17°

Dienstag, 17.09.2019

|

zum Thema

Angehörige fassungslos: Kein Geld für NSU-Opfer

Grüne scheitern mit Antrag auf Entschädigung der Familien - 13.12.2018 09:00 Uhr

Mehmet O. ist fassungslos: Seit Jahren kämpfte er für eine Entschädigung, die ihm nun verwehrt bleibt. © Foto: privat


Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze hatte leidenschaftlich für das Ansinnen geworben. "Wir dürfen die Angehörigen der Opfer mit dem psychischen Leid und den materiellen Folgen nicht alleine lassen", begründete sie. Der Landtag müsse nicht nur die Morde des NSU als rassistisch anerkennen, sondern sich auch zu seiner politischen Verantwortung gegenüber Opfern, Angehörigen und Geschädigten bekennen, sagte sie. Doch am Ende lehnte die Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern mit den Stimmen der AfD den Antrag ab. "Es leuchtet mir nicht ein, wie man gegen diese Unterstützung sein kann", sagte Schulze unserer Redaktion.

Bilderstrecke zum Thema

Die kaltblütigen Morde des NSU: Eine Chronologie

Jahrelang hielten die Rechtsterroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt das Land in Atem. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen auf das Konto der beiden männlichen Täter etliche Bankraube, Attentate und zehn Morde gehen. Wir erinnern an die Opfer und Verletzten.


Thüringen hatte vor einem Jahr einen solchen Fonds aufgelegt und ihn mit 1,5 Millionen Euro ausgestattet. Es hätte dem Freistaat Bayern "gut zu Gesicht gestanden", wenn er einen Entschädigungsfonds nach Thüringer Vorbild eingerichtet hätte, urteilte Rechtsanwalt Alexander Seifert, der die Nürnberger Familie des getöteten Imbissbetreibers Ismail Yasar vertritt. "Die Angehörigen der Opfer haben viel durchgemacht", betonte Seifert. Denn die Polizei verdächtigte zunächst die Opfer selbst als Mitglieder der türkischen organisierten Kriminalität, dies habe den Hinterbliebenen zusätzliches Leid bereitet.

Bilderstrecke zum Thema

NSU-Unterstützerin zog von Sachsen in den Landkreis Roth

Die Frisörin Mandy S.kannte sich in der Region Nürnberg gut aus. Sie nahm an Veranstaltungen von Rechtsextremen in Fürth und Gräfenberg teil und besuchte eine Schulung der inzwischen verbotenen Fränkischen Aktionsfront. Von Sommer 2002 bis März 2003 lebte sie in Büchenbach nahe Roth. Heute wohnt sie wieder in Sachsen.


Auch Mehmet O. (Name geändert), der frühere Wirt der Pilsbar "Sonnenschein" in der Nürnberger Scheurlstraße, kämpft seit Jahren um Entschädigung. Als im Sommer 1999 eine Taschenlampe in seinem Lokal explodierte, überlebte er mit Verletzungen am ganzen Körper. Erst im Münchner Prozess kam 2013 ans Licht, dass das Attentat auf das Konto des NSU ging (wir berichteten). Da hatte O. seine Heimatstadt aus Angst vor weiteren Anschlägen längst Hals über Kopf verlassen. Viele schwere Jahre liegen hinter ihm, sagte er jetzt dem gemeinsamen Rechercheteam von Nürnberger Nachrichten und Bayerischem Rundfunk.

 

Elke Graßer-Reitzner

30

30 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Region