Zunächst keine Verschärfung

2G-Regelung bleibt: Fürther Gastronomen atmen etwas auf

Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

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14.1.2022, 13:00 Uhr
Die heimelige Atmosphäre rund um das Milchhäusle schätzen derzeit viele Fürther. Betreiber Christian Ilg ist froh darüber, kann er so doch die ausbleibenden Kino-Besuche etwas kompensieren.

Die heimelige Atmosphäre rund um das Milchhäusle schätzen derzeit viele Fürther. Betreiber Christian Ilg ist froh darüber, kann er so doch die ausbleibenden Kino-Besuche etwas kompensieren. © Foto: Wolfgang Händel

Ein Lob für den bayerischen Ministerpräsidenten von der Gastronomiebranche ist in diesen Tagen eigentlich so selten wie ein Pinguin in der Wüste. Aber Paul Reubel hat tatsächlich eines parat. "Diese Entscheidung der Staatsregierung war absolut positiv", sagt der örtliche Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), der in Zirndorf ein Gasthaus und ein Hotel betreibt, auf FN-Anfrage. Er meint damit den Entschluss Söders, sich nicht der bundesweiten Vorgabe von 2G-Plus anzuschließen, sondern es in Bayern bei 2G zu belassen. Will heißen: Wie gehabt dürfen Gäste, die geimpft oder genesen sind, ein Restaurant oder eine Kneipe besuchen. Ein zusätzlicher Test oder der Nachweis über eine dritte Impfung sind dafür weiterhin nicht nötig.

Aus Reubels Sicht wäre das auch "fast eine Aufforderung zum Schließen" gewesen. Dann nämlich würde zusätzliches Personal nötig, unter dessen Augen die Gäste einen Schnelltest machen können. Schlicht nicht machbar sei das, sagt Reubel. Denn nach wie vor sind Mitarbeiter in der Gastronomie ein sehr rares Gut.

Aber auch die Besucher kommen weniger zahlreich als vor Corona, wie das Fürther Landesamt für Statistik in seinen aktuellen Zahlen vermeldet. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Umsatz demnach preisbereinigt um 5,8 Prozent. Verglichen mit der Zeit vor der Pandemie betrug der Rückgang gar beinahe 30 Prozent. Reubel spürt das ebenfalls. Obwohl die Nürnberger Spielwarenmesse wieder in Präsenz stattfinden sollte, haben viele Stammkunden bereits abgesagt. Inzwischen steht fest: Auch die Messe ist abgesagt.

Auch im "Blauen Affen" in der Fürther Südstadt merkt Angie Ritter, die das Lokal seit 1994 mit mehreren anderen Teilhabern betreibt, dass sich unter den Leuten wieder Verunsicherung breit macht. Viele bleiben weg oder steigen wieder auf das To-go-Geschäft um. Gerade in der Nachbarschaft sei dies mittlerweile recht gut etabliert, bisweilen kämen die Leute sogar aus dem Landkreis, um sich ihr Schnitzel abzuholen.

Wieder Kurzarbeit im "Blauen Affen"

Dennoch hat Ritter erst wieder Kurzarbeit für ihre Mitarbeiter angemeldet. Müsste sie die 2G-Plus-Regelung erfüllen, müsste sie passen. "Das würden wir personell gar nicht schaffen, wenn wir auch noch Schnelltests überprüfen müssten", sagt sie. Verständnis dafür, dass sich Kultureinrichtungen wie Theater und Kinos an diese Regelung halten müssen und nur 25 Prozent Auslastung haben dürfen, hat sie indes nicht. "In Gaststätten kommt man sich doch viel näher als im Theater."

Das sieht Christian Ilg naturgemäß ähnlich, kennt er als Betreiber des Babylon-Kinos, der dazugehörigen Kneipe und des Milchhäusles in der Adenaueranlage doch beide Seiten. Dass er in der Gastronomie seine Gäste weiterhin nach der 2G-Vorschrift bewirten darf, freut Ilg zwar, doch auch für sein Kino würde er sich eine Erleichterung wünschen.

Verständnis für die unterschiedlichen Regelungen, die teilweise ins Absurde führen, hat er nicht. So dürfen in der Diele, dem Café im Babylon, 40 Leute ohne Maske Platz nehmen. Zeigt er aber dort einen Film, muss die Hälfte der Gäste gehen, wer bleibt, muss während der Vorführung einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Das Milchhäusle war zuletzt seine Rettung

Für das Kino würde sich Ilg eine Perspektive wünschen. Schon 50 statt 25 Prozent Auslastung würden helfen, glaubt er. Voll würden die Säle momentan sowieso nicht – auch wegen der Sperrstunde um 22 Uhr. Die Möglichkeit, nach dem Kino noch in eine Kneipe zu gehen, entfalle damit; viele blieben deshalb lieber sitzen und verzichteten auf den Filmgenuss.

Ilg hofft nun, dass die für kommende Woche anberaumten Beratungen im bayerischen Kabinett eine Erleichterung für die Kultur bringen. Ein Runder Tisch, an dem Vertreter der Staatsregierung und Kulturschaffende am Mittwoch teilgenommen hatten, verlief ohne konkrete Ergebnisse.

So lange sein Kino unter den strengen Auflagen leidet, hält er sich auch mit dem Milchhäusle über Wasser. Das kleine Café mit seiner Außenbestuhlung in der Adenaueranlage sei in den vergangenen Wochen seine Rettung gewesen. Besonders während der Ferien sei es gut angenommen worden und habe ein wenig "Weihnachtsmarkt-Atmosphäre" verströmt, so Ilg.