Professor aus Nürnberg nennt Gründe

Experte antwortet: Fördert daddeln am Handy die Kurzsichtigkeit bei Kindern?

Birgit Heinrich, magazin@vnp.de
Birgit Heinrich

Magazin am Wochenende

E-Mail zur Autorenseite

3.6.2022, 05:49 Uhr
Bei Kindern sollte die Zeit am Smartphone beschränkt werden.

© imago images/Jochen Eckel Bei Kindern sollte die Zeit am Smartphone beschränkt werden.

Ja. Daddeln am Handy fördert die Kurzsichtigkeit bei Kindern. Gerade die Corona-Zeit hat gezeigt, dass im Lockdown die Kurzsichtigkeit von Kindern zunahm. Erklärt Professor Josef Schmidbauer, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Nürnberg.

Laut einer Mitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft DOG vom Februar 2021 ergab eine Reihenuntersuchung an 123 000 Schulkindern in China, dass sich die Kurzsichtigkeit der 6- bis 8-Jährigen im Lockdown 2020 im Schnitt um 0,3 Dioptrien verschlechterte.

Professor Josef Schmidbauer, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Nürnberg Nord.

Professor Josef Schmidbauer, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Nürnberg Nord. © Klinikum Nürnberg Nord

Als Ursache wird Homeschooling mit viel Bildschirmtätigkeit vermutet. Kinder haben während des Corona-Lockdowns bis zu 75 Prozent mehr mit Bildschirmen (Spiele, Handy etc.) verbracht. Der Anteil der Jüngeren mit Kurzsichtigkeit wird seit einiger Zeit immer mehr – zu wenig Tageslicht, zu viel Nahsehen und das Daddeln am Smartphone spielen hier eine Rolle.

Pausen vom Bildschirm machen

Der medizinische Mechanismus, wie das zustande kommt, ist komplex. Bei dauerndem Fokussieren auf nahe Objekte wie den Smartphone-Bildschirm entsteht im äußeren Netzhautbereich ein unscharfes Bild, das dann das Längenwachstum des Auges anregt und über ein zu langes Auge zu Kurzsichtigkeit führt.

Grundsätzlich ist zu empfehlen, dass Jugendliche die Nutzungsdauer für Handys einschränken oder zumindest häufig Pausen vom Bildschirm machen und aus dem Fenster ins Grüne oder in die Ferne blicken, damit sich der Autofokus des Auges, der für die dynamische Scharfeinstellung verantwortlich ist, entspannen kann.

Zwei Stunden vor dem Schlafengehen sind Handys zu vermeiden. Das Kurzsichtigkeitsrisiko lässt sich auch durch tägliches Spielen im Freien bei Tageslicht deutlich reduzieren.

Keine Kommentare