Corona-Apps: In Bayern hat Luca Konkurrenz

16.3.2021, 05:56 Uhr
Mecklenburg-Vorpommern nutzt die Luca App bereits. Für die Lizenzierung des Systems und die technische Anbindung an die Gesundheitsämter fallen Kosten von über 400.000 Euro an.

Mecklenburg-Vorpommern nutzt die Luca App bereits. Für die Lizenzierung des Systems und die technische Anbindung an die Gesundheitsämter fallen Kosten von über 400.000 Euro an. © Christian Ohde/www.imago-images.de

Sie heißen ganz unterschiedlich: GastIdent, Luca oder Darfichrein. Doch das Ziel ihrer Entwickler ist stets gleich. Menschen sollen sie nutzen, um sich beim Besuch eines Restaurants per QR-Code einzuchecken.

Seit dem vergangenen Jahr ist die Gastronomie verpflichtet, die Kontaktdaten ihrer Gäste zu erfassen. Daraufhin ist ein neuer Markt entstanden, auf dem sich Geld verdienen lässt. Entwickler und Programmierer machten sich daran, das Problem zu lösen und die bis dato analoge Zettelwirtschaft abzuschaffen. Derzeit gibt es so viele Anbieter in Deutschland, dass sich ihre Zahl nicht überblicken lässt. Auch in Bayern kamen Produkte auf den Markt: Corona-Anmeldung wurde zum Beispiel von drei Mittelfranken entwickelt.

Schnelle Rückverfolgung der Kontakte

Einige Anwendungen sollen auch den Austausch der Daten mit den Gesundheitsämtern ermöglich. So kann die Behörde, nachdem ein Gast positiv getestet wurde, dessen Kontakte schnell zurückverfolgen.

Dass der Rapper Smudo die App Luca vor einer Weile im Fernsehen pries - unter anderem Ende Februar in der Talk-Show "Anne Will" - hat andere Entwickler verärgert. Ihnen fehlt eine prominente Werbefigur, um im Wettstreit nicht leer auszugehen. Denn dieser ist in vollem Gange: Mecklenburg-Vorpommern hat bereits eine Luca-Lizenz gekauft. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller plädierte ebenso für die Einführung der App in der Landeshauptstadt. Bayern hat sich noch nicht auf eine bestimmte App festgelegt.

Eigenes Produkt entwickelt

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bayern) setzt nicht auf Luca, sondern auf die App Darfichrein. Darfichrein ist ein Tochterunternehmen der Bayerischen Gastgeber AG, die von der Dehoga Bayern 2018 gegründet wurde.

Laut der Darfichrein GmbH wird die Anwendung bereits an 3600 Standorten genutzt, mehr als 2,6 Millionen Check-Ins gab es bisher. Zu den Kunden zählen die Universität Erlangen-Nürnberg, aber auch Bayreuth. Die Stadt hat dabei die Kosten für die Gastronomen und Kulturschaffenden übernommen.

Von 5 bis 1500 Euro

Darfichrein ist nicht kostenlos. Wer Mitglied der Dehoga ist, zahlt 5 Euro im Monat. Ein zusätzlicher Standort kostet weitere 2,50 Euro. Ein Nicht-Mitglied zahlt 10 Euro und weitere 5 Euro im Monat für einen weiteren Standort. Höhere Kosten fallen für Städte, Kommunen oder Verbände an.


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96 Euro betragen die Kosten, wenn Darfichrein an bis zu 20 Standorten genutzt wird. Bei 251 bis 500 Standorte sind es 1500 Euro im Monat. Bei einer Universität gilt jedes Gebäude als neuer Standort. Die Darfichrein GmbH betont, dass kommerzielle Interessen nicht im Vordergrund stünden, wenngleich "die GmbH wirtschaftlich eigenständig operieren muss".

Zwar ist Luca für Betreiber und Nutzer kostenlos. Zahlen müssen aber die Gesundheitsämter. Wie viel ist nicht bekannt. Gesundheitsämter, so heißt es auf der Website von Luca, können die Kosten über den Pakt ÖGD finanzieren. Dahinter verbirgt sich der Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst, auf den sich Bund und Länder 2020 geeinigt hatten. Das Ziel ist, die Gesundheitsämter personell aufzustocken, zu modernisieren und zu vernetzen. Für sechs Jahre stehen 4 Milliarden Euro bereit.

"Gigantisches Unterfangen"

Die Dehoga Bayern steht der App Luca kritisch gegenüber und moniert den monopolistischen Ansatz. Der Weg der Luca-Hersteller funktioniere nur, "wenn alle Gesundheitsämter angebunden sind, alle Bürger sich die App laden und alle Betriebe dabei sind". Dies sei ein "gigantisches Unterfangen". Betriebe hätten ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen, um die Erfassung der Kontaktdaten digital abzubilden. "Diese heterogenen Anforderungen können wir nicht durch die Verordnung einer zentralen Lösung beantworten. Das leistet in Deutschland der Wettbewerb."


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Die Darfichrein GmbH baut derzeit an einem Prototypen für ein zentrales Portal. Über dieses sollen alle Gesundheitsämter deutschlandweit die Daten bei den Betrieben digital anfragen und erhalten. Die Datensätze würden direkt in Systeme wie Sormas übernommen. An dieses Portal, das Darfichrein betreibt, können sich Entwickler anderer digitaler Lösungen zur Kontaktdatenerfassung, etwa GastIdent oder eguest, anschließen. Die Nutzung des Portals ist sowohl für die Gesundheitsämter als auch die Anbieter kostenlos.