Trotz sieben Gegentoren

"Müssen alle besser spielen": Fürth-Kapitän Hrgota stellt sich vor seine Mannschaft

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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6.12.2021, 06:00 Uhr

"Wir müssen als Mannschaft besser spielen": Kleeblatt-Kapitän Branimir Hrgota wollte die Schuld nach dem 1:7 nicht nur bei seinen Defensivkollegen suchen. © Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink

Branimir Hrgota ist ein sehr ehrgeiziger Mensch. Wer den Kapitän des Kleeblatts beim Fußballspielen beobachtet, sieht einen Mann, der immer gewinnen will. Selbst im Training sieht und hört man ihn lautstark fluchen, auch wenn er nur ein kleines Aufwärmspiel verliert, dauert es kurz, bis er sich wieder beruhigt. Am Samstag in Leverkusen sah man wieder diesen ehrgeizigen Branimir Hrgota.

Mitte der zweite Halbzeit lag seine Mannschaft uneinholbar zurück, die 13. Niederlage im 14. Spiel stand schon lange fest, als der Kapitän ausrastete. Der Schiedsrichter hatte einen Fürther Angriff unterbunden, weil sich ein Leverkusener Spieler verletzt hatte. Der Kapitän war außer sich, schrie den Vierten Offiziellen an der Seitenlinie an, weil dessen Kollege zuvor das Spiel bei Leverkusener Ballbesitz nicht unterbrochen hatte.

Ein schöner Ort, an dem es grausam ist

Es war eine bezeichnende Szene. Natürlich nagt diese traurige Saison an allen Spielern, an Branimir Hrgota aber noch ein bisschen mehr. Er ist der Kapitän dieser Mannschaft. Es ist eine Aufgabe, die ihn, der immer gewinnen will, stolz macht, wie er im Sommer erzählte. "Ich hasse es zu verlieren, auch im Training, es gibt nichts Schlimmeres", sagte er damals, als die Bundesliga noch nichts weiter als ein sehr schöner Ort war, an den die Fürther bald jede Woche würden reisen dürfen.

Doch mit jeder Reise wurde Branimir Hrgota und seinen Kollegen klarer, dass es an diesem schönen Ort auch sehr grausam sein kann. Hässlich. Anstrengend. Ernüchternd. So wie am Samstagnachmittag in der BayArena. "In den ersten 20 Minuten sind wir gut im Spiel", sagte der Kapitän nach dem Schlusspfiff. Nach diesem 20 Minuten aber lag die Spielvereinigung schon mit 0:2 zurück, vor dem zweiten Gegentreffer hatte Hrgota ein Foul gespürt, das auch auf den TV-Bildern klar zu erkennen war.

Der Treffer zählte dennoch. Die Fürther trafen zwar kurz darauf zum 1:2, verloren aber am Ende mit 1:7. Es war die höchste Niederlage dieser Saison, die Leistung im zweiten Durchgang war teilweise erschreckend. "In der zweiten Halbzeit fallen wir zusammen", sagte der Kapitän. "Das dürfen wir nicht machen." Hrgota wollte aber nicht auf seine Abwehr schimpfen, er stellte sich demonstrativ vor seine Mannschaft – so, wie man das von einem Kapitän erwartet.

Man gewinnt und verliert zusammen. Alte Fußballer-Weisheit. In der Kreisliga wie in der Bundesliga. "Es ist schwer, Kritik zu üben, denn wir müssen als Mannschaft besser spielen", sagte er. "Klar ist Leverkusen eine sehr gute Mannschaft, aber 1:7 ist viel zu viel."

Viel mehr Worte fand der Kapitän direkt nach dem Schlusspfiff nicht. Für einen Spieler, der es hasst zu verlieren, der sich als Kapitän in der Pflicht sieht, voranzugehen, ist die momentane Situation nur schwer zu ertragen. Auch in Leverkusen ging Hrgota keinem Zweikampf aus dem Weg, er war engagiert, immer aktiv und gab sich nicht auf. Selbst als es längst aussichtslos erschien, machte er weiter – und wurde vom Schiedsrichter ausgebremst.

Wie es jetzt weitergeht? "Wir müssen kämpfen bis zum Schluss", sagte er.Es war ein Satz, den Branimir Hrgota schon oft gesagt hat in dieser Saison, aber: "So ist es einfach."

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