Projekt "Singbeethoven" wird vorbereitet

Das Musikfest ION sagt während der Corona-Tristesse der Flaute in der Schulchorszene den Kampf an

Nürnberg , am 03.07.2020..Ressort: Feuilleton Foto: Stefan Hippel ..i. Haus,  Redakteur Thomas Heinold, Mitarbeiterportrait
Thomas Heinold

Kultur/ Leben

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6.12.2021, 06:01 Uhr
Schon 2019 hat das Musikfest ION mit dem Projekt

Schon 2019 hat das Musikfest ION mit dem Projekt "SingBach"250 Schülerinnen und Schüler zum gemeinsamen Singen motiviert. In Corona-Zeiten sind solche Projekte noch viel wichtiger.

Publikumsbeschränkung, 2Gplus, Maskenpflicht und viele Absagen. Das kulturelle Leben wird auch von der jüngsten Coronakrise schwer gebeutelt. Doch die Schäden unter der Oberfläche sind oft noch viel gravierender, weiß Moritz Puschke, künstlerischer Leiter des Musikfests ION.

Mozarts

Mozarts "Requiem" war im Projekt "In neuem Licht" bei der ION 2021 coronabedingt nur online zu erleben. Im Sommer 2022 soll es vor real anwesendem Publikum stattfinden.

Das langjährige Mitglied im Präsidium des Deutschen Musikrats und im Künstlerischen Beirat des Deutschen Chorwettbewerbs ist in der Musikszene und insbesondere der Chorszene bestens vernetzt und kennt die Nöte der dort aktiven Menschen gut. Ob Notenverlage, freie Ensembles, Soloselbständige, Laien- oder Profichöre: die Szene ächzt nicht nur, ihr droht durch die schiere Dauer der Pandemie tatsächlich der Schiffbruch.

ION-Chef Moritz Puschke ist in der Musik- und Chorszene bestens vernetzt.

ION-Chef Moritz Puschke ist in der Musik- und Chorszene bestens vernetzt. © Hans von Draminski

Um dies zu verhindern, will auch die nächste Auflage der ION im kommenden Sommer den zahlreichen Akteuren der Musica Sacra Raum und Möglichkeiten geben, zusammenzukommen, sich besser zu vernetzen und sich voneinander inspirieren zu lassen: im neu gegründete ION-Forum, das Workshops, Diskussionen und andere Kooperationsformen anbieten wird.

Diese Pläne, für die der Freistaat Bayern seine Fördermittel aufgestockt hat und für die die Zukunftsstiftung der Sparkasse eine Anschubförderung gibt, hatte Puschke schon im Gepäck, als er 2019 seine erste ION leitete. Doch in Zeiten von Corona bekommen sie eine gewandelte Bedeutung und ein größeres Gewicht.

Für das Community-Projekt

Für das Community-Projekt "SingBach" fanden 2019 die Proben im Kulturzentrum Auf AEG statt. © Anja Hinterberger (pauschal)

Gleiches gilt für das Community-Projekt „Singbeethoven“, das die Konzertphase des nächsten Musikfests ION am 24. Juni 2022 (das Festival dauert bis 3. Juli) eröffnen soll. 200 Schülerinnen und Schüler der 4. Und 5. Klassen erarbeiten dafür zusammen mit dem Frank-Schlichter-Jazzensemble und der Musikpädagogin Friedhilde Trüün ein Beethoven-Programm und führen es dann unter professionellen Bedingungen auf.

Das entfalte im momentanen kargen Pandemiewinter eine ganz andere Sogwirkung als in „normalen“ Zeiten, sagt Puschke, der sich über die vielen schon vorliegenden Bewerbungen freut. „Das Projekt kann jetzt helfen, dass die Schulchorszene, die seit zwei Jahren auf dem Trockenen sitzt, nicht völlig kollabiert.“

Musikalisch breit aufgestellt: Moritz Puschke, künstlerischer Leiter des Musikfests ION.

Musikalisch breit aufgestellt: Moritz Puschke, künstlerischer Leiter des Musikfests ION.

Durch dieses Projekt würden Musiklehrer und Chorleiter in diesen dunklen Herbst- und Wintertagen motiviert, weiterzumachen: Sowohl Kinder als auch deren Eltern hätten für den Sommer ein konkretes Projekt vor Augen, auf das es sich hinzuarbeiten lohne.

Deshalb gehe das Musikfest ION auch gerade jetzt mit diesen Plänen und seinem Programm an die Öffentlichkeit. „Wir wollen in der Adventszeit ein Licht der Hoffnung setzen für alle, die gerne singen und musizieren“, sagt Puschke nicht ohne Sendungsbewusstsein.

Mozarts

Mozarts "Requiem" war im Projekt "In neuem Licht" bei der ION 2021 coronabedingt nur online zu erleben. Im Sommer 2022 soll es vor real anwesendem Publikum stattfinden.

Dazu passt das nächste ION-Motto, das emotionale Ansprache, Servicegedanken und eine musikalische Vorliebe des bekennenden Beatles-Fans Puschke zu verbinden scheint: „All you need is…“ lautet es.

Dabei geht es auch für das Musikfest ION langsam an die Substanz. Der fast ausschließlich virtuell veranstaltete Festivaljahrgang 2020 habe null Prozent Einnahmen gebracht, die minimalistische Festivalausgabe 2021 rund 25 Prozent.

Deshalb hofft Puschke für den Sommer 2022 wieder auf normale Rahmenbedingungen und hat große (oratorische) Werke wie Händels „Messiah“ (VOCES8 und Academy of Ancient Music), Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“, Schuberts Es-Dur-Messe“, Bachs h-Moll-Messe und Johannespassion sowie Mendelssohns „Paulus“ geplant.

Allerdings zum Teil in Bearbeitungen für sehr kleine Ensembles, was Puschke im ION-Forum gleich wieder als Diskussionsanlass nehmen will. Zum Beispiel mit dem bekannten Dirigenten Frieder Bernius oder dem Organisten Martin Sturm, der den Improvisations-Abend „Neue Klänge für die Königin“ mitgestalten wird.

Seit 2019 ist Moritz Puschke künstlerischer Leiter des Musikfests ION, seit diesem Sommer wohnt er in Nürnberg.

Seit 2019 ist Moritz Puschke künstlerischer Leiter des Musikfests ION, seit diesem Sommer wohnt er in Nürnberg. © Joanna Scheffel

„Alle Künstlerinnen und Künstler, die wir zu den Konzerten einladen“, sollen im ION-Forum eine zweite Möglichkeit haben um sich zu zeigen“, erklärt Puschke seine Idee.

Vieles von diesem Programmteil der ION sei quasi interaktiv und werde von den Teilnehmenden selber wesentlich mitgestaltet. Deshalb wird es da bis zum Frühsommer sicher noch zahlreiche Ideen und Veränderungen geben.

Das Konzertprogramm dagegen ist schon festgezurrt, der Vorverkauf dafür beginnt am 6. Dezember, auf der Homepage musikfest-ion.de können alle Details nachgelesen werden.

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