Mehr Komfort und 190 km/h schnell

"Desiro HC": Das sind die neuen Züge für Frankens Pendler

Arno Stoffels
Arno Stoffels

Region und Bayern

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17.11.2021, 13:37 Uhr
Ab Dezember 2023 kommen auf wichtigen Pendlerstrecken in Franken neue Doppelstockzüge von Siemens zum Einsatz.

Ab Dezember 2023 kommen auf wichtigen Pendlerstrecken in Franken neue Doppelstockzüge von Siemens zum Einsatz. © Siemens AG

Pendler, die regelmäßig zwischen Nürnberg, Erlangen und Bamberg mit dem Regionalexpress unterwegs sind, kennen sich mit der Platznot an Bord aus. Zumindest in den Zeiten vor der Pandemie ging es in den Zügen in den Stoßzeiten mitunter zu, wie in einer Sardinenbüchse.

Doch damit soll künftig Schluss sein. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 kommen im Netz Franken-Südthüringen und damit auf den Linien Nürnberg - Bamberg - Würzburg, Nürnberg - Bamberg - Lichtenfels - Saalfeld, Nürnberg - Bamberg - Lichtenfels - Coburg - Sonneberg und zwischen Bamberg und Kronach zunächst 18 neue, vierteilige Doppelstockzüge vom Typ "Desiro HC" des Herstellers Siemens zum Einsatz.

Ab Juni 2024 folgen dann acht sechsteilige Züge, die speziell für die Strecke zwischen Nürnberg, Bamberg, Coburg und Erfurt/Sonneberg gebaut werden. Sie kommen auf der Ende 2017 eingeweihten Hochgeschwindigkeitsstrecke Richtung Berlin zum Einsatz. Fenster und Türen müssen deshalb "druckdicht" sein, um den schnellen Fahrten im Tunnel und dem Begegnungsverkehr mit den ICE standhalten zu können.

Schnell unterwegs

Ein Blick in den Innenraum des neuen Desiro HC von Siemens.

Ein Blick in den Innenraum des neuen Desiro HC von Siemens. © Siemens AG

Weil es auf der Strecke keine Lichtsignale mehr gibt, verfügen sie zudem auch über das moderne Zugsicherungssystem ETCS und ihre Höchstgeschwindigkeit beträgt 190 Kilometer pro Stunde. Schneller ist kein anderer Regio-Zug in Deutschland, mit Ausnahme der Fahrzeuge für den München-Nürnberg-Express.

Erste Bilder zeigen breite Einstiege, große Mehrzweckbereiche direkt im Anschluss an den Türbereich sowie luftige Treppenaufgänge in den oberen Bereich. Ungewöhnlich: Die Sitze sind nicht am Boden verschraubt, sondern an den Seiten angebracht, was vor allem die Reinigung der Züge erleichtert.

Hansrüdiger Fritz, Chef von DB Regio Bayern, verspricht sich viel von der neuen Flotte. Mit dem Desiro könnten im Vergleich zu heute bis zu 200 Sitzplätze mehr pro Fahrt angeboten werden.

Die sechsteiligen Züge verfügen über 634 Sitzplätze, die vierteiligen Züge verkehren auf nachfragestarken Streckenabschnitten auch gekuppelt und kommen so auf bis zu 760 Sitzplätze.

Kostenloses Wlan

Zum Angebot gehören laut Fritz neben einem Echtzeit-Fahrgastinformationssystem auch Steckdosen an den Sitzplätzen und Wlan. So genannte "Hochfrequenzscheiben" sollen zudem für einen spürbar besseren Handyempfang sorgen. Aufgrund der Länge der Züge muss in der Nürnberger Regio-Werkstatt angebaut werden. "Die passen nicht in die Halle", so Fritz.

Die DB hatte 2020 die Ausschreibung des Netzes Franken-Südthüringen für sich entschieden und betreibt die Strecken bis 2035 weiter. Zusätzlich zur Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge wird auch der Takt verdichtet. Das gilt besonders für die nachfragestarke Strecke Nürnberg – Erlangen – Bamberg. Künftig verkehren die RE-Züge hier ganztägig im Halbstundentakt.

Auch die Regionalexpress-Linie Nürnberg - Bamberg - Coburg - Sonneberg über die Neubaustrecke Ebensfeld – Erfurt fährt künftig doppelt so häufig. Die Region Coburg wird dadurch im Stundentakt mit Bamberg, Erlangen und Nürnberg verbunden. Dazu werden fünf Zugpaare über Coburg hinaus in Richtung Erfurt verlängert.

Ab Dezember 2024 bekommt auch das Netz Donau-Isar eine neue Flotte, die aus 25 Desiro-HC-Doppelstockzügen und sechs Fahrzeugen des Typs Mireo besteht, die ebenfalls von Siemens stammen.

Die Gesamtinvestition für die insgesamt 57 neuen Züge und den Ausbau der Nürnberger Regio-Werkstatt bezifferte Fritz mit 670 Millionen Euro.

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