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Aus für Urlaub an Ostern? Hotelverband wütend: "Völlig weltfremd"

Tourismus lasse sich nicht "anschalten wie ein Lichtschalter" - 02.03.2021 16:06 Uhr

Gerade zu Ostern zieht es viele Urlauber in die bayerischen Berge.

15.10.2020 © Swen Pförtner, dpa


Die Wut, auch die Verzweiflung über das, was am Dienstag aus dem Kanzleramt an die Öffentlichkeit durchsickerte, ist Thomas Geppert deutlich anzuhören. "Das ist absolut indiskutabel und weltfremd", sagt der Geschäftsführer des bayerischen Ablegers von Dehoga, dem größten Hotel- und Gaststättenverband in Deutschland. Der Branchenvertreter spricht von der Beschlussvorlage des Kanzleramtes für den anstehenden Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch.

Dort heißt es konkret mit Blick auf mögliche Hotelöffnungen: Über "die Perspektiven für die hier noch nicht genannten Bereiche aus den Branchen (...) Reisen und Hotels" werde im "Lichte der Infektionslage" und anderer Faktoren in der nächsten Sitzung des Gremiums beraten. Diese Sitzung ist für den 24. März terminiert, so steht es im letzten Punkt des Papiers. Heißt: Über den Tourismus soll erst Ende März gesprochen werden. Zumindest sieht es das Kanzleramt so.

Tourismus lässt sich nicht anschalten "wie ein Lichtschalter"

Ein herber Schlag für die Branche. "Ich verstehe nicht, wie in diesem Entwurf wissenschaftliche Äußerungen und Erkenntnisse ignoriert werden", sagt Geppert von der Dehoga. Der Tourismus in Deutschland lasse sich nicht "anschalten wie ein Lichtschalter". Gerade Hotelbetreiber bräuchten mit Blick auf mögliche Osterferien jetzt Planungssicherheit. Bei entsprechenden Hygienekonzepten sei die Ansteckungsgefahr niedrig, der starre Blick auf den Inzidenzwert nicht angemessen. "Warum Übernachtungen nicht möglich sein sollten mit den neuen Mitteln der Schnelltests, erschließt sich mir nicht."

"Die Leute bleiben nicht daheim"

Die pauschalen Dauerschließungen, sagt Geppert, hält er für unverhältnismäßig - auch in der Gastronomie. Einerseits wolle die Regierung mehr private Kontakte ermöglichen (mehr dazu lesen Sie hier), gleichzeitig schaffe sie aber wieder unsichere Bereiche. "Es gibt Verdrängungsbewegungen, das haben wir doch gesehen", sagt der Branchen-Vertreter. "Die Leute bleiben nicht daheim." Bevor sich Menschen in Privatwohnungen treffen, solle die Regierung lieber die Grundlage etwa für die Öffnung von Außenbereichen schaffen.

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Wie gefährlich der Besuch im Restaurant ist, ist unklar. Doch Wissenschaftler haben Indizien. Die TU Berlin untersuchte etwa die Verteilung von Aerosolen in geschlossenen Räumen - und bestimmte so das Infektionsrisiko an verschiedenen Orten. Ein Restaurantbesuch in geschlossenen Räumen bei 25 Prozent Belegung sei in etwa so sicher wie der Einkauf im Supermarkt. Experten schätzen die Gefahr einer Ansteckung gerade bei gastronomischen Außenflächen aber sogar noch deutlich niedriger ein.

Freie Wähler machen Druck auf Koalitionspartner

Geppert von der Dehoga hofft, dass das Schicksal der Beschlussvorlage "dasselbe sein wird wie das der letzten". Zahlreiche Vorschläge aus dem Kanzleramt wurden damals nicht umgesetzt, einige vorsichtige Lockerungsschritte beschlossen. Auch für den Gipfel am kommenden Mittwoch ist mit Gegenwind zu rechnen.

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Unterstützung bekommen Hoteliers und Gastronomen etwa von den Freien Wählern in Bayern. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger forderte zuletzt immer vehementer Öffnungen im Tourismus und machte damit Druck auf den Koalitionspartner CSU. Druck, den Markus Söder sicherlich am Mittwoch mit in die Bund-Länder-Schalte nimmt. Man müsse "bis zu den Osterferien den Tourismus wieder flott machen", sagte Aiwanger zuletzt. Menschen sollten schon bald mit Corona-Schnelltests wieder in die Hotels und Ferienwohnungen im Freistaat gehen dürfen.

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