Alkohol im Alltag

Bier-Mythos im Check: Wie gesund ist der Gerstensaft wirklich?

22.10.2021, 09:39 Uhr
Angeblich hilft das Malz-Hopfen-Gemisch bei allerlei gesundheitlichen Problemen.

Angeblich hilft das Malz-Hopfen-Gemisch bei allerlei gesundheitlichen Problemen. © Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Die Deutschen tranken 2018 im Schnitt 102 Liter Bier pro Kopf, so die Präventionsseite kenn-dein-limit.de unter Berufung auf Herstellerangaben. Dabei ist das alkoholische Malz-Hopfen-Gemisch beliebter als jedes andere alkoholhaltige Getränk in Deutschland. Regional gibt es einige Unterschiede: Im Norden darf es etwas herber sein, im Süden hopfiger und im Rheinland am liebsten Kölsch und Alt.

Egal ob Helles oder Weizen - gesund soll das Bier allemal sein, so mancher Volksglaube. Angeblich helfe es beim Einschlafen, fördere den Haarwuchs und senke sogar das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Hier lesen Sie Nutzen und Schaden im Vergleich.

Hopfen und Malz können positiven Effekt haben

Das Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot besteht ja bekanntlich aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe. Im Hopfen verstecken sich allerlei gesunde Inhaltsstoffe, z.B. Bitterstoffe und ätherische Öle, die die Verdauung unterstützen können und bei Appetitlosigkeit helfen, wie der NDR berichtet. Allerdings ist der Hopfen zu stark verdünnt im Bier, weswegen der Effekt nicht nennenswert ist. Besser sieht es mit dem Malz aus: Es liefert viele B-Vitamine und Phosphorsäure. Laut dem NDR sind diese wichtig für den Zellstoffwechsel. Der geringe Natriumgehalt wirke sich außerdem positiv auf den Blutdruck aus, aber den gleichen Effekt erziele auch Wasser und Tee.

Die Kalorienanzahl ist ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Frage, ob Bier gesund ist. An dem Spruch "Vier Halbe sind auch ein Schnitzel" ist tatsächlich etwas dran. So hat ein Bier ca. 43 Kilokalorien pro 100 Milliliter. Dementsprechend enthalten vier Halbliter-Gläser Bier satte 860 kcal. Das entspricht ungefähr einem Schweineschnitzel mit Pommes. Was zur Kalorienanzahl buchstäblich erschwerend hinzukommt, ist seine appetitanregende Wirkung. Die ist nämlich laut dem NDR stärker als bei anderen alkoholischen Getränken.

Alkohol nur in kleinsten Mengen empfohlen

Auch schon kleine Mengen Alkohol können dem Körper schaden. Wie viel pro Tag empfohlen wird, ist je nach Quelle unterschiedlich. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird für Männer zwei Standardgläser mit 250 Millilitern Bier empfohlen und für Frauen eines. Zwei Tage die Woche sollte jedoch gar kein Alkohol getrunken werden, um dem Körper eine Erholungspause zu gönnen. Denn schon 0,1- 0,2 Promille genügen, um die Wahrnehmung und Denkfähigkeit zu beeinflussen, wie die BZgA mitteilte. Außerdem wird genauso die Reaktionsgeschwindigkeit und das richtige Einschätzen von Abständen beeinträchtigt.

Obwohl auch schon kleine Mengen Alkohol schädlich sind, richtet vor allem erhöhter Alkoholkonsum ernste gesundheitliche Schäden an. Hierbei lässt sich Deutschland im Ländervergleich als Hochkonsumland einordnen. In einer Studie der BZgA zum Konsumverhalten trinken rund 72 Prozent wöchentlich Alkohol. Bei 14,6 Prozent ist das Verhalten riskant, da sie besonders viel auf einmal konsumieren. Die Risiken sind klar: Psychische Störungen, Lebererkrankungen, Bluthochdruck und Krebserkrankungen sind nur einige. So entstehen in Deutschland jährlich auch eine Vielzahl an Kosten durch schädlichen Alkoholkonsum. Die BZgA betitelt eine Summe von 57 Millionen Euro jährlich, mit direkten Kosten wie Rehamaßnahmen und indirekten wie Frührente.

268 Menschen bei Autofällen unter Alkoholeinfluss verstorben

Wer übermäßig viel Alkohol trinkt, schadet nicht nur sich selbst. 2019 gab es laut einer Erhebung vom Statistischen Bundesamt knapp 16.000 Unfälle unter Alkoholeinfluss, dabei starben 268 Menschen.

Die gesundheitlichen Nutzen von Bier sind kaum nennenswert und auf der anderen Seite kann der Schaden enorm sein. Jedoch spricht auch nichts gegen ein kühles Blondes am Feierabend, solange es nicht regelmäßig zum Vollrausch kommt und man die Finger vom Steuer lässt.
Beim liebsten alkoholischen Getränk der Deutschen gilt es genauso, wie bei vielem anderen: Die Dosis macht das Gift.

Diesen Artikel vom 8. Oktober haben wir am 14. Oktober überarbeitet und neu publiziert.

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