ADFC übt Kritik

Gefährliche Stelle in Nürnberg: Verbesserungen für Radler und Fußgänger gefordert

10.7.2021, 19:11 Uhr
Mangels Rad- und Fußwegen müssen Verkehrsteilnehmer an der Beuthener Straße auf die Fahrbahn ausweichen. 

Mangels Rad- und Fußwegen müssen Verkehrsteilnehmer an der Beuthener Straße auf die Fahrbahn ausweichen.  © Stefan Hippel, NNZ

Wer in der Beuthener Straße zwischen Karl-Schönleben-Straße und Hans-Kalb-Straße zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, steht früher oder später auf der Fahrbahn, weil es streckenweise keine Wege für diese Verkehrsteilnehmer gibt. Die Folge: Fahrzeuge müssen ausweichen. "Uns erreichen immer wieder Beschwerden von Menschen, die hier mit dem Rad langfahren", berichtet Hermann Roß vom ADFC Nürnberg.

Der Verein hat Kommunalpolitiker zu einem Ortstermin an die Beuthener Straße eingeladen und fordert Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer. Bei der letzten offiziellen Zählung im Jahr 2015, also noch vor der Eröffnung des Post-Logistikzentrums und anderer Firmen, registrierten die Zähler 11.000 Kraftfahrzeuge in 16 Stunden, darunter elf Prozent Lkw. Mittlerweile haben sich weitere Transportunternehmen angesiedelt und das Verkehrsaufkommen dürfte nach Einschätzung von Hermann Roß noch höher sein.

Mehr Verkehr durch Amazon-Verteilzentrum

Weitere Lkw- und Transporter-Fahrten dürften spätestens dann hinzukommen, wenn der Online-Händler Amazon sein neues 8300 Quadratmeter großes Verteilzentrum auf dem ehemaligen Grundig-Gelände eröffnet. Das soll noch in diesem Jahr der Fall sein.

In Verteilzentren werden Pakete von Amazons Logistik- und Sortierzentren ankommen, anschließend von Lieferpartnern abgeholt und an die Kunden zugestellt. Amazon will in Nürnbergs neuem Zentrum mit unabhängigen Lieferpartnern zusammenarbeiten, um die schnelle und zuverlässige Zustellung von Pakten zu ermöglichen, teilte das Unternehmen im März mit. Entstehen sollen 85 Arbeitsplätze, bei den Lieferpartnern sollen nach Firmenangaben etwa 230 Fahrer für die Auslieferung der Pakete an die Kunden zuständig sein. Amazon steht allerdings auch immer wieder in der Kritik - unter anderem wegen der Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter an seinen Standorten.

Zwar plane die Stadt hier mittelfristig Rad- und Fußwege anzulegen – aber das könne angesichts der hohen Arbeitsbelastung der kommunalen Verkehrsplaner noch Jahre dauern, befürchtet der ADFC. Der Verein wünscht sich deshalb eine Zwischenlösung: Da es in beide Richtungen jeweils zwei Fahrbahnen gibt, könne man eine davon als Fahrradschutzstreifen abmarkieren. Für den Kfz-Verkehr bliebe jeweils eine Spur plus die Abbiegespuren an den Kreuzungen.

Stadträte und ADFC machten sich vor Ort ein Bild von der Verkehrssituation an der Beuthener Straße.

Stadträte und ADFC machten sich vor Ort ein Bild von der Verkehrssituation an der Beuthener Straße. © Stefan Hippel, NNZ

Geld für die Infrastrukturmaßnahmen sollten nicht aus dem Radwege-Etat der Stadt fließen. "Nicht die Radfahrer machen sie notwendig, sondern die Logistikfirmen mit ihrem hohen Lkw-Verkehr", findet Roß.

Es muss etwas getan werden - nur was?

Dass in der Beuthener Straße – auch angesichts der Ansiedelung von Amazon - etwas getan werden muss, darüber waren sich die verkehrspolitischen Sprecher der Stadtratsfraktionen- und Gruppen einig. Über die Details der Ausgestaltung diskutierten Max Müller (CSU), Nasser Ahmed (SPD), Mike Bock (Bündnis 90/Die Grünen) und Jan Gehrke (ÖDP).

Mike Bock von den Grünen hält von Zwischenlösungen – etwa den vom ADFC vorgeschlagenen Schutzstreifen - nicht viel. Seine Fraktion hat schon im September 2019 einen Antrag gestellt und gefordert, dass die Infrastruktur vor Ort verbessert werden muss. Dieser wurde bislang aber noch nicht im Verkehrssauschuss behandelt.


Schub für Radverkehr: Stadt will Lücken schließen


Max Müller (CSU) und Nasser Ahmed (SPD) könnten sich generell vorstellen, die Beuthener Straße auf der Prioritätenliste für Radwege hochzustufen. "Aber wir haben endliche Ressourcen", mahnt Ahmed. Da die personellen und finanziellen Mittel der Stadt beschränkt sind, hat sich die Stadt auf 18 Radvorrangrouten geeinigt, die zuerst umgesetzt werden sollen. "Wenn wir hier etwas vorziehen, dauert es woanders länger", sagt Müller. Für unverzichtbar halten die beiden die Parkplätze in der Mitte der Straße. "Die brauchen wir für Großveranstaltungen", so Ahmed.

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