Defizitäre Einrichtung

Fünf Bewerber sind raus: Wer übernimmt Fürths Stiftungsaltenheim?

Luisa Degenhardt
Luisa Degenhardt

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4.9.2021, 12:00 Uhr
Das Stiftungsaltenheim ist in die Jahre gekommen. Die Stadt sucht derzeit einen neuen Betreiber für die defizitäre Einrichtung.

Das Stiftungsaltenheim ist in die Jahre gekommen. Die Stadt sucht derzeit einen neuen Betreiber für die defizitäre Einrichtung. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Ihren Hut in den Ring geworfen hatten anfangs sechs Wohlfahrtsverbände und das Klinikum. An der Übernahme interessiert waren die Arbeiterwohlfahrt, das Bayerische Rote Kreuz, die Caritas, das Diakonische Werk, der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern und das Sozialnetzwerk Arche, das zur Diakonie gehört. Allerdings gaben am Ende nur zwei der sieben Interessenten ein Angebot ab.

Warum haben die anderen fünf zurückgezogen? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, gestaltet sich knifflig. Das Vergabeverfahren läuft momentan noch, deshalb werden kaum Informationen publik. Aus gut unterrichteten Kreisen heißt es jedoch, dass das Fürther Klinikum nicht mehr dabei ist. Dessen Pressesprecherin Carmen Brückner übt sich in Zurückhaltung und verweist auf FN-Anfrage auf das laufende Verfahren.

Anders ein Vertreter eines Wohlfahrtsverbands, der sich gegen die Übernahme entschieden hat. "Das ist für uns kein Objekt beziehungsweise kein Tätigkeitsfeld, in dem wir auch stark gestaltend tätig sein können, weil die Restriktionen sehr stark sind", erklärt er. Dazu zählen ihm zufolge etwa die komplizierten Eigentumsverhältnisse. Das Grundstück gehört der 1848er-Gedächtnisstiftung, die in Erinnerung an die Gefallenen der Märzrevolution 1848 im Jahr 1948 gegründet wurde. Als kommunale Stiftung wird sie vom Fürther Stadtrat verwaltet. Das Gebäude wiederum gehört inzwischen der König-Ludwig-Stiftung, die durch die städtische WBG verwaltet wird.

"Des Pudels Kern" sei aber der defizitäre Betrieb der Einrichtung. Seit Jahren klappt es nicht, das Haus kostendeckend zu betreiben; pro Jahr schlägt derzeit ein Defizit von einer Million Euro zu Buche. Und: "Die öffentliche Diskussion lässt für mich schon die Frage offen, ob man überhaupt die Expertise und Kompetenz eines Wohlfahrtsverbands haben will", sagt der Verbandsvertreter insbesondere mit Blick auf eine Verdi-Demonstration im März, bei der sich die Gewerkschaft und die Mitarbeitenden des Heims für die Übernahme durch das Klinikum ausgesprochen hatten. Begründet wurde dies damit, dass die Kräfte aktuell nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bezahlt werden, nach dem auch das Klinikum seine Angestellten entlohnt.

Die Stadt bleibt ihrer Linie derweil auch nach dem Rückzug von fünf Interessenten treu. "Keinesfalls ist angedacht, einen privaten Betreiber ins Boot zu holen", unterstreicht Stadtsprecherin Susanne Kramer. Die Namen der verbliebenen Anbieter will sie nicht nennen, denn "zunächst sind noch Verständnis-Nachfragen nötig". Kramer verweist auf ein Treffen der Steuerungsgruppe am 13. September. Sie "wird entscheiden, ob Verhandlungen aufgenommen werden". Die Mitarbeitenden, das betont die Sprecherin, "müssen selbstverständlich wie bisher bezahlt werden, wenn es zu einer Übernahme kommt". Wann diese ansteht, sei, Stand jetzt, unklar.

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