Kolumne

Weiter, immer weiter! Das Kleeblatt jagt Tasmania

Kurt Heidingsfelder

Leben

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12.12.2021, 17:26 Uhr

"Die Fahne weht im Wind und das Kleeblatt Fürth ...!" Auf Tasmania Berlin fehlen der Spielvereinigung (hier ein Bild aus der Aufstiegssaion) jetzt "nur" noch sechs Punkte.  © Sportfoto Zink/Thomas Hahn; Grafik: Ralph Meidl; Montage: Sabine Schmid

Liebe Fortuna,

du hast ja doch ein Herz. Oder war das etwa nur eine einmalige göttliche Intervention? Endlich der erste Heimsieg, gut und schön, aber, da muss noch mehr kommen. Weiter, Fortuna, immer weiter!

Zugegeben, inwiefern das alles mit Glück zu tun hat, also deinem Metier, darüber scheiden sich regelmäßig die Geister. Aber an wen sollte ich mich sonst wenden? An Hermann Gerland sicher nicht. Der behauptet: “Immer Glück ist Können.” Meistens Pech wäre demnach…? Armes Kleeblatt.

Als superschlaues Mythenwesen ahnst du bereits: Bei mir geht’s heute ums Allerheiligste, um Fußball. Und der Fußballgott, dieser Hallodri, schläft zweifellos in FC-Bayern-Bettwäsche. Deshalb schreibe ich an dich, an die unbestechliche Ministerin für Glücksgedöns, wie Gerhard Schröder sagen würde.

Eine Laune des Schicksals (das bist doch auch du!?) lässt mich Sympathie für Fürth empfinden. Für die Stadt und den Verein. Dabei bin ich keiner dieser Kleeblatt-Aborigines, die schon in der Landesliga Mitte weiß-grün pinkelten, beim 0:0 auf einer Wiese in Ruhmannsfelden. Ich leide anders, aber ich leide. Zum Beispiel in einer privaten Whatsapp-Selbsthilfegruppe. Nach dem 1:7 in Leverkusen postete ein Kumpel: “Wenigstens haben wir diesmal keine Führung verspielt.”

Was mich triggert, nennt die Wissenschaft den “Underdog-Effekt”. Soll heißen: Ich drücke grundsätzlich den Kleinen die Daumen, weil ich von denen wenig erwarte, ergo kaum enttäuscht werden kann. Stellt sich also die Frage, ob man als Anhänger der SpVgg Greuther Fürth besonders mutig ist oder eher besonders feige. Mia san nix statt mia san mia?

Tröstlich ist, dass sich die Fürther selbst nicht allzu ernst nehmen. “Und die Kutschn lou mer rutschn, tätärä…“ Man stelle sich den schönen Schmarrn in einer Hymne über die Bayern vor, den schnieken „Stern des Südens“. Pah! Sogar der windige Club schnulzt hochdeutsch und bedeutungsschwer: „Die Legende lebt…“ Ja mei, 1968 ist halt auch schon ein Weilchen her.

Sorry, Fortuna, ich schweife ab. Ausnahmsweise ist es nicht der FCN, der auf ein Debakel zutorkelt. Nein, diesmal rutschn "meine" Färdder in die Deppenregion ab. Schlechtester Bundesligist aller Zeiten - das Unaussprechliche droht nach wie vor. Um in der ewigen Losertabelle zu Tasmania aufzuschließen, fehlen immer noch sechs Punkte aus 19 Spielen. Das ist ohne dich kaum zu schaffen.

Was wir jetzt brauchen, du säumige Göttin, ist ein Fangnetz aus Glück: Befreiungsschläge, die zu Volltreffern werden; Phantomtore; Gegner, die verschlafen; feindliche Stürmer mit Rheuma oder Durchfall - zumindest mit Ladehemmung; oder nur noch Spiele gegen Union Berlin. Liebe Fortuna, bitte! Es ist doch bald Weihnachten.

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