Politiker fordern neue Radwegeplanung

So sind Radler in Gostenhof sicherer unterwegs

29.6.2021, 14:26 Uhr
Mindestens 1,50 Meter müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern Abstand halten. Jan Gehrke (ÖDP), Natalie Keller und Mike Bock (Bündnis 90/ die Grünen) (von links nach rechts) machten in der Willstraße auf die ungenügende Radverkehrsinfrastruktur aufmerksam. 

Mindestens 1,50 Meter müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern Abstand halten. Jan Gehrke (ÖDP), Natalie Keller und Mike Bock (Bündnis 90/ die Grünen) (von links nach rechts) machten in der Willstraße auf die ungenügende Radverkehrsinfrastruktur aufmerksam.  © Eduard Weigert, NNZ

Ganz nah an den geparkten Autos radelt eine Frau entlang der Willstraße in Richtung Bärenschanzstraße/Reutersbrunnenstraße. Vom Spiegel eines vorbeifahrenden Lieferwagens, der sie ganz dicht passiert, wird sie fast gestreift. Auf der anderen Straßenseite, vor den Arkaden in Richtung Fürther Straße, muss ein Radler derweil das Auto eines Lieferdienstes umkurven, der auf dem abmarkierten Radweg parkt. Ein nachfolgender Autofahrer bremst scharf ab, um nicht auf den Radler aufzufahren.

Alles andere ideal für Menschen, die mit dem Rad unterwegs sind, ist die Verkehrssituation in der Willstraße im Stadtteil Gostenhof. Das weiß auch die Stadtverwaltung, die schon vor einiger Zeit Pläne zur Umgestaltung vorgelegt hat. Demnächst rücken dort sowieso die Bagger an, weil Kanalrohre verlegt werden. Im Nachgang könne man dann im Jahr 2022 die Rad- und Gehwege verbessern, so der Plan.

Bereits in diesem Mai lagen die Pläne dem Verkehrsausschuss des Stadtrats vor. Damals vertagte man eine Abstimmung. Nun haben sich die Stadtratsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und ÖDP zusammengetan und fordern, dass die Pläne überarbeitet werden, bevor sie erneut im Ausschuss Thema sind. Mit den Vereinbarungen aus dem Mobilitätsbeschluss, der im Winter auf das Bürgerbegehren Radentscheid folgte, seien die bisherigen Planungen nicht vereinbar, so Natalie Keller und Mike Bock von den Grünen sowie Jan Gehrke von der ÖDP.


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Gehrke fordert unter anderem, dass die Standardbreite von 2,30 Metern bei Radwegen eingehalten werden muss. Sollten Parkplätze neben dem Radstreifen verlaufen, muss sogar noch ein Sicherheitspuffer hinzukommen, so der ÖDP-Stadtrat. Der Grund dafür ist, dass plötzlich aufgerissene Fahrzeugtüren für Radlerinnen und Radler lebensgefährlich werden können – entweder weil sie mit der Tür kollidieren, oder aber bei einem abrupten Ausweichmanöver durch den fahrenden Verkehr gefährdet werden.

In Richtung Fürther Straße sind vor den Arkaden keine Parkplätze geplant. Die Radwegbreite sei derzeit und auch in den Planungen, die einen 1,50 bis 1,85 breiten und rot eingefärbten Streifen vorsehen, aber viel zu schmal, findet Gehrke. Hier könne man ohne weiteres noch Fläche vom 5,50 Meter breiten Auto-Fahrstreifen in südlicher Richtung abnehmen. Eine zusätzliche Abbiegespur in die Fürther Straße, die bisher noch eigeplant ist, hält er für überflüssig. Positiv bewertet Gehrke indes eine ebenfalls rot eingefärbte Radaufstellfläche kurz vor der Kreuzung zur Fürther Straße.

Radweglücke manifestiert

Dass in entgegengesetzter Richtung nur ein ganz kurzes Stück vor der Einmündung zur Bärenschanzstraße als Radstreifen abmarkiert werden soll, entrüstet seine Stadtratskolleginnen und –kollegen von den Grünen. Auf einem längeren Stück müssen Radlerinnen und Radler sich die Fahrbahn mit den Autos teilen. "Hier manifestiert man eine Radwegelücke", findet Mike Bock. Die Grünen fordern eine durchgängige Radinfrastruktur. "Das muss auch mal zu Lasten der Parkplätze gehen", sagt Bock. Er kritisiert zudem, dass die Umgestaltung, die mit etwa einer halben Million Euro zu Buche schlägt, komplett vom derzeit fünf Millionen Euro starken Radwegeetat abgezogen werden soll.

Auch der Gehweg in nördlicher Richtung würde den Plänen zufolge von fast drei Metern auf 2,25 Meter verengt. Das lehnt Natalie Keller ab. Gerade in der Willstraße seien sehr viele Fußgängerinnen und Fußgänger unterwegs, sagt die Grünen-Stadträtin. Sie gehen zu oder kommen von Schulen, Kindertagesstätten, Lebensmittelgeschäften, Gastronomie und Grünanlagen. Schon jetzt gehe es manchmal sehr eng zu, wenn auch noch Mülltonnen, Fahrräder, E-Roller und Straßenschilder auf dem Gehweg stehen, so Keller.


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Sie fordert zudem eine eingefärbte Radaufstellfläche an der Kreuzung zur Bärenschanzstraße. Vor allem Radlerinnen und Radler, die links abbiegen möchten, würden sonst gefährdet.

Neuen Plan gefordert

Sie und ihre Kollegen wollen dem Verkehrsplanungsamt noch vor der Sommerpause ihre Wünsche und Anregungen zukommen lassen. "Wir erwarten, dass ein neuer Plan kommt", sagt Natalie Keller.

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