Vor Hannover glaubt der Club an die Rückkehr der Energie

6.3.2020, 15:09 Uhr

"Es ist natürlich einfacher zu spielen, wenn du frei bist.", findet Michael Frey. © Sportfoto Zink / Daniel Marr

Als man sich in der Hinrunde das erste Mal traf, da konnte sich Michael Frey nach getaner Arbeit der gar nicht so übertriebenen Illusion hingeben, ein paar Wochen zuvor doch einen Vertrag bei einer Spitzenmannschaft der 2. Liga unterschrieben zu haben. Frey hatte an diesem 30. September sein fünftes Punktspiel für den 1. FC Nürnberg absolviert, verloren hatte er keines davon und nun war ihnen sogar dieses grandiose 4:0 bei Hannover 96 gelungen. Der 1. FC Nürnberg und Frey standen auf Rang sieben, der Relegationsplatz drei war drei lächerliche Punkte entfernt.

"Diese Energie", sagte nach der Partie Innenverteidiger Georg Margreitter, dem Frey einen Treffer aufgelegt hatte, "hat man bei uns schon lange nicht mehr gespürt." Alles sollte gut werden, es wurde dann doch nur schlimmer. Von der Energie rund um den 1. FC Nürnberg spürte man bald darauf nichts mehr, stattdessen entstand eine Dynamik, die knapp einen Monat später zur Entlassung des Trainers Damir Canadis führte.

Jetzt, da Hannover 96 heute um 18.30 Uhr zum Rückspiel vorbeischaut im Max-Morlock-Stadion, konstatieren sie sich beim 1. FC Nürnberg wieder die Rückkehr der Energie. Alles, das wissen sie selbst, wird in dieser Saison nicht mehr gut, aber ein bisschen besser zumindest.

Das Spiel gegen den Ball

Schon nach dem Hinspiel hatte Canadi ja gewarnt, sprach von einem "sehr guten Spielverlauf", der das Nürnberger Glück begünstigt hatte. Tatsächlich fielen die Tore im ersten Durchgang zu dramaturgisch günstigen Zeitpunkten: Georg Margreitter traf nach drei Minuten, Hanno Behrens nach einer halben Stunde und Robin Hack kurz vor dem Halbzeitpfiff, was die Widerstandskräfte der Gastgeber auf ein Minimum sinken ließ.

Die eigenen Widerstandskräfte hoben sie damals lobend hervor – auch weil es eine neue Erfahrung war. "Wir haben super gegen den Ball gearbeitet", sagte Tim Handwerker. "Wir waren sehr gut gegen den Ball", sagte auch Hanno Behrens.

Ein Zeichen für die folgenden Wochen war das bekannterweise nicht, die nächsten Auswärtsspiele endetet mit vier (Aue) beziehungsweise drei (Bochum) Gegentreffern.

Der vorderste Verteidiger

Jetzt, da das ebenfalls noch nicht entkriselte Hannover zum Rückspiel vorbeischaut, loben sie wieder ihre Arbeit gegen den Ball. Diesmal scheint der Trend etwas belastbarer und das liegt auch an Michael Frey. Der ist im System von Trainer Jens Keller das, was in allen Systemen der Welt die Angreifer sind: der erste Verteidiger. Dass ihm über die viele Arbeit gegen den Ball die Freude am Beruf abgeht, will Frey – wie jeder Spieler der Welt – so nicht sagen.

"Natürlich ist das sehr positiv, wenn wir wenige Gegentore bekommen, das freut auch einen Stürmer", sagt Frey stattdessen. Dass es für seine persönliche Bilanz vielleicht nicht so positiv ist, weil ihm die für einen Stürmer wichtigen Statistik-Einträge vielleicht fehlen.

Vier Treffer in 20 Spielen stehen für Frey zu Buche – wenig für einen Angreifer. "Natürlich werde ich an Toren gemessen", sagt Frey dazu, "ich bin ja auch immer wieder gefährlich, ich mache die Wege in den Fünfer und den Sechzehner. Ich werde meine Tore schon machen, da muss sich niemand Sorgen machen."

Dass die Sorgen rund um den Club zumindest allgemein etwas weniger geworden sind, nimmt auch der 25-Jährige wahr. Das Selbstvertrauen der Mannschaft ist gewachsen, hat Frey beobachtet – und dadurch wird alles einfacher. Frey formuliert das in einem Satz, der noch besser klingt, wenn er von Michael Frey ausgesprochen wird: "Es ist natürlich einfacher zu spielen, wenn du frei bist."

Nur ausgeliehen

Wo Frey in der kommenden Saison spielt, ist wiederum eine nicht so einfach zu beantwortende Frage. Der Schweizer ist nur ausgeliehen von Fenerbahce aus Istanbul und hat in Nürnberg auch andere auf sich aufmerksam gemacht. Der Club ist nicht der einzige Interessent. Frey sagt dazu in wenigen Worten: nichts.

Dass sich sein Berater schon kümmern wird, solche Sachen. Immerhin dass er sich einen Verbleib in Nürnberg durchaus vorstellen kann, das sagt er schon, aber dumm wäre es ja auch, würde er das Gegenteil behaupten. Er will sich auf seine Zukunft in Nürnberg konzentrieren – und wenn die nur noch bis zum Sommer dauert, dann will er wenigstens mithelfen, dass man sich den Club für die nächste Saison wieder als eine Spitzenmannschaft vorstellen kann. Wie damals im September in Hannover.