Sonntag, 11.04.2021

|

Fürther Bahnhofplatz: Hochhaus-Vorstoß findet wenig Gegenliebe

CSU-Vorschlag beschäftigt die Kommunalpolitik - 28.02.2021 10:00 Uhr

Ein „sehr wertvolles Areal“: Vor der Hauptpost soll der Bahnhofplatz zur Mobilitätsdrehscheibe umgestaltet werden. Anstelle des Gebäudes wünschen sich die Fürther Christsozialen ein Hochhaus in der Größenordnung des Bahnhof-Centers gegenüber.

26.02.2021 © Foto: Wolfgang Händel


Der Vorschlag kam durchaus überraschend: Weil der Verkauf des Hauptpost-Gebäudes am Bahnhofplatz offenbar näher rückt, hat die Fürther CSU vorgeschlagen, beizeiten die Weichen für ein weiteres Hochhaus an diesem exponierten Standort zu stellen. Das Areal biete sogar Raum für zwei "hochgeschossige Häuser", so der CSU-Fraktionschef im Stadtrat, Max Ammon.

Bauten mit "15 Stockwerken + X" schweben ihm und seinen Parteifreunden vor, also vom Kaliber des auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs aufragenden Bahnhof-Centers aus den 70er Jahren. Er, so Ammon, halte weitere hohe Gebäude an dieser Stelle nicht nur für wünschenswert – seiner Ansicht nach muss man sie "zur Pflicht machen".

Er denke dabei nicht an eher schmucklose Kästen wie eben das Bahnhof-Center oder aber das ähnlich konzipierte Sparkassen-Hochhaus einen Steinwurf entfernt, sondern an "grünen Hochhausbau", wie er derzeit modellhaft im Münchner Arabellapark angestrebt wird: ein Gebäude mit sanften Rundungen und vertikaler Begrünung an der gesamten Front. Ein "Leuchtturmprojekt" für Fürth könnte so entstehen, glaubt Ammon.

Ökologische Akzente

Die Stadt, forderte die CSU in einem Antrag, müsse deshalb möglichst rasch den Bebauungsplan ändern, entsprechende Rahmenbedingungen schaffen und "die Verpflichtung zu ökologischer Bauweise und Energiegewinnung" festschreiben. Ammon sieht darin einen zeitgemäßen Gegenpart zu den am Stadtrand üblichen Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern.

Bilderstrecke zum Thema

Von Historismus bis Moderne: Markante Bauwerke in Fürth

Ob die Altstadt mit ihrem historischen Stilmix, ob verspielte Fassaden an den Prachtboulevards oder aber moderne Kuben: Fürth hat zahlreiche markante Bauwerke zu bieten. Die Bildergalerie wirft Schlaglichter darauf.


Einen Bebauungsplan allerdings kann die Stadt für das Postareal gar nicht ändern – denn bis dato gibt es keinen, wie Baureferentin Christine Lippert nun im Stadtrat klarstellte. Wolle man steuern, was an dieser Stelle möglich ist, könnte die Stadt allerdings nun verbindliche Planungsrichtlinien anstoßen.

Sie selbst allerdings tue sich schwer mit der Vorstellung, dass neben dem historischen Bahnhofsgebäude ein weiteres Hochhaus aufragt. OB Thomas Jung hatte sich bereits vor zwei Wochen auf FN-Nachfrage skeptisch gezeigt und zum "behutsamen Umgang mit dem Stadtbild" geraten. In Lipperts Augen handelt es sich um ein "sehr wertvolles Areal", zumal sich der Bahnhofplatz in naher Zukunft zur modernen Mobilitätsdrehscheibe mit zeitgemäßen Verkehrsangeboten mausern soll. Im Baureferat werde deshalb derzeit an einer Studie gearbeitet, was hier möglich sein könnte.

"Hundertprozentige Ablehnung"

Keinesfalls Hochhäuser, findet Maurice Schönleben. In der Ratssitzung sprach der SPD-Mann von "hundertprozentiger Ablehnung", von einer "Absicht, die man bekämpfen muss". Höre man sich in der Innenstadt um, stoße man "nur auf Leute, die dagegen sind".


Wird Fürths Bahnhofplatz nach historischem Vorbild umgestaltet?


Vage bleiben die Aussagen, wie wahrscheinlich ein baldiger Verkauf des Geländes durch den Eigentümer Blackrock ist und wie dringlich eine vorausschauende Planung durch die Stadt. Das Grundstück, bestätigt der OB lediglich, "soll demnächst auf den Markt kommen".

Anregungen von CSU und Grünen, die Kommune könnte es dann selbst erwerben, weist Kämmerin Stefanie Ammon entschieden zurück. Sie schätzt, dass ein zweistelliger Millionenbetrag fällig würde, den die Stadt nicht habe.

Stattdessen sollen nun Wirtschaftsreferent Horst Müller und Baureferentin Christine Lippert Kontakt zu "passenden Interessenten" aufnehmen.

8

8 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth