Ausblick aufs Jahr

Kulturveranstalter in Erlangen zwischen Hoffen und Bangen

13.1.2022, 13:30 Uhr
Das waren noch Zeiten: Die Techno-Marching-Band

Das waren noch Zeiten: Die Techno-Marching-Band "Meute" begeisterte die Massen 2019 im vollen E-Werk-Saal. © Klaus-Dieter Schreiter, NN

„Bei der Kultur ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger am Dienstag in der Sitzung des Ministerrats in München, „bessere Rahmenbedingungen für die Kultur sind nicht ausgeschlossen.“

Ein Stück Hoffnung also auch für die von den Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung seit Monaten gebeutelten Erlanger Kulturveranstalter? Abwarten. Auch nach der Ministerratssitzung hat sich für die Kulturanbieter erstmal nichts geändert. Hauptsächlich die 2G-plus-Regel und die maximal erlaubte 25-prozentige Publikumsauslastung der Örtlichkeiten stellen harte Brocken dar. Weswegen – abgesehen vom Theater Erlangen – alle Veranstalter in der Stadt in eine lange bis sehr lange Weihnachtspause gegangen waren.

Jongleure und Fahrradbastler

Und nun? Zart regt sich was im seit Wochen geschlossenen E-Werk. Ab sofort soll wieder der normalerweise regelmäßig stattfindende Gruppenbetrieb hochgefahren werden, sollen Aktive wie Jongleure und Fahrradbastler wieder ihren Tätigkeiten nachgehen dürfen. Und ab 20. Januar können Cineasten auch wieder das hauseigene Kino unterm Dach besuchen.

Sonstige Formate

Für die Zeit ab Freitag, 21. Januar, lehnt sich das Kulturzentrum an der Fuchsenwiese dann zumindest ein bisschen aus dem Fenster: Dem Saal im Erdgeschoss will man eine „Wohnzimmeratmosphäre“ verpassen und darin immer freitags und samstags für maximal 100 Personen kleinere, gut eingespielte Konzert-, Lese- und sonstige Formate, wie beispielsweise den U20 Poetry Slam oder das Kneipenquiz, anbieten.

Und nochmal bessere Zeiten: Die E-Werk-Clubbühne war bestens besucht, als im Jahr 2017 Shantel (Mitte) mit seinem Bucovina Club Orkestar aufspielte.

Und nochmal bessere Zeiten: Die E-Werk-Clubbühne war bestens besucht, als im Jahr 2017 Shantel (Mitte) mit seinem Bucovina Club Orkestar aufspielte. © Anestis Aslanidis, NN

„Tendenziell lokale Künstler werden hier zu sehen sein“, erklärt E-Werk-Geschäftsführer Jan-Peter Dinger, „größere Konzerte mit Künstlern von außerhalb sind schon allein deshalb nicht möglich, weil eben jene Künstler ihre Tourneen komplett abgesagt haben.“ Allein in dieser Woche standen Veranstaltungen mit den Krimi-Autoren Klüpfel und Kobr, mit Shantel und seinem Bucovina Club Orkestar sowie mit der Techno-Marching-Band „Meute“ aus Hamburg (in der Ladeshalle) auf dem Programm – samt und sonders auf spätere Monate verschoben.

„Unter wirtschaftlichen Bedingungen könnten wir gar nicht aufmachen“, sagt Jan-Peter Dinger, „aber wir haben einen Kulturauftrag und müssen nicht kommerziell erfolgreich sein.“ Und trotzdem: „Ohne Förderprogramme wären wir weg. Alles, was geht, wird beantragt.“

Nicht so schwarz

Stichwort Kurzarbeit: In dieser befänden sich die E-Werk-Mitarbeiter derzeit wieder „in überwiegendem Maße“. „Spannend wird es Ende März, wenn die Kurzarbeit ausläuft“, so Dinger, „denn von Seiten der Politik gibt es momentan keine Ambition, dieses Instrument zu verlängern.“

Doch die Zukunft sieht Dinger im Grunde gar nicht so schwarz: „Ich glaube, dass der Sommer wieder ganz normal verlaufen wird, sehr entspannt, mit dem großen Programm auf unserem Wöhrmühlinsel-Festival.“

Das Theater Erlangen spielt immer weiter und präsentiert auch im Januar und Februar mehrmals die Biografie

Das Theater Erlangen spielt immer weiter und präsentiert auch im Januar und Februar mehrmals die Biografie "So oder so - Hildegard Knef" mit Janina Zschernig im Markgrafentheater. © Jochen Quast, NN

Ganz so optimistisch ist Meike Walter, Vorständin bei der ebenfalls seit einigen Wochen geschlossenen Kleinkunstbühne „fifty fifty“, nicht: „Ziemlich sicher“ werden die noch anstehenden Januar-Vorstellungen (und vielleicht die der Folge-Monate) abgesagt werden, „es gibt so gut wie keine Kartennachfragen.“

Die Gründe seien mannigfaltig: „Es gab in jüngster Vergangenheit häufig von unserer Seite aus Absagen, wir mussten die Werbung herunterfahren, und große Künstler haben wir wegen fehlender Planungssicherheit derzeit nicht im Programm.“ Kostendeckend könne man – bei erlaubten 30 Zuschauern – eh nicht arbeiten. „Wir warten darauf, dass die 25-Prozent-Hürde fällt, eher spielen wir nicht.“

"Noch viel Arbeit"

Das Kurzarbeitergeld – betrifft alle „Fifty“-Beschäftigten – sei zwar verlängert worden, aber Überbrückungsgelder gäbe es vorerst nur bis März. „Meine Sorgen“, so Walter, „sind vor allem langfristiger Natur. Der Sommer ist keine klassische Kabarett-Zeit, und wie wird der Herbst werden? Und das Publikum erst mal wieder ins Haus zu bekommen, bedeutet auch noch viel Arbeit.“

Der GVE fährt dagegen auf Sicht, hat vorerst nur die allernächsten Konzerte bis Mitte Januar abgesagt. Der Kunstverein hat bis auf Weiteres geschlossen, das Kunstmuseum will sich – Stand heute – am 23. Januar, das Kunstpalais sogar erst ab 11. Februar aus der Deckung wagen. Allein das Theater Erlangen spielt unentwegt.

Das Warten auf bessere Zeiten, es ist in vollem Gange.

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