jahr 2020 noch einmal zusammen zu fassen: "Das war der Prototyp einer Achterbahnfahrt." Das ist mit Blick auf den 1. FC Nürnberg und das Leben an sich vor allem: richtig. Wobei es während dieser verschiedenen Achterbahnfahrten in der Erinnerung sehr lange bergab ging und sich die Bergaufstrecken doch in engen Grenzen hielten.

Der sportliche Höhepunkt von Valentini und dem ganzen Club war dann passenderweise eigentlich auch ein Tiefpunkt: die 96. Minute von Ingolstadt, ein Relegationsspiel gegen den Abstieg in die dritte Liga.
Es ist damals noch einmal gut gegangen - Schleusener sei sehr, sehr großer Dank. Danach wurde es besser. Allerdings dauerte auch das. Der Club erfand sich ein bisschen neu im Sommer. Dieter Hecking als Sportvorstand, Robert Klauß als Trainer und Enrico Valentini, der Nürnberger Valentini, als neuer Kapitän.

Im angehenden Winter sah dieser neue Club dann endlich einmal wieder gut aus, zumindest wenn man auf die Ergebnisse blickt. Drei der letzten vier Spiele vor diesem Witz einer Winterpause haben sie gewonnen. Seit Dienstag trainieren sie ja schon wieder als Mannschaft am Valznerweiher, am 2. Januar geht es weiter in Heidenheim (13 Uhr, Live-Ticker auf nordbayern.de).

Valentini selbst hat kaum eine Pause gemacht, für ihn endete die Achterbahnfahrt 2020 mit Aufbautraining. Im Spiel gegen die Würzburger Kickers hatte er sich einen "kleinen Muskelfaserriss" zugezogen - was auch zu verharmlosend klingt für dieses Jahr, aber Valentinis Glück war. "Schmerzfrei", sagt er, hat er die ersten Laufeinheiten schon wieder hinter sich gebracht. In Heidenheim könnte er schon wieder dabei sein, nachdem er zuletzt vom jungen Noel Knothe ordentlich vertreten worden war. Als Rechtsverteidiger, nicht als Kapitän, das übernahmen andere.

Rhein verabschiedet sich

Jetzt kehrt Valentini in beide Rollen zurück. In beiden Besetzungen ist er zufrieden mit sich, auch wenn der Rechtsverteidiger Valentini etwas gebraucht hat, um in die Saison zu finden. Die neue Rolle als Kapitän hat er sich schnell erschlossen. „Viel hat sich ja nicht geändert für mich“, sagt er. Weil er vorher schon Verantwortung übernehmen wollte auf und neben dem Platz. Jetzt macht er das eben in offizieller Funktion.

Gerade hat er zum Beispiel Simon Rhein verabschiedet, der sich dem Drittligisten Hansa Rostock anschließt. Rhein war einer jener Spieler, die kürzlich noch die erste Liga miterlebt haben und von denen nun immer weniger da sind. Es ist jetzt bald endgültig eine neue Mannschaft, die da für den 1. FCN auf dem Rasen steht. Nicht mehr die Aufsteiger von 2018 und Absteiger von 2019, die bis zum Beinahe-Abstiegs-Sommer 2020 immer an dieses Spannungsfeld ihrer Möglichkeiten erinnert worden sind.

Valentini will das als Chance begreifen. "Wir sollten jetzt nicht mehr auf das blicken, was passiert ist“, sagt er, "damit hilfst du dir nicht." Es ist eine späte Erkenntnis, aber immerhin: Sie könnte helfen. Die drei Siege vor der Winterpause gelten ihnen als ein Hoffnungsschimmer, auch wenn sie nicht immer gut ausgesehen haben in diesen Partien. Das zählt jetzt erst einmal nicht auf dem Weg zurück zu einer konkurrenzfähigen Zweitliga-Mannschaft und auf dem Weg hin, eine Mannschaft zu werden, sagt Valentini.

Ein einfaches Rezept für den Erfolg

In beiden Fällen hilft vor allem eines: "Gewinnen ist das Beste, was man machen kann." Und das gelang ihnen zuletzt eben besser, weil sie sich, so sagt es Valentini, verabschiedet haben von der Idee, immer den schönen Fußball zu spielen, immer den Gegner in Sachen Ballbesitz überlegen zu sein. Zweitliga-Fußball wollen sie also spielen.

Und der wird mitunter spät belohnt, wie im Heimspiel gegen Würzburg. Da traf Asger Sörensen in der Nachspielzeit. "Das war Gold wert", sagt Valentini und meint es viel allgemeiner als nur mit Blick auf dieses eine Spiel. Es war Gold wert und passierte tatsächlich noch während dieser Achterbahnfahrt 2020. Ein seltsames Jahr.

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