Erste Kundin war eine Ärztin

Frauen buchen ihn für Geld: Callboy Alex aus Nürnberg erzählt

Lena Wölki
Lena Wölki

Politik und Wirtschaft

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23.1.2022, 05:10 Uhr
Auch Frauen nehmen sexuelle Dienstleistungen in Anspruch. Callboy Alex aus Nürnberg weiß davon zu erzählen.
 

© imago images/PantherMedia Auch Frauen nehmen sexuelle Dienstleistungen in Anspruch. Callboy Alex aus Nürnberg weiß davon zu erzählen.  

Seine Tochter ist sieben Jahre alt. Noch weiß sie nicht, welchen Beruf ihr Papa nebenbei ausübt – doch irgendwann wird Alex mit ihr darüber reden. Wie wird sie darauf reagieren, dass er ein Callboy ist? "Wir haben sie so erzogen, dass sie damit kein Problem haben wird", ist sich der 31-Jährige sicher.

Alex Erlebnis, wie er sich selbst auf Instagram nennt, hat Sex gegen Geld. Wie lukrativ dieser Nebenjob ist und warum er die Arbeit gerne macht, darüber hat er mit Johannes Alles und Isabella Fischer in der jüngsten Folge unseres Podcasts "heiß & innig" gesprochen.

Training gehört für Alex quasi zum Beruf.
 

Training gehört für Alex quasi zum Beruf.   © privat

Wie kommt man zum Beruf Sexarbeiter? Im Fall des Nürnbergers spielte die Ex-Freundin die entscheidende Rolle. Sie war schon vor Alex im Business tätig. "Sie hat mich aus Spaß gefragt, ob ich das nicht auch machen will. Daraufhin habe ich mich informiert und wenige Tage später bei einem Anbieter beworben."

Der Anbieter ist eine Internetplattform, auf der verschiedene Profile zu Gigolos, Escorts und eben Callboys zu finden sind. In beinahe jeder größeren deutschen Stadt gibt es entsprechende Angebote. Vom "Teddy-Typ" bis hin zu jung und sportlich – beinahe jede Vorliebe wird abgedeckt.

Auskunft darüber geben die Profile auf den Seiten, die gespickt sind mit den unterschiedlichsten Informationen zum jeweiligen Callboy: von der eigenen sexuellen Orientierung bis hin zur Augenfarbe oder dem Sternzeichen. Man erfährt auch, ob der Mann Raucher ist, wie hoch das Honorar ausfällt und wie die Stimme klingt. Zusätzlich laden einige Männer sogar Videos von sich hoch.

"Meine Freunde fanden es cool"

Vier Tage nachdem sein Profil online stand, wurde Alex zum ersten Mal gebucht. Und es ging sofort ins Ausland. Eine Ärztin aus Wien, deren Ehemann zu dieser Zeit verreist war, lud ihn in ein Fünf-Sterne-Hotel ein. Nach der Ankunft und einem Besuch im Fitnessstudio wurde es ernst. "Ich bestellte uns etwas zu trinken. Dann kam sie auf mein Zimmer. Zunächst duschten wir miteinander, dann startete das Vorspiel", erinnert sich der 31-Jährige an seinen ersten Termin. Für ihn durchaus eine positive Erfahrung – weshalb er weitere Buchungen annahm.

Das Gefühl, sich selbst und den eigenen Körper verkauft zu haben, hatte er im Anschluss nicht. Schließlich verkauft seiner Meinung nach jeder, der einen Job hat, seine Arbeitsleistung in irgendeiner Art und Weise: "Dazu kommt, dass in den vergangenen Jahren alles irgendwie lockerer geworden ist. Ich behandle außerdem alle Kundinnen und Kunden gleich, wodurch immer Professionalität gewahrt wird."

Sex gegen Geld ist für Alex kein Tabu – ganz im Gegenteil. Er geht mit seinem Beruf, den er übrigens neben seiner Arbeit als Fahrzeuglackierer ausübt, sehr offen um. Und auch sein Umfeld reagierte positiv darauf: "Meine Freunde fanden es cool. Nur meine Schwester fragte, warum ich unbedingt Callboy sein wolle. Mittlerweile sieht sie es aber ganz entspannt."

Er wisse, dass er im Vergleich zu vielen Kolleginnen in einer sehr viel einfacheren Position ist. Denn: Prostituierte würden eher stigmatisiert und hätten mit mehr Vorurteilen zu kämpfen. Warum das so ist, da kann Alex nur mutmaßen: "Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass der Ablauf bei einem meiner Termine schon sehr anders ist, als der Besuch in einem Laufhaus zum Beispiel. Ich kann mir Zeit nehmen, meistens unternehme ich vorher etwas mit der Kundin, gehe Essen oder Ähnliches." Außerdem nehme er nicht jede Buchung an.

Vorgespräch ist Pflicht

Damit beim Treffen alles "funktioniert", müsse die Harmonie zwischen ihm und der Frau stimmen. Deswegen ist ein Vorgespräch Pflicht, Alex verlangt zudem vorab ein Foto. Das stellt nicht nur sicher, dass sich beide am Treffpunkt erkennen, es beantwortet für ihn zudem die Frage, ob er sich den sexuellen Kontakt mit der Kundin überhaupt vorstellen kann.

Hin und wieder wird er auch von Pärchen gebucht, die in ihrer Partnerschaft mal etwas anderes erleben möchten. Alles in allem sei seine Kundschaft durchschnittlich zwischen 24 bis 36 Jahre alt. Ein Großteil davon sind verheiratete Frauen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen an ihn wenden. Manche sehen ihn als buchbare Affäre, andere als Kummerkasten. Ein Verhältnis außerhalb der beruflichen Ebene würde er niemals mit Kundinnen eingehen, betont er.

Ob als Polizist verkleidet, als Liebhaber oder sogar Stripper auf einer Party. In seiner Arbeit gibt es für den 31-Jährigen nur wenige Limits. Zwei Dinge, die ihm jedoch sehr wohl wichtig sind: respektvoller Umgang und ein Kondom beim Sex.

Für all das zahlen Kundinnen und Kunden mindestens 400 Euro für zwei Stunden. Jede weitere Stunde schlägt dann noch mit 150 Euro zu Buche. Dazu kommen Fahrt- und Hotelkosten und alles Weitere, was bei dem Treffen unternommen werden soll. Besonders teuer werden Buchungen über Nacht, da sich da die einzelnen Stunden immer weiter summieren. Doch auch das komme hin und wieder vor.

Geld verdienen, Spaß haben, Reisen und dabei unterschiedliche Menschen kennenlernen. Das Callboy-Dasein gefällt Alex – so sehr, dass er noch lange nicht ans Aufhören denkt. Ob das eine zukünftige Partnerin ändern könnte, darüber ist er sich heute noch nicht sicher. Fest steht für ihn, seine Arbeit habe ihn positiv verändert: "Ich habe gelernt, besser mit Frauen umzugehen. Oft sind es Kleinigkeiten, die das Gegenüber glücklich machen."

Weniger glücklich wäre er, wenn seine Tochter irgendwann den gleichen Berufsweg einschlägt wie ihr Papa: "Ich würde ihr das natürlich nicht verbieten. Aber ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen würde."

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