"Killer in meinem Garten"

Ein Wutbeitrag: Warum mich Katzen nur noch zur Weißglut bringen

14.9.2021, 13:35 Uhr
Katzen töten in Deutschland geschätzt jährlich 30 Millionen Vögel

Katzen töten in Deutschland geschätzt jährlich 30 Millionen Vögel © rihaij/Pexels/Pixabay/LizenzCC

Lautlos durchstreifen sie meinen Garten. Sie patrouillieren entlang der Futterstellen und Badeplätze. Sie balancieren auf Zäunen, tarnen sich im Gebüsch und sonnen sich auf plattgedrückten Erdbeerpflanzen. In meiner Straße lebt in jedem zweiten Haus mindestens eine Katze. Nun sind neue Nachbarn zugezogen: VIER weitere Katzen. Ausgehend von einem Katzenleben von 20 Jahren bin ich bis an mein Lebensende versorgt, rein statistisch betrachtet.

Und alle lieben sie meinen Garten! Warum? Er ist keine öde Rasenfläche, raspelkurz gehalten vom Rasenroboter. Kein mit farbigen Holzschnitzeln totgemulchter Boden. Keine Schotterwüste mit eremitischer Grabstele in der Mitte. Bei mir kreucht und fleucht es, aber eben immer weniger. Ob ich die Piepmätze überhaupt weiter füttern soll? Oder treibe ich sie damit in den Tod auf vier Pfoten? Das Stand-Futterhäuschen mit Dach habe ich aufgegeben: Die Katzen nutzten es als bequemen Jägerstand mit Ansitz.

Der Garten ist ein buntes Action-Center für gelangweilte Sofatiger

Neben den frisch gesäten Frühlingszwiebeln liegen die übelriechenden Kackwürste und in der Wiese die unsichtbaren Tretminen. Die Katzenhalter versichern mir: "Meine Katze war das nicht!" Ist mir tatsächlich egal, welche – ich bin diejenige, die das stinkende Zeugs aus dem Schuhprofil popeln und die Treter wässern muss.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch ich hatte über 17 Jahre eine Katze und ich gestehe es: Mit den angeknabberten Mäusen auf meinem Abstreifer hatte ich kein Mitleid. Aber es sind inzwischen einfach zu viele Katzen auf der Pirsch und dezimieren die ohnehin bedrängten Wildtiere. Beispiel: Eine Nachbarskatze hatte sich auf Schmetterlinge spezialisiert: Einfach unter dem Sommerflieder lauern und draufhauen. Die übriggebliebenen Flügel vermittelten mir einen Eindruck vom Ausmaß des Gemetzels.

Oder wie wär's mit Eidechsen, Blindschleichen oder Molchen? Was für ein tolles Spielzeug, ein buntes Action-Center für gelangweilte Sofatiger! Ihre Beutetiere fressen sie meist nicht, die Jagd dient vielmehr dem Training und der Befriedigung des Spieltriebs. Katzen ist es gleich, welches Tier sie jagen und töten – Hauptsache, es bewegt sich. Katzenhalter denken von sich, sie sind tierlieb. Eine einseitige Sichtweise, finde ich.

Die Artenvielfalt in meinem Garten nimmt rapide ab: eine einzige Erdkröte in dieser Saison und drei(!) Schmetterlinge. Natürlich hat dieser Schwund viele weitere Ursachen, aber der ständige Jagddruck in meinem grünen Wohnzimmer ist inzwischen enorm. Eine Serengeti mit viel zu vielen Raubkatzen, die auch mit vollem Bauch auf die Pirsch gehen. "Das ist halt die Natur", halten mir Katzenfreunde entgegen. Nein, ist es nicht! Hier gibt es kein natürliches Räuber-Beute-Gleichgewicht mehr, keine Balance von Angebot und Nachfrage. Da regelt sich nichts von selbst.

Katzen töten rund 30 Millionen Vögel pro Jahr

Dazu einige Zahlen: Im Jahr 2020 lebten rund 15,7 Millionen Katzen in den deutschen Haushalten, eine Spitzenstellung im Vergleich unter den westeuropäischen Staaten. Viele der befragten Haustierbesitzer hatten sogar drei oder mehr Katzen im Haushalt. Mit der Pandemie wurden und werden es noch mehr. Katzen töten in Deutschland geschätzt jährlich 30 Millionen Vögel. Was Insekten und Amphibien betrifft, gibt's keine Zahlen.

Niederländische Juristen fordern, dass Katzen nicht mehr frei streunen dürfen. Sie sehen in den Kuscheltieren eine Bedrohung für die europäische Artenvielfalt. Damit haben sie eine Welle der Empörung ausgelöst, eine Art Glaubenskrieg, Katzenliebhaber gegen Vogelfreunde. Doch moralische Kategorien wie Gut und Böse taugen hier nicht – es geht schlicht um die Masse der Beutegreifer.

Während Hundebesitzer oft mehr als 100 Euro jährlich für die Hundesteuer bezahlen müssen, zahlen Katzenbesitzer – nichts. Es wird in Deutschland wohl auch künftig keine Katzensteuer geben, aus historischen Gründen: Die Katze gilt als Nutztier, der Hund als Luxus. Da wüsste ich schon gerne, um welchen Nutzen es sich heutzutage handelt. Ist es der Kuschelfaktor? Spukt in den Köpfen noch das idyllische Bild vom Bauernhof samt Katzen als eifrige Mäusefänger und Retter der Ernte?

Wie wäre es mit einer Ausgangssperre für Katzen?

Was also tun? Wer viel mit seinen Katzen spielt, reduziert auch deren Jagdambitionen. Oder: Eine Art Ausgangssperre, das kennen wir ja seit der Pandemie. Wenn Katzenbesitzer dafür sorgen würden, dass sich ihre Tiere ab Mitte Mai bis Mitte Juli wenigstens in den Morgenstunden nicht im Freien aufhalten, wäre den Vögeln schon sehr geholfen. Die meisten gerade flügge gewordenen Jungvögel sind in diesem Zeitraum unterwegs. Es heißt, in vielen Bundesländern existieren sogar Vorschriften dazu. Inwieweit diese eingehalten und auch überprüft werden können, steht jedoch auf einem anderen Blatt...

Und was mache ich? Grundsätzlich muss ich maximal zwei Katzen auf meinem Grundstück dulden (Landgericht Lüneburg, Aktenzeichen: 4 S 48/04). Inwieweit die Zahl der Katzen in diesem Zusammenhang erhöht werden könne, hinge vom Einzelfall ab, formulierten die Richter schwammig. Und wie kann ich das bitte durchsetzen? Bewegungsmelder? Fotofallen? Überwachungskameras? Ein echt weltfremdes Urteil!

Das Magazin Mein schöner Garten empfiehlt mir, mein Grundstück mit einer Dornenhecke aus Weißdorn, Berberitzen und Stechpalmen zu umgeben. Es reiche eine Höhe von zwei Metern. Dornröschen lässt grüßen! Ich soll keine "Einladung aussprechen", dass meine Beete als Katzenklo missbraucht werden (ich schwöre, ich habe nie eine Katze eingeladen!). Alles vermeiden, was Katzen in meinem Garten gut finden könnten. Keine Liegeplätze, Scharrstellen, offenen Beete. Und wie baue ich Gemüse an? In Hochbeeten? Unter Stacheldraht?

Weiter heißt es, ich soll meinen Garten dicht bepflanzen mit Bodendeckern, groben Kies aufschütten, Fichtenzapfen und Mulch streuen. Das sei für die Tiere wesentlich uninteressanter und werde ignoriert.

Ebenso wirksam seien dünne Stäbe, die man dicht an dicht ins Beet steckt, so dass Katzen keine Lust haben, es sich dort gemütlich zu machen. Mal rechnen, wie viele Stäbe ich auf 800 Quadratmeter bräuchte... Ein Garten für Fakire!

Damit schließt sich der Kreis zu den lebensfeindlichen Gartenwüsten am Beginn dieses Artikels. Echt nicht meine Vorstellung von grünen Außenräumen und bunten Gartenträumen.

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