Versorgung in Zeiten des Klimawandels

Fürth muss ins Trinkwasser investieren

8.9.2021, 16:00 Uhr
Ein Wasserspender in der Adenaueranlage, an dem man seinen Durst löschen kann – genügend Trinkwasser, das ist in Zeiten des Klimawandels nicht mehr selbstverständlich. Fürth steht an sich gut da, muss aber auch etwas tun.

Ein Wasserspender in der Adenaueranlage, an dem man seinen Durst löschen kann – genügend Trinkwasser, das ist in Zeiten des Klimawandels nicht mehr selbstverständlich. Fürth steht an sich gut da, muss aber auch etwas tun. © Hans-Joachim Winckler

Im Mai erst warnte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dass das Grundwasser mancherorts sinkt und die Trinkwasserversorgung mittelfristig gefährdet sei. Ja, die vermehrt heißen, trockenen Sommer zuletzt hatten sogar schon dazu geführt, dass in einigen Gemeinden Deutschlands das Wasser knapp wurde und der Verbrauch beschränkt werden musste. Fürth blieb davon verschont – und die Stadtspitze geht davon aus, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Oberbürgermeister Thomas kann also die Bürger beruhigen, die ihn immer wieder fragen, ob sie sich in Zeiten des Klimawandels um das Trinkwasser Sorgen machen müssten. Müssen sie nicht, betont der OB und verweist beispielsweise darauf, dass die Stadt „gesegnet ist mit Flusstälern, eigenen Trinkwasserreservoirs“. So stammen allein aus dem Rednitzgrund 54 Prozent des Grundwassers, das die Stadt benötigt.

"Wir sind gut gerüstet"

Weitere zwei Prozent kommen aus dem Wasserwerk Mannhof im Knoblauchsland – womit der Selbstversorgungsgrad aktuell bei 56 Prozent liegt. Die restlichen 44 Prozent fließen über die 33 Kilometer lange Fernwasserleitung aus dem Allersberger Raum nach Fürth. Was das Trinkwasser betrifft, „sind wir gut gerüstet für die nächsten Jahre“, resümiert Jung. Der OB sagt aber auch: Auf Dauer sei die Versorgungssicherheit nur gewährleistet, wenn man investiere.

Das tut die Infra auch, der hiesige Wasserversorger. Derzeit modernisiert sie für fünf Millionen Euro das Wasserwerk im Knoblauchsland; sie installiert neue Kessel, Silos und Aufbereitungstechnik, so dass der Beitrag zur Wasserversorgung von zwei auf bis zu zehn Prozent erhöht werden kann. Damit wächst der Selbstversorgungsgrad ab Herbst 2022 auf bis zu 64 Prozent.


Ruf nach mehr Schutz fürs Fürther Wasser


Und das nächste Großprojekt wird auch schon geplant: die Sanierung der Leitung nach Allersberg, die in den 60er Jahren gebaut wurde und damit in die Tage gekommen ist. „Bis die Bagger rollen, vergehen aber noch zehn bis 15 Jahre“, sagt Infra-Geschäftsführer Marcus Steurer.

Er geht davon aus, dass die Versorgung mit diesen Maßnahmen gesichert ist. Sprich: Die vorhandene Infrastruktur, Ertüchtigung vorausgesetzt, reicht auch künftig aus. Trotz wachsender Bevölkerung einerseits – man rechnet damit, dass die Einwohnerzahl Fürths bis 2029 auf über 135.000 steigen wird.

Trotz Klimawandels andererseits, der sich bislang in puncto Trinkwasser glücklicherweise kaum auf Fürth auswirkt. Der Grundwasserpegel sei nur geringfügig gesunken, sagt Steurer. „Alles unproblematisch.“ Klar ist aber auch, dass man ein Auge auf die Wasserqualität haben muss. Ursula Geier, Wasserwerksleiterin bei der Infra, bekräftigt zwar, dass die Qualität weiterhin hervorragend sei. Man weiß jedoch auch: Schon ein geringer Temperaturanstieg vermag Veränderungen im Grundwasser zu bewirken, mit der Folge, dass Sauerstoffgehalt oder auch pH-Wert sinken und aufwendigere Aufbereitungsverfahren notwendig werden können.


Wasserschutz hat absoluten Vorrang


Für manche überraschend: Der Fürther Wasserverbrauch ist seit den 90er Jahren relativ konstant, schwankt nur um fünf Prozent und betrug zuletzt, im Jahr 2020, rund acht Millionen Kubikmeter; das sind acht Milliarden Liter. Dass es keinen Anstieg gab, lag am technischen Fortschritt – so kommen etwa Haushaltsgeräte heutzutage mit deutlich weniger Wasser aus. Andererseits aber „gehen die Menschen auch sensibler mit Trinkwasser um“, sagt Steurer. Es wächst also das Bewusstsein, wie wertvoll das „Lebensmittel aus dem Wasserhahn“ ist.

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