Schliemann

Heikler Konflikt: Bunker steht Gymnasium im Weg

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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Ausgerechnet dort, wo die Stadt Fürth das neue Heinrich-Schliemann-Gymnasium plant, findet sich der denkmalgeschützte Bunker. Seine Tage sind wohl gezählt.

Ausgerechnet dort, wo die Stadt Fürth das neue Heinrich-Schliemann-Gymnasium plant, findet sich der denkmalgeschützte Bunker. Seine Tage sind wohl gezählt. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Im Bayerischen Denkmal-Atlas, der Online-Version der Bayerischen Denkmalliste, ist er inzwischen verzeichnet: der Bunker, der im Juli 2020 auf dem Fürther Wolfsgruberareal freigelegt wurde. Er befindet sich ausgerechnet dort, wo die Stadt Fürth den Neubau des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums plant. Und damit sind seine Tage wohl gezählt.

In der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause hatten Baureferentin Christine Lippert und Schulreferent Markus Braun bereits deutlich gemacht, dass sie keine Möglichkeit sehen, den rund 30 Quadratmeter großen Schutzraum zu erhalten – selbst wenn er als Denkmal eingestuft werden sollte.


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Das Ergebnis der Prüfung des Landesamts für Denkmalpflege stand zu dem Zeitpunkt noch nicht fest. Das Rathaus bat den Stadtrat dennoch schon mal um die Zustimmung, den Schliemann-Komplex ohne Rücksicht auf den Bunker weiterplanen zu können. Man dürfe keine Zeit verlieren, so Braun, die Schule brauche dringend mehr Platz. Lippert und er erklärten, es gebe keine Alternative zum Abriss: Der Schutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg lasse sich nicht in den Schulneubau integrieren.

Nun ist die Stadt hier also tatsächlich mit dem Denkmalschutz konfrontiert. Der Bunker "wurde nicht als Einzelbaudenkmal, sondern als Anlageteil des Mühlenanwesens in die Denkmalliste eingetragen", erklärt das Landesamt für Denkmalpflege auf FN-Nachfrage.

"Historischer Bestandteil"

Er sei ein "historischer Bestandteil" des Mühlenanwesens, das schon länger denkmalgeschützt ist – und als solcher, das betont die Behörde, unterstehe er ebenfalls den Schutzbestimmungen des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes.

Die Stadt Fürth sei in der vergangenen Woche über die Entscheidung informiert worden. Das offizielle Gutachten befinde sich noch in Bearbeitung und werde demnächst an die Kommune übermittelt. Erst danach könne man sich dazu äußern, was den Bunker besonders und denkmalwürdig macht.


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Nach FN-Informationen gehört dazu, dass es sich um eine private Anlage handelt. Erbaut wurde der aus Ziegelsteinen gemauerte Rundbunker, wie berichtet, wohl um 1942/43 von der Familie Wolfsgruber, deren Wohnhaus, ein altes Fachwerkgebäude, direkt neben der Mühle, nur einen ebenerdigen Keller hatte, der nicht ausreichend Schutz bot.

Die Stadt Fürth wusste dank Zeitzeugen von seiner Existenz. Wie groß er war, zeigte sich allerdings erst bei seiner Freilegung. Zuvor war der Bau mit seiner Betondecke komplett von Erdreich bedeckt gewesen.

Die Entscheidung des Landesamts lag Baureferentin Lippert nach eigenen Worten am Freitag noch nicht vor. Sie bleibt aber dabei: Man sehe weiter keinen Weg, den Bunker beim Bau der Schule zu erhalten.


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Fakt ist: Das Rathaus kann sich über die Entscheidung des Landesamts hinwegsetzen und auch denkmalgeschützte Objekte abreißen lassen oder – wie im Fall des Parkhotel-Festsaals – deren Abriss genehmigen.

Integrieren könne man den Bunker nicht, sagt Lippert, es wäre eine komplette Umplanung nötig. Er sei statisch nicht belastbar und stünde außerdem in zwei Stockwerken "mittig in den Flächen, die die Schule einnehmen soll".

Entwurf stand bereits

Den Raum brauche man jedoch zwingend. Die Baureferentin betont: Die Stadt könne auf dem Areal nicht tiefer (Hochwassergefahr), nicht breiter (Landschaftsschutzgebiet) und auch nicht höher (man orientiert sich an den umliegenden Gebäuden) bauen.

Lippert bestätigt, dass die Stadt bereits im Herbst 2020 vom Denkmalverdacht erfuhr. Wäre da noch etwas zu machen gewesen? Sie verneint. Der Entwurf für den Neubau war längst erarbeitet. Man habe sich damals selbstverständlich mit den Fachplanern ausgetauscht.

Behauptungen, wonach die Stadt den Gutachter des Landesamts drängte, seine Einschätzung zu ändern, weist Lippert entschieden zurück. "Das machen wir nicht. Wir wollen konstruktiv zusammenarbeiten, die würden auch nicht auf ein Drängen reagieren."

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