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FFP2-Masken-Pflicht: Muss der Bart unter der Maske ab?

Masken liegen bei Bartträgern nicht eng genug am Gesicht an - 20.01.2021 11:07 Uhr

Runter mit der Wolle: Der Erlanger OB Florian Janik hat es vorgemacht und sich seinen Bart abrasiert, damit die FFP2-Maske gut sitzt.

19.01.2021 © Foto: dpa


Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik hat nicht lange gefackelt und seine Gesichtsbehaarung abrasiert – nicht ohne die Aktion publikumswirksam auf Facebook zu posten. Weitere Erlanger Lokalpolitiker folgten seinem Beispiel. Denn: Eine richtig angelegte FFP2-Maske soll dicht abschließen, damit sie beim Ein- und Ausatmen die Luft effektiv filtert. Sie muss sie über der Nase sitzen und an den Wangen eng anliegen. Das ist aber nur möglich, wenn diese glattrasiert sind. "Da hilft nur eins", so Janik. "Der Bart muss ab! Wächst ja wieder...", so der Erlanger.

Die Bartträger unter den Fürther Kommunalpolitikern sind da zögerlicher. Sie beteuern zwar, dass sie die Wolle stutzen, ganz darauf verzichten möchten sie aber nicht. Für den CSU-Fraktionsvorsitzenden Max Ammon hört hier der Spaß auf: Er werde seinen Bart kürzen, aber auf keinen Fall ganz abnehmen! Das könne man von Männern nicht verlangen. "Denken Sie bloß an die Trachtler aus Oberbayern, die sich über Jahrzehnte ihre Rauschebärte haben wachsen lassen. Und die sollen sich jetzt von dieser Pracht trennen?"

"Das geht zu weit"

Er selbst trägt seinen seit drei Jahren, findet ihn ansprechend und zeitgemäß. "Langsam wird es schwierig mit den Einschränkungen. Die Vorstellung, dass jeder glattrasiert sein muss, das geht zu weit", findet Ammon. Hundertprozentigen Schutz gebe es auch mit FFP2-Masken nicht, wenn sie auch deutlich sicherer seien als ein hochgezogener Schal.

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Ohnehin ist er mit der letzten Anordnung aus München nicht zufrieden und spricht von "Wischiwaschi". Die Tatsache, dass FFP2-Masken zwar Pflicht sind, aber erst ab nächster Woche geahndet wird, wenn man sie nicht aufhat, hat ihm in seiner Metzgerei massiven Ärger beschert. "Einige Kunden, die nur einen normalen Mund-Nasen-Schutz getragen haben und darauf hingewiesen wurden, haben den Laden wutentbrannt verlassen", erzählt er.

Man könne in dieser Frage auch nicht nachsichtig sein, das Ministerium hätte klargemacht, dass es sich um eine verbindliche Vorschrift handelt. Außerdem will Ammon die Kunden, die sich an neuen Vorgaben halten, nicht verärgern, indem er die anderen gewähren lässt.

Die Freundin entscheidet mit

Noch nicht ganz entschieden hat sich der Juso-Vorsitzende Alexander Fuchs, wie er es mit dem Attribut seiner Männlichkeit halten will. Stutzig gemacht hat ihn ein ZDF-Beitrag, der erläuterte, "Warum der Vollbart ab muss". "Da habe ich mich schon gefragt, ob ich ihn aus infektionsschutzrechtlichen Gründen abnehmen soll", berichtet er. Davon abgehalten haben ihn bisher noch die Bedenken seiner Freundin, die ein großer Bartfan ist.

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"Es ist eine scheinbar banale Frage, irgendwie witzig", aber er wolle sie trotzdem ernst nehmen. Sein Kompromiss sieht bisher so aus: Fuchs hat den Bewuchs stark gekürzt. Er ist nur noch wenig länger, als der berühmte "Dreitagebart". Ob er für die FFP2-Maske in den nächsten Tagen noch ganz weichen muss, werden Verhandlungen mit der Freundin zeigen. "Ich brauche noch ein bisschen Bedenkzeit und muss klären, ob sie damit leben kann." Wenn nicht, müsse er sich in den nächsten noch stärker aus der Öffentlichkeit zurückziehen und sie das Einkaufen übernehmen.


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Kurz und gut, das ist vorerst auch die Lösung, zu der sich Niklas Haupt von den Linken durchgerungen hat. Über Weihnachten war sein Bart stark gewachsen. Nun hat Haupt ihn wegen der neuen Vorschrift bis zu seiner persönlichen Schmerzgrenze getrimmt. Zu einem kompletten Kahlschlag konnte er sich noch nicht durchringen. Er macht es lieber wie der künftige US-Präsident Joe Biden oder andere Berühmtheiten in Amerika: Er trägt zwei Masken übereinander, um sich und andere bestmöglich zu schützen. "Aber ich lasse mich auch notfalls eines Besseren belehren. Dann muss ich halt die Kröte schlucken und den Bart opfern".

Unglücklich ohne Bart

Er trägt ihn schon seit fast zehn Jahren – mit einer kurzen Unterbrechung: Wegen einer Fehlrasur musste er ihn einmal ganz entfernen. "Das hat mir aber gar nicht gefallen", gibt der 34-jährige zu.

Keinen Kompromiss eingehen will Joachim Schmidt, stellvertretender CSU-Fraktionsvorsitzender im Fürther Stadtrat und Internist am Klinikum Nürnberg. "Ich werde auf meinen kurz geschnittenen Bart nicht freiwillig verzichten, obwohl die FFP2-Maske primär meinem eigenen Schutz dient", betont er. Dies sei während seiner beruflichen Laufbahn als Arzt nie ein Thema gewesen.

"Zu viele und zu enge Kontakte unter Missachtung der Abstandsregeln sowie seltenes Händewaschen halte ich allemal für bedenklicher als meinen kurz geschnittenen Bart unter Einhaltung der vorher genannter Regeln." Es solle sich keiner zu früh freuen: Nach den Bartträgern seien vermutlich bald die Doppelkinnträger an der Reihe, die mit Forderungen konfrontiert werden.

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