Mercedes C-Klasse: Greift nach dem großen Stern

24.6.2021, 15:39 Uhr
Neue Mercedes C-Klasse: Startfreigabe im Juli

Neue Mercedes C-Klasse: Startfreigabe im Juli © Hersteller

Auf ein Neues heißt es in Stuttgart: Die Zeit war reif, um die Limousine und den Kombi - das T-Modell also - der Mercedes C-Klasse auszuwechseln. In diesen Tagen rollt die mit nunmehr 4,75 Metern Außenlänge gerade noch kompakte Neuauflage der Baureihe zu den Händlern.

Für Mercedes spielt das Volumenmodell eine der Hauptrollen in der gesamten Modellpalette: Inklusive des Urahns Mercedes 190 sind seit 1982 mehr als 10,5 Millionen Einheiten verkauft worden.

Zu den Highlights der neuen Generation gehören eine umfassende Elektrifizierung der Antriebe, die optionale Hinterachslenkung und das weiterentwickelte Bedien- und Infotainmentsystem MBUX.

Am Heck fallen die schmalen Rückleuchten auf.

Am Heck fallen die schmalen Rückleuchten auf. © Hersteller

Erstmals gehen nun die beiden Karosserievarianten gleichzeitig an den Start - zu Preisen ab 41.138 Euro für die Limousine C 180 und 46.975 Euro für das T-Modell, dessen Palette erst mit dem C 200 beginnt.

Elegante Silhouette

Schon beim ersten Hinsehen wird klar: Die Proportionen stimmen bei der C-Klasse. Frontscheibe und Fahrgastzelle sind ein Stückchen nach hinten gewandert, das passt tadellos zu Linienführung und Silhouette der beiden Varianten. Die Motorhaube trägt einen sportlichen Powerdome; digitale Scheinwerfer - nachts ein Sicherheitsplus - lassen sich optional ordern. Am Heck sind keine designtechnischen Verirrungen wie bei manch früherem Modell festzustellen. Schmale Rückleuchten - erstmals beim "C" zweiteilig - erinnern ein wenig an das Audi- und Alfa-Romeo-Design.

Vor den ersten Probefahrten machten wir uns zunächst mit dem C200 vertraut. Von den vorbildlichen Raum- und Sitzverhältnissen sind Groß und Klein selbst in der zweiten Reihe angetan. Abstriche bei Materialien und Verarbeitung? Fehlanzeige! Komfort geht über alles, etliches ist freilich nur gegen Mehrpreis zu haben.

Touchscreen im XXL-Format

Auch die Cockpit-Gestaltung gefällt, sie ist zum Fahrer hin leicht geneigt. Das noch digitaler ausgelegte Fahrer-Display, ohne runde Instrumentenanzeigen, steht frei und kann in 10,25- oder 12,3-Zoll-Größe geliefert werden. Statt des zentralen 9,5-Zoll-Touchscreens lässt sich optional eine ebenfalls dominierende, größere Version mit 11,9 Zoll ordern. Optional gibt es ein farbiges Head-up-Display, das dem Fahrer sogar ein virtuelles und gleichsam über der Motorhaube schwebendes Bild hinzaubert. Die Bedienung des in jüngster Auflage weitergeführten Infotainment-Systems MBUX stellt keine große Herausforderung dar, vieles lässt sich intuitiv lösen (und auch personalisieren). Fazit: Das Interieur übernimmt viele Details aus der neuen Mercedes S-Klasse, was auch den Preis nach oben treibt.

Geradezu spektakulär: C-Klasse-Cockpit mit bis zu 11,9 Zoll großem Touchscreen.

Geradezu spektakulär: C-Klasse-Cockpit mit bis zu 11,9 Zoll großem Touchscreen. © Hersteller

Was zunächst bei den Motoren auffällt: Es werden ausschließlich Vierzylinder angeboten, turbogeladen freilich, aber mit relativ kleinen Hubräumen. Speziell gilt dies für die kleineren Benzinern C180 und C 200, die 1,5 Liter aufweisen. Der C 300 bietet immerhin 2,0 l, ebenso wie die Diesel im C 220 d und C 300 d.

Erstmals arbeitet die C-Klasse mit Mild-Hybriden samt integriertem Startergenerator (ISG abgekürzt). Per 48-Volt-Bordnetz ermöglichen sie das "Segeln" bei abgeschaltetem Verbrenner, gewähren aber auch elektrischen "Boost" und sorgen bei Gaswegnahme und beim Bremsen für Energierückgewinnung, Stichwort "Rekuperation".

Sparsam dank Mildhybrid

Bekannt ist die Technik bereits, jetzt soll sie auch in der C-Klasse vor allem Verbrauchseinsparungen und besseren Durchzug aus niedrigen Touren erbringen. Auf den Spritkonsum in der Praxis werden wir nach ausgiebigen Tests zurückkommen, vorerst eine Info zum Prüfstands-Wert: Der C 200 genehmigt sich nach praxisnaher WLTP-Norm 6,3 bis 7,2 Liter pro 100 Kilometer, entsprechend 143 bis 163 g/km CO2-Ausstoß.

Die Einstiegspreise haben bereits Erwähnung gefunden. So geht es weiter: Für die Limousine C 300 (Benziner, 190 kW/258 PS) verlangt Mercedes ab 47.891 Euro. Die Preise für die beiden Diesel beginnen bei 47.177 Euro (C 220 d); der C 300 d fährt ab 51.788 Euro vor. Das T-Modell kostet bei gleicher Motorisierung knapp 2200 Euro mehr als die Limousine.

Selber schalten ist passé

Erstmals gelangt der ISG-Mildhybrid auch beim neuen Diesel (OM 654 M) zum Einsatz. Wie bei den Benzinern steuert die Elektrifizierung hier 15 kW/20 PS und 200 Newtonmeter Drehmoment bei, unterstützt die Selbstzünder (147 kW/200 PS im C 220 d und 195 kW/265 PS im C 300 d), verteilt die Kraft generell über eine Neunstufenautomatik (9G-Tronic) - auf Wunsch sogar an alle vier Räder, 4Matic nennt sich die Allradtechnologie. Nicht zuletzt erhöht der Mild-Hybrid spürbar die Laufruhe und springt speziell bei Start-Stopp geschmeidig an.

Debüt im Doppel: Der Kombi

Debüt im Doppel: Der Kombi "T" fährt zeitgleich mit der Limousine neu vor. © Hersteller

Welches ist nun die richtige Motorisierung? Reicht die Leistung beim C 180 mit 125 kW/170 PS plus Mildhybrid aus? Für sehr zurückhaltende Zeitgenossen schon, aber selbst beim stärkeren C 200 haben wir Durchzug vermisst. Wenn er stark gefordert wird, entfaltet der 1,5-Liter-Vierzylinder seine Kraft eher zurückhaltend, immerhin muss er leer 1650 Kilo bewegen. Bei höheren Touren klingt er dabei akustisch ziemlich aufdringlich, was nicht zu seinen sonst so guten Sitten passt.

Souveräner verhält sich da der C 300-Benziner, obwohl er 200 Kilo mehr als der C 200 wiegt. Reichlich Durchzug, Spaß und sparsamen Verbrauch (nur 5,0 bis 5,6 l/100 km, ab 131 g/km CO2 nach WLTP-Norm) bieten erst recht die beiden Diesel, der 300 d, aber auch schon der 220 d. Die Hinterachslenkung, die wir nicht nur sportlichen Fahrern empfehlen können, macht alle C-Modelle noch agiler; sie kostet 1249 Euro Aufpreis. Rundum vernetzt und mit vielen ausgefeilten Assistenten ist die C-Klasse sowieso - bis hin zum immer schlaueren Sprachassistenten, der auf "Hey Mercedes" hört oder den Updates "Over the Air.

Ab September mit Stecker

Auf den Plug-in-Hybrid mit Benzinmotor werden C-Klasse-Kunden noch etwas warten müssen, er ist für September angekündigt und zunächst dem Benziner 300 e vorbehalten. Die Mercedes-Techniker wecken schon mal hohe Erwartungen, denn der 300 e soll bis zu 100 Kilometer weit ausschließlich elektrisch fahren. Die mit dem 95 kW-E-Motor im bloßen Strombetrieb zu erreichende Höchstgeschwindigkeit liegt bei 140 km/h, sonst, unter Einsatz des 150 kW/204 PS starken Zweiliter-Ottos, bei 245 km/h. Im C 300 e liegt die Batterie zwar flach unter dem Kofferraum, schränkt aber dennoch das Volumen ein: In die teilzeitstromernde Limousine passen nur 315 Liter, ins T-Modell wiederum 360 bis 1375 Liter. Die 25,4 kWh-Akkus lassen sich per Schnellladung in 30 Minuten aufladen – das gibt es bislang nur selten in diesem Segment. Die Preise für den Plug-in-Hybriden sind bislang noch nicht kommuniziert worden.

Für die zweite Jahreshälfte 2022 kündigen die Stuttgarter außerdem einen Diesel-Plug-in-Hybrid an.

Ergänzend zu den Mildhybriden, die während der Fahrt laden, kommen extern aufladbare Plug-in-Hybride.

Ergänzend zu den Mildhybriden, die während der Fahrt laden, kommen extern aufladbare Plug-in-Hybride. © Hersteller

Die konventionell angetriebene C-Klasse-Limousine packt 455 Liter weg, beim T-Modell sind es 490 bis 1510 l, gegenüber dem Vorgänger kommt diese einem Lade-Plus von 30 Litern gleich - nicht zuletzt dank des Längenwachstums um gut sechs beziehungsweise – T-Modell - knapp fünf Zentimetern sowie glattflächiger Böden.

Deutet auch Schilderbrücken

Auch bei den perfekt arbeitenden Fahrassistenten sucht die C-Klasse den Anschluss an die S-Klasse – vom Aktiven Abstands-Assistenten, der jetzt auch in der Stadt tätig wird bis hin zum Verkehrszeichen-Assistenten, der neuerdings selbst Schilderbrücken, Baustellenbeschilderungen oder bedingte Gebote ("bei Nässe") zu deuten weiß.

Die neuen Modelle sollen noch mehr Kunden begeistern als schon bislang, man zählt darauf, dass sie die HighTech aus dem erst vor kurzer Zeit eingeführten Spitzen- und Prestigemodell der Marke, der S-Klasse, zu schätzen wissen. Am liebsten würden die Mercedes-Manager die kompakte C-Klasse wohl wie eine halbe S-Klasse eingestuft wissen. Vom Preis her ginge diese Rechnung schon einmal auf.

Ingo Reuss

Mercedes C-Klasse:

Wann sie kommt: Im Juli 2021

Wen sie ins Visier nimmt: 3er BMW, Audi A4, Volvo S60

Was sie antreibt:

C 180: 1,5-l-Vierzylinder-Turbobenziner mit 125 kW/170 PS

C 200: 1,5-l-Vierzylinder-Turbobenziner mit 150 kW/204 PS

C 300: 2,0-l-Vierzylinder-Turbobenziner mit 190 kW/258 PS

C 220 d: 2,0-l-Vierzylinder-Turbodiesel mit 147 kW/200 PS

C 300 d: 2,0-l-Vierzyliner-Turbodiesel mit 195 kW/265 PS

Was sie kostet: Limousine ab 41.138 Euro, Kombi ab 46.975 Euro

Was noch kommt: Plug-in-Hybrid C 300 e im September, Diesel-Plug-in-Hybrid in der zweiten Jahreshälfte 2022