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Landwirte protestieren gegen Insektenschutzgesetz

Bauernverband wehrt sich mit Mahnfeuer gegen weitere Verbote und Einschränkungen. - 09.02.2021 16:29 Uhr

Der Rother Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Thomas Schmidt, klärte die Landwirte bei seiner Ansprache in Wagnersmühle bei Allersberg über die Nachteile des Insektenschutzgesetzes auf, das am Mittwoch im Bundeskabinett beraten werden soll.

09.02.2021 © Foto: Tobias Tschapka


Auch im Landkreis Roth gab es deswegen am Montagabend Aktionen und Mahnfeuer, unter anderem in Mosbach, Kraftsbuch, Euerwang (dort mit zehn Traktoren), Liebenstadt und an der Wagnersmühle bei Allersberg, unweit des Hofes der Familie Fiegl.

Dort trotzte ein Mahnfeuer dem dichten Schneegestöber zusammen mit rund 50 Landwirtinnen und Landwirte, von denen einige mit dem Traktor gekommen waren. Auf Masken und die vorgeschriebenen Abstände der Corona-Bestimmungen wurde dabei geachtet.

Manche Sorten nicht mehr anbauen

Mit dabei auch Thomas Schmidt, der Rother Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) sowie Kreisbäuerin Annette Götz. Schmidt machte in seiner Ansprache unter anderem auf die geplanten Einschränkungen bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln aufmerksam. "Das hat unter anderem zur Folge, dass wir manche Sorten, wie Zuckerrüben, nicht mehr anbauen können – und dann wird Zucker zukünftig aus Brasilien importiert. Das ist zu kurz gedacht und hat mit Ökologie nichts zu tun", so Schmidt.



Zumal gar kein Handlungsbedarf bestünde: Jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb nimmt bereits an Agrarumweltprogrammen teil, und etwa 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche werden nach den Vorgaben des Kulturlandschafts- oder des Vertragsnaturschutzprogramms bewirtschaftet. Wenn das Gesetz jetzt so verabschiedet werde, hätte das Konsequenzen nicht nur für die konventionellen Landwirte, sondern auch für die Biobauern: "Denn wenn das Verbot von Pflanzenschutzmitteln Gesetz wird, fällt für diese auch die Bioförderung weg."

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Insgesamt kritisierte er, dass beim Schutz der Insekten nur die Landwirtschaft in die Pflicht genommen wird. "Aspekte wie der Straßenverkehr oder die Lichtverschmutzung werden völlig außen vor gelassen." Als "scheinheilig" bezeichnete er dies. Pauschale Verbote und zusätzliche Unterschutzstellungen seien definitiv der falsche Weg. "Nötig sind ein ehrlicher Dialog und Kooperationen mit allen Beteiligten", forderte Schmidt.

Frage nach dem Sinn

Kreisbäuerin Annette Götz berichtet unter anderem von den Protesten von "Land Schafft Verbindung" (LSV) vor der Bayerischen Staatskanzlei, an der sie am gleichen Tag teilgenommen hatte. "Das Interesse an unserem Thema war allerdings nur mittelmäßig, die meisten Gespräche mit Passanten drehten sich um das Thema Glyphosat", bedauerte Götz.


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Dabei ginge es alle an. "Wenn irgendwann die Lebensmittel nicht mehr bei uns erzeugt werden, sondern alles nur noch aus Ländern importiert wird, wo längst nicht so strenge Gesetze und Umweltauflagen für die Produktion gelten, dann muss man sich schon fragen, wo darin der Sinn bestehen soll", so Götz.

Von den eingeladenen Politikern kam nur die Bundestags-Kandidatin der FDP für Roth und das Nürnberger Land, Kristine Lütke. Alle anderen ließen sich aufgrund der Kurzfristigkeit der Aktion (der BBV hatte erst am Vortag dazu aufgerufen) entschuldigen.

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Die Laufer Pflegeunternehmerin Lütke kündigte an, dass die FDP im Bundestag gegen das Gesetz stimmen werde. "Auch wenn ich aus einer ganz anderen Branche stamme, kann ich vieles, was ich von Ihnen hier über zu kurz gedachte bürokratische Regeln gehört habe, die das Eigentum betreffen, nachvollziehen", sagte sie.

TOBIAS TSCHAPKA

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