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Aus als Club-Trainer: Für Schommers ist beim FCN Schluss

Neuanfang in der Noris: Der Nothelfer muss nach Saisonende gehen - 14.05.2019 14:35 Uhr

Raus mit Applaus: Beim Club bleiben durfte Boris Schommers nach dem verpassten Klassenenverbleib nicht. Man darf ihm aber zu Gute halten, dass sich der FCN unter seiner Anleitung zumindest stabiler zeigte und wegweisenden Erfolgserlebnissen oftmals näher schien als unter seinem Vorgänger und ehemaligen Vorgesetzten. © Sportfoto Zink / DaMa


Um 15.07 Uhr twitterte der Club: "Entscheidung gefallen: Boris Schommers verlässt den Club nach der Saison". Überraschend kam die in knappe Worte gefasste Entscheidung von Nürnbergs Herz- und Schmerzverein, der sich am Samstag zum neunten Mal aus der Bundesliga verabschiedet hatte, gegen Schommers derweil nicht.

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Bilder aus dem Stadion: Valentinis bittere Tränen - und viel Trotz

"Die Legende wird wieder auferstehen!", propagieren die Nürnberger Ultras nach Abpfiff, die Profis auf dem Platz rufen über T-Shirts die "Mission Wiederaufstieg" aus: Der 1. FC Nürnberg reagiert trotzig auf den nun sicheren neunten Abstieg der Vereinshistorie. Die Bilder aus dem Stadion – ein Grenzgang zwischen den Gefühlswelten!


Dass die Worte warm ausfielen, die Aufsichtsratsboss Thomas Grethlein zur Verabschiedung des 40-Jährigen auf der Club-Homepage wählte, konnte man wenig später gleichwohl nachvollziehen. Am Neuen Zabo hat man Schommers' letztlich erfolglosen Kampf gegen den Abstieg wertgeschätzt. "Wir sind Boris Schommers sehr dankbar für die geleistete Arbeit. Er hat sich in einer schwierigen Phase bereit erklärt, dem Club zu helfen und der Mannschaft für das letzte Drittel der Saison eine Stabilität verpasst, die ihren Beitrag dazu leistete, dass wir die Bundesliga mit erhobenem Haupt verlassen können", ließ der Chef des rot-schwarzen Kontrollgremiums auf der vereinseigenen Website ausrichten.

Der gebürtige Leverkusener, der als Co-Trainer von Michael Köllner den Club in einem wunderbaren Sommer 2018 zum Aufstieg führte, war seinem vormaligen Vorgesetzten nach dessen Aus, welches die Entlassung von Sportvorstand Andreas Bornemann als Vorbedingung hatte, am 12. Februar auf der Trainerbank nachgefolgt. Eine Zusage oder ein Angebot an Schommers, im Erfolgsfall auch längerfristig in vorderster Front beim Altmeister zu arbeiten, folgte beim damaligen Tabellenletzten daraufhin nicht, zumal der Aufsichtsrat schon damals betonte, dass die Trainerfrage eine ist, die vom noch zu etablierenden, neuen Sportvorstand beantwortet werden müsse.

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Klatschen, Keller, Schommers-Aus: Ein Rückblick auf den Club-Abstieg

Was war das für eine turbulente Saison des 1. FC Nürnberg. In der Hinrunde kommt der noch unter Michael Köllner angeleitete Altmeister bei Dortmund und Leipzig unter die Räder, bleibt beinahe ein halbes Jahr ohne Sieg. Trotz einiger passabler Auftritte, vor allem unter Interimslösung Boris Schommers, kann man nachfolgend den Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus nicht vermeiden - dafür aber so manches Ausrufezeichen setzen. Die Spielzeit in Bildern!


So bleibt der Rheinländer bei den Rot-Schwarzen bis zu seinem Ausscheiden am Samstag ein Interimstrainer. Ein Interimstrainer, der dem Club im Klassenkampf aber eine größere, zuvor vermisste defensive Stabilität verordnete und damit Achtungserfolge erzielte – wie bei seinem Einstand gegen Dortmund (0:0). Einige bittere Niederlagen gegen Düsseldorf, Leipzig, Hoffenheim und Frankfurt später, kam der FCN unter Schommers sogar zu seinem ersten Dreier nach einem knappen halben Jahr. Das 3:0 gegen Augsburg gab Hoffnung, den Turnaround im Streben um den Verbleib in Nürnbergs Lieblingsliga zu schaffen. Eine Hoffnung, welche nach den unglücklichen, wohl auch unverdienten Punktverlusten in Stuttgart und gegen Schalke jedoch wieder schwand.

Ein Fehlschuss und ein Formabfall 

Ein Achtungserfolg war für den stets ruhig, sachlich und sehr engagiert wirkenden Nothelfer und noch vielmehr für den Club das 1:1 gegen die Bayern. Einem von Nürnberg begeisternd geführten Spiel, in dem der FCN trotzdem wohl schon einen Sieg gebraucht hätte, um mit Konkurrent Stuttgart auf Augenhöhe im Abstiegskampf zu bleiben, diesen aber in Person von Tim Leibold in der Nachspielzeit vom Punkt vergab.

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Ekstase und Entsetzen: Club taumelt gegen FCB zwischen Gefühlswelten

Eine Führung, die knapp 30 Minuten hält, ein bitterer Slapstick-Ausgleich, ein verschossener Elfmeter in der Nachspielzeit - und ein Mathenia, der kurz vor Abpfiff doch noch einen Punkt rettet: Gegen den FC Bayern München taumelte der Club zwischen den Gefühlswelten, zwischen Ekstase und Entsetzen, Fußball-Oberhaus und der Zweiten Bundesliga. Die Bilder einer irren Berg- und Talfahrt!


Dem neuen Sportvorstand, Robert Palikuca war gegen die Bayern erstmals im Achteck, stellte Schommers in der Woche danach klar, dass er in der kommenden Saison nur im Verein bleiben würde, wenn er auch weiterhin als Cheftrainer agieren darf. Dass der Club unter seiner Regie konzentrierter und geschlossener verteidigte, in Person von Sogar-die-Bayern-Beeindrucker Matheus Pereira auch mindestens in Ansätzen gewandter auf dem Weg nach vorne agierte, durfte sich der ehemalige Nachwuchstrainer des 1. FC Köln anrechnen lassen. Das Selbstbewusstsein, das sein Trainer demonstrierte, demonstrierte der FCN in den nachfolgenden Spielen jedoch nicht in einer Form, die den Sturz in die Zweitklassigkeit hätte verhindern können.

"Leider hat sich Boris..."

Da das Klassenerhaltswunder ausblieb und Schommers einen Abstieg im Lebenslauf stehen hat, war es angesichts der spätestens nach dem Abpfiff gegen Gladbach spürbaren Bemühungen um einen Neuanfang fast zwangsläufig, dass Schommer als Chefcoach beim Club keine Zukunft hatte. In anderer Funktion hätten sie, das betont der FCN auch auf seiner Homepage, den 40-Jährigen gerne gehalten, was Schommers jedoch wie schon nach dem Bayern-Match ausschloss. "Leider hat sich Boris gegen diese Möglichkeit entschieden, weil er seine Zukunft beim Club mit der Position des Cheftrainers verknüpft hat", heißt es dazu auf der rot-schwarzen Seite.

Mintal übernimmt die U21 

Nach Schommers Arbeitsende gegen Freiburg wird sich Nürnbergs Traum-und-Traumata-Club, der eine baldige Rückkehr ins Oberhaus anstrebt, im Trainerteam übrigens komplett neu aufstellen. Vereinslegende Marek Mintal übernimmt die in der Regionalliga spielende Zweitvertretung. Fabian Adelmann, ein weiterer Assistent sowohl unter Köllner als auch unter Schommers, soll sich wie erwartet darum kümmern, den Abstieg der U19-Youngster aus der A-Junioren-Bundesliga zu korrigieren. 

Dieser Artikel wurde um 15.08 Uhr um die Vollzugsmeldung am Valznerweiher ergänzt. 

apö

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