Nach Anwohnerprotesten

Jetzt doch: Fürths Sommerstraßen wurden abgesagt

28.7.2021, 15:35 Uhr
Die Schilder, mit denen vorübergehend Autos aus der Neumannstraße verbannt werden sollten, stehen schon. Doch nun macht die Stadt einen Rückzieher.

Die Schilder, mit denen vorübergehend Autos aus der Neumannstraße verbannt werden sollten, stehen schon. Doch nun macht die Stadt einen Rückzieher.

Die Sommerstraßen (Summer Streets) sind vom Tisch. Konkret heißt das: Auch wenn entsprechende Schilder dies schon verkünden – ab Freitag, 30. Juli, wird weder der Finkenschlag noch die Neumann- oder die Pfisterstraße vorübergehend zur Spielstraße. Die Stadt reagiert damit auf massive Kritik.

"Sommer in Fürth – aber ohne Sommerstraßen in diesem Jahr" ist eine Pressemitteilung aus dem Rathaus übertitelt, in der die Stadt am Mittwoch die kurzfristige Absage bekanntgab. Begründung: "Aufgrund des engen Zeitplans bis Ferienbeginn sollte auf eine intensivere Beteiligung der Anwohnerschaft verzichtet werden." Doch zeige sich, "nachdem verkehrlich und stadtplanerisch geeignete Straßenabschnitte ausgewählt wurden, dass sich die Anlieger eine größere Mitwirkung und mehr Information bei dem Vorhaben gewünscht hätten".

Das solle "nicht ungehört" bleiben, heißt es weiter. Die Idee sei für die Bevölkerung entwickelt worden, sie solle zu einer Steigerung der Lebensqualität in innerstädtischen Quartieren beitragen und das Miteinander fördern.

Klargestellt wird in der Mitteilung auch, dass das Projekt nicht ein für allemal beerdigt ist. Die Verwaltung werde die kontroverse Diskussion aufnehmen und dem Stadtrat "einen anderen Weg vorschlagen, um in einem der folgenden Jahre Sommerstraßen realisieren zu können". Denn: Neben kritischen Stimmen gebe es durchaus auch Zuspruch.

Vorschläge von Bürgern

Fest steht: Eine städtische Projektgruppe hat sich die Schauplätze für die Premiere nicht selbst ausgedacht. Sie hat aus 22 Vorschlägen von Anwohnerinnen und Anwohnern drei Straßenabschnitte ausgewählt, die sich vom ersten Ferientag an – mit mobilem Grün und Sitzbänken – in Treffpunkte verwandeln sollten. Wo sonst Autos fahren und parken, sollten Nachbarn miteinander ins Plaudern kommen und Kinder spielen können.

Die Wahl fiel auf den Finkenschlag im Eigenen Heim (zwischen Erich-Klabunde- und Feldstraße), die Neumannstraße in der Südstadt (zwischen Flößau- und Weizenstraße) sowie die Pfisterstraße (zwischen Mathilden- und Marienstraße). Die ersten beiden hätten für sechs Wochen, also die gesamte Zeitspannen der Ferien, die Letztere nur für zwei Wochen eine Sommerstraße werden sollen.

Obwohl die Vorschläge also aus der Anwohnerschaft stammten, stieß die Entscheidung der Stadt allerorten auf Widerstand. Die Kritiker fühlten sich überrumpelt und beklagten in zahlreichen Protest-Posts, -Mails und -Briefen die ohnehin angespannte Parksituation in ihren Straßen und drumherum. Manche wunderten sich, dass die Stadt mit dem Vorhaben mitten in der Pandemie zu Begegnungen ermuntert. Am Finkenschlag, wo es viel Grün und Kleingärten hinter den Häusern gibt, fragten sich viele, wozu sie sich im Rahmen eines Projekts auf der Straße treffen sollen. Sogar eine Unterlassungsklage wurde erwogen.

In Nürnberg wurde mit der Adlerstraße unterdessen die erste "Summer Street" eingerichtet. Auch in Erlangen überlegt man, Sommerstraßen auszuweisen, wahrscheinlich aber erst 2022. Fürth hatte man hier als Vorbild im Blick.

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