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Bundesliga atmet auf: Liga-Neustart von Politik erlaubt

DFL-Boss Seifert bezeichnet Entscheidung als "eine gute Nachricht" - 06.05.2020 18:40 Uhr

Bundesliga atmet auf: Politik-Gipfel erlaubt Neustart.

05.05.2020 © Sportfoto Zink / DaMa


Angela Merkel übermittelte die erlösende Nachricht für den deutschen Profifußball fast beiläufig. Man habe beim Politik-Gipfel mit den Ministerpräsidenten auch über die 1. und 2. Bundesliga gesprochen, "die den Spielbetrieb ab der zweiten Maihälfte wieder führen darf", sagte die Bundeskanzlerin am Mittwoch nach der rund viereinhalbstündigen Video-Schalte ohne viel Pathos.


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Damit dürfte der Ball in der 1. und 2. Bundesliga schon am Wochenende vom 15. bis 17. Mai wieder rollen - neun Wochen nach der Aussetzung der Saison wegen der Corona-Krise. "Wir wissen auch, dass das sehr kontrovers ist. Ich halte diesen Kompromiss für mehr als vertretbar", sagte Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder.

Fußball: Große Erleichterung in der Milliarden-Branche

Die Entscheidung der Politik für Geisterspiele sorgte in der Milliarden-Branche für große Erleichterung. Dies sei "eine gute Nachricht", sagte DFL-Boss Christian Seifert. "Spiele ohne Stadion-Zuschauer sind für niemanden eine ideale Lösung. Es ist in einer für einige Clubs existenzbedrohenden Krise allerdings die einzige Möglichkeit, den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form zu bewahren."

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Der Beschluss sei "einstimmig und einvernehmlich" gefallen, betonte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Nach dpa-Informationen äußerten allerdings die Länderchefs von Bremen, Andreas Bovenschulte (SPD), und Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), in der kontroversen Diskussion starke Vorbehalte gegen einen frühen Starttermin. Beide fürchten aufgrund der bisher in den Bundesländern sehr unterschiedlichen Trainingsmöglichkeiten um die Chancengleichheit ihrer Vereine Werder Bremen und FSV Mainz 05 und plädieren für einen Re-Start eine Woche später.

Revierderby zwischen Dortmund und Schalke zum Beginn?

Wann es exakt losgeht, kann nun die Deutsche Fußball Liga bestimmen. Dies wird am Donnerstag auf der Mitgliederversammlung mit den 36 Vereinen ebenso Thema sein wie der genaue Spielplan für die ausstehenden 163 Spiele ohne Publikum in beiden Ligen. Sollte die Bundesligasaison chronologisch mit dem 26. Spieltag fortgesetzt werden, stünde unter anderem das Revierderby Borussia Dortmund gegen Schalke 04 zu Beginn auf dem Programm.

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Ihre Entscheidung für eine Fortsetzung der Saison begründeten die Spitzenpolitiker in ihrer Beschlussfassung mit der Tatsache, dass die Sonderstellung von Berufssportlerinnen und Berufssportlern – auch rechtlich – eine gesonderte Beurteilung erfordere. Der Deutsche Fußball-Bund wurde gleichzeitig gebeten, für die anderen Ligen tragfähige Zukunftskonzepte zu entwickeln.

Dem Bundesliga-Neustart vorweggehen muss eine Quarantänemaßnahme bei allen Vereinen, gegebenenfalls in Form eines Trainingslagers. Diese im DFL-Konzept festgeschriebene Maßnahme machte die Politik ebenso zur Bedingung wie die strikte Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen. Im Falle eventuell notwendiger Testungen für den Spielbetrieb sei sicherzustellen, dass aus dem Gesundheitswesen angemeldete Testbedarfe jederzeit mit Priorität behandelt werden.

Söder appelliert deutlich an die Vernunft der Fußballer

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Nach dem Skandal-Video des umgehend suspendierten Hertha-Stürmers Salomon Kalou schrieb Söder der Milliarden-Branche nachdrücklich ins Stammbuch, sich keine weiteren Verfehlungen zu leisten. "Es haben sich nicht nur normale Menschen an Hygienemaßnahmen zu halten, sondern auch diejenigen, die sehr, sehr viel verdienen und ein Privileg haben", sagte Söder. Spieler, die sich unvernünftig verhielten, müssten mit Konsequenzen rechnen.

Kalou hatte am Montag Szenen aus der Umkleidekabine der Berliner mit seinem Handy gefilmt und bei Facebook live verbreitet, auf denen zu sehen war, wie er vielen Teamkollegen die Hand gab. In solchen Fällen sei "ein klares Durchgreifen" der Deutschen Fußball Liga und der einzelnen Teams "ganz, ganz wichtig", betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im ZDF-Morgenmagazin.

Nationaltorwart Manuel Neuer richtete einen eindringlichen Appell an alle Profis. "Wir tragen ebenso Verantwortung für alle Vereine, die inzwischen zu Wirtschaftsunternehmen mit vielen tausend Angestellten gewachsen sind. Und wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass es die Bundesliga in dieser Form, wie wir sie kennen, bei einem Abbruch der Saison nicht mehr geben wird", sagte der 34 Jahre alte DFB-Kapitän in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Mittwoch). Der Neustart sei ein Bonus. "Darin liegt eine enorme Verantwortung für uns, der wir uns mit jeder Faser bewusst sein müssen", mahnte Neuer.

Politik keine grundsätzlichen Vorbehalte

Die DFL hatte von einer Taskforce unter Leitung von DFB-Chefmediziner Tim Meyer ein umfassendes Hygiene- und Sicherheitskonzept vorgelegt, um die Ansteckungsgefahr unter Spielern und Betreuern zu minimieren. In einer ersten Testreihe hatte es bei 1724 Proben in der 1. und 2. Liga zehn Corona-Fälle gegeben.

Dennoch sieht die Politik keine grundsätzlichen Vorbehalte gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebes und rückte auch von der zunächst geplanten Forderung einer zweiwöchigen Quarantäne für die Vereine ab. "Dass dort regelmäßig getestet wird, ist natürlich eine andere Situation, als wenn jemand nur einmal am Anfang und am Ende einer Quarantäne getestet wird. Das ist der Hintergrund", begründete Bundeskanzlerin Merkel das Zugeständnis.

Für die Liga ist die Fortsetzung der Saison von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, weil viele Vereine durch fehlende Einnahmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten oder schon sind. Mit der Aufnahme des Spielbetriebes sind nun zumindest die millionenschweren TV-Gelder gesichert.

Unklar ist noch, wie die Liga mit den Liveübertragungen der Freitagsspiele umgeht, nachdem mit dem Rechteinhaber Eurosport keine Einigung über die Zahlung der letzten Saison-Tranche aus dem TV-Vertrag erzielt wurde und der Spartensender wohl seinen Vertrag kündigen will.


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dpa

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