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In Fotofalle gelaufen: Erster Wolf im Landkreis Fürth gesichtet

Wildkamera fotografiert Jungtier am Dillenberg, das wohl auf Reviersuche ist - 04.02.2020 13:56 Uhr

Nun wurde wohl auch im Landkreis Fürth ein erster Wolf gesichtet: Eine Wildkamera fotografierte das Jungtier am Dillenberg. © Alexander Heinl/dpa


Einige gerissene Rehe deuteten bereits seit mehreren Wochen darauf hin, dass ein Wolf durch die Region streift, unter anderem in Reicherts eigenem Revier bei Vogtsreichenbach. Um die Weihnachtszeit hat er dort ein Reh gefunden, viel mehr das, was von dem Tier übrig war. "Das Reh war komplett ausgehöhlt, nur Haut und Kopf waren übrig, das macht nur der Wolf", so Reichert.

Am Dillenberg war das Tier, das vermutlich noch nicht ausgewachsen ist, in die Fotofalle getappt.


Am vorvergangenen Wochenende tappte das Tier in eine Fotofalle am Dillenberg. Als Standort der Kamera nennt Reichert den "nördlichen Rand" des größten Waldgebiets im Landkreis, das sich auf einem Höhenzug von Cadolzburg bis Kirchfarrnbach zieht. Genauer will Reichert den Bereich nicht eingrenzen, der Revierpächter habe darum gebeten, sich bedeckt halten zu können.

Wolf im Landkreis Fürth: Experte schließt Verwechslung aus

Vor dem Hintergrund diverser angeblicher Wolfssichtungen in der jüngeren Vergangenheit schließt Reichert eine Verwechslung, etwa mit einem wolfsähnlichem Hund, aus. "Das war garantiert ein Wolf, dafür verbürge ich mich", sagt er. Ihm zufolge dürfte es sich um ein männliches Jungtier des vergangenen Jahres handeln. Der Nachwuchs würde noch eine Zeitlang im Rudel geduldet, bis die Geburt von neuen Welpen bevorstehe.

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Womöglich sei der Wolf gar nicht mehr da, so Reichert. "Der streift solange umher, bis er eine Fehe aufspürt." Wölfe können dabei bis zu 80 Kilometer am Tag zurücklegen und scheuen auch vor dicht besiedelten Gebieten nicht zurück, wie der Wolf vom Dillenberg beweist.

Wolf im Landkreis Fürth: "Nur eine Frage der Zeit"

Reichert nimmt die Präsenz des Wolfes gelassen: "Es war nur eine Frage der Zeit, bis der auch bei uns auftaucht". Allzuviel Reibungspunkte mit der Zivilisation macht er nicht aus. Es gebe kaum mehr Schafe, wenn überhaupt ein paar Hobby-Schafhalter. Menschen gegenüber verhält sich der Wolf scheu. "Im Normalfall lässt sich der nicht blicken."

Sollte ein Spaziergänger oder ein Hundehalter tatsächlich einem Wolf begegnen, der nicht gleich von alleine weiterzieht, rät Reichert dazu, ihn mit lautem Rufen oder Klatschen zu verscheuchen. Hunde sollten eng an die Leine genommen werden. Denn die könnte der Wolf als Konkurrenten oder Paarungspartner einstufen. "Nur nicht weglaufen", mahnt Reichert. Denn das passt ins Beuteschema.

In Deutschland leben aktuell 105 Wolfsrudel. Das ergab die Auswertung des Monitoringjahres 2018/19 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW). Das Vorkommen der streng geschützten Tiere konzentriert sich weiter auf ein Gebiet, das von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen reicht.


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sd

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