Gänsehaut-Begegnungen in Südafrika

Auf der Safari-Fotojagd: Fast nirgends kommen Sie wilden Tieren so nah wie in Phinda

Meike Kreil
Meike Kreil

Online-Redakteurin

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13.8.2022, 06:00 Uhr
So nah kommt man Nashörnern selten, sie schalten oft blitzschnell auf Angriff.

© Meike Kreil So nah kommt man Nashörnern selten, sie schalten oft blitzschnell auf Angriff.

Angus Fittons Jagdfieber ist geweckt. Der Ranger hat die Spur aufgenommen. Seine Augen mit den weit geöffneten Pupillen leuchten, während er das weitläufige Gelände des Phinda Private Game Reserve in Südafrika abscannt, das grüne Dickicht, die Baumkronen der Fieberbäume, die rotfarbene Erde. Er sucht ein Raubtier. Dabei wird er in übertragenem Sinne ja selbst zu einem.

Zuvor entdeckten andere Ranger Spuren eines Gepards. Gus – wie Angus lieber genannt wird – hat per Funk mitgehört. Der Startschuss für eine neue Mission. Und das nicht nur, weil die Touristen, die hinten im Jeep sitzen, etwas für ihr teures Geld sehen wollen. Sondern auch aus seiner Liebe zur Natur, er lebt dafür.

Elefanten, Hyänen, Warzenschweine: Man könnte meinen, die Idee zum Kultfilm "König der Löwen" entsprang genau diesem Areal, das 1991 Farmern abgekauft wurde. Nur das ab und an ein paar Touristen, die in sechs verschiedenen Lodges in dem Areal übernachten, auf Jeeps vorbeischauen. Dabei wird stets ein respektvoller Umgang mit der Natur gewahrt, darauf achtet Gus genau. Das Areal liegt etwa vier Autostunden vom nächsten größeren Flughafen der Küstenstadt Durban entfernt.

Gus ist lieber Ranger als Maschinenbauingenieur

Seit einem Jahr ist das Reservat Gus‘ Revier. Der 24-Jährige ist auf der Avocado-Farm seiner Eltern aufgewachsen. "Ich war schon immer viel draußen, das habe ich geliebt", wird er später abseits des Games Drives – der Safari-Tour – beim Kaffeetrinken erzählen. Er hat einen Abschluss in Maschinenbau in der Tasche. Ob er sich vorstellen kann, auch in dieser Branche zu arbeiten? "Gerade genieße ich es einfach, Ranger zu sein." Was danach kommt, darüber macht er sich noch keine Gedanken.

Da vorne, unter dem Baum! Gus‘ Jagd war derfolgreich. Tatsächlich: Da hinten liegen zwei Geparden im hohen Gras, gemütlich und majestätisch-athletisch zugleich. Als der Jeep sich nähert und nur etwa sieben Meter entfernt parkt, schauen sie nicht einmal auf. Die Wildtiere sind daran gewöhnt und wissen, dass keine Gefahr ausgeht.

Der Ranger erklärt den Touristen hinten im Wagen, was es mit der großen Nase der Raubtiere auf sich hat. Die sollen möglichst viel Sauerstoff aufnehmen können, immerhin sind Geparden die schnellsten Landtiere der Welt. Einer legt seinen schlanken Körper ab, macht die Augen zu. Auf der Hut ist er trotzdem, seine Ohren drehen sich hin und her, scheinen nicht rasten zu wollen.

Gus schweigt, er genießt den Moment. Auge in Auge mit dem Wildtier. Mission erfüllt. Er zückt seine Spiegelreflexkamera, die er immer griffbereit neben sich liegen hat, und fängt den Moment ein. "Was für ein schöner Anblick", haucht er dann. Das Foto ist für seine persönliche Sammlung. Auf seinem Computer hat er rund 1000 Fotos, die von den schönsten Momenten seiner Arbeit hier zeugen. Man merkt: Nach all der Zeit fasziniert ihn seine Arbeit noch immer so sehr.

Eine neue Jagd beginnt

"Was macht einen guten Ranger aus?", wird Gus später beim Kaffeetrinken gefragt. "Dass er gut mit Menschen kann." Nicht mit Tieren? Naja, erklärt er, er muss zu den Gästen des Reservats eine persönliche Verbindung aufbauen können. Während ihres Aufenthalts ist er für sie verantwortlich, bringt sie in ungewohnte Situationen, die angsteinflößend sein können. Da muss ein Ranger Sicherheit vermitteln.

Es gibt viele Anwärter auf den Beruf. Das Phinda Private Game Reserve bildet seine Ranger innerhalb eines halben Jahres selbst aus. In Gus‘ Jahrgang waren 21 Auszubildende, 12 haben absolviert. Dazu werden sie unter anderen für eine Nacht in der Natur ausgesetzt - ganz auf sich allein gestellt, nur mit einer Waffe, einer Karte und einem Funkgerät ausgestattet.

Und dann vernimmt Gus auf einmal einen neuen Funkspruch. Ein Leopard wurde gesichtet. Gus‘ rehbraune Augen strahlen wieder. Eine neue Jagd beginnt…

Es gibt viele Anwärter auf den Beruf des Rangers. Das Phinda Private Game Reserve bildet seine innerhalb eines halben Jahres selbst aus.

Es gibt viele Anwärter auf den Beruf des Rangers. Das Phinda Private Game Reserve bildet seine innerhalb eines halben Jahres selbst aus. © Meike Kreil

Mehr Informationen:
Luxury Dreams: www.luxurydreams.de, die diese Reise unterstützt haben.
Anreise:
Mit Emirates ab München über Dubai nach Durban an der Ostküste Südafrikas. Von dort etwa 4 Stunden mit dem Shuttle-Service des Hotels.
Wohnen:
„andBeyond“ Mountain Lodge im Phinda Private Game Reserve
Beste Reisezeit:
Von September bis November und März bis Mai.