Jetzt gibt es 3G-Bereiche

Jugendhäuser im "Lockdown": Fürth kritisiert 2G-Regelung

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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15.1.2022, 06:00 Uhr
Nach der Winterpause zieht es Kinder und Jugendliche wieder verstärkt in Einrichtungen wie das Catch Up, so Sozialpädagoge Daniel Norman (Mitte), wo sie Kontakte suchen oder einfach chillen wollen.

Nach der Winterpause zieht es Kinder und Jugendliche wieder verstärkt in Einrichtungen wie das Catch Up, so Sozialpädagoge Daniel Norman (Mitte), wo sie Kontakte suchen oder einfach chillen wollen. © Hans-Joachim Winckler

Sie heißen Oase, Alpha1, Bubbles oder Catch Up und sind für Kinder und Jugendliche wichtige Anlaufstellen in der Stadt. Die 15. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung macht es aber vielen von ihnen schwerer als je zuvor in der Pandemie, ihren "Hafen" anzusteuern. Denn in den Jugendhäusern gilt seit November 2G. Ungeimpfte mussten seitdem draußen bleiben. Eine Lockerung lässt alle Beteiligten jetzt aufatmen. Sebastian Fischer, Leiter der kommunalen Jugendarbeit, betrachtet das aber nur als einen "Anfang".

An sich sollten Jugendzentren junge Leute mit offenen Türen und offenen Armen empfangen, ihnen das Gefühl geben, dann kommen zu können, wenn ihnen gerade danach ist. Spontan eben, Motto: "Komm, schauen wir halt mal hin."

Ausweis und Impfpass am Jugendhaus

Doch in der Pandemie ließ und lässt sich das so nicht bewerkstelligen. Kinder und Jugendliche hatten sich mit vielem arrangiert: mit Schulschließungen, Kontaktbeschränkungen, auch der monatelangen Schließung ihrer Jugendhäuser, in die sie einst einfach hinein spazieren konnten. Dann galt dort die 3G-Regel, die für Schüler nichts änderte, weil sie vormittags sowieso auf Corona getestet wurden. Plötzlich aber wurden Ausweis und Impfpass verlangt.

Fischer nennt das "eine Riesenbarriere". Hochgezogen wurde sie am 24. November mit der 2G-Regelung, die sich in Bayern auf außerschulische Bildungsangebote erstreckt. Ausgenommen waren zunächst Kinder bis zwölf Jahre und drei Monate, mit der Änderung am 11. Januar sind es Kinder bis 14 Jahre. Das immerhin sei erfreulich, so Fischer, dass die Jüngeren und nun ein noch etwas größerer Kreis stets freien Zugang zu den Jugendhäusern hatten.

Jetzt sind es noch die 14- bis 17-Jährigen, für die er sich ein Ende dieses "Lockdowns" wünscht. Auch der Bayerische Jugendring (BJR) hatte die 2G-Zugangsbeschränkung als "absurden De-Facto-Lockdown" angeprangert und unter dem Hashtag #JungUndAusgeschlossen zum Protest aufgerufen. Denn: Jugendarbeit unter 2G-Bedingungen raube einem Großteil der Betroffenen wichtige Orte und Räume. Die Staatsregierung verwehre den nicht oder noch nicht Geimpften den Zugang zu dem gesetzlichen Pflichtangebot Jugendarbeit, so die BJR-Kritik.

Vor dem Jugendhaus: "Ein Dilemma"

Daniel Norman arbeitet als Sozialpädagoge im Catch Up. Viele Jugendliche kommen in Gruppen, sagt er. Bei 2G stünden da dann vier Teenager und einer dürfe nicht rein. "Es ist ein Dilemma." Für die Gruppe, die meist weiterziehe. Für ihn, der gern alle vier im Haus hätte, sie aber in ihrer Solidarität gedanklich bestärkt. Und vermutlich für den Ungeimpften, der sich als Minderjähriger ja nicht selbst für oder gegen den Piks entscheiden konnte.

Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Wie Fischer und die neue Jugendamtsleiterin Luise Peschke berichten, verfährt Fürth seit dieser Woche nach dem Münchner Modell. Danach weisen Jugendzentren einen niedrigschwelligen, sozialpädagogisch betreuten Offene-Tür-Bereich aus, zu dem nach dem 3G-Prinzip auch Ungeimpfte Zutritt haben – Schüler gelten ohnehin als getestet, Azubis müssen einen negativen Covid-Test vorlegen. Für spezielle Angebote wie den Mädchenclub oder die Graffitigruppe gelte vorerst weiter 2G.

Die offene Tür biete Jugendlichen auch die Chance, schwierigen familiären Situationen auszuweichen und sich in einem Schutzraum mit Gleichaltrigen zu treffen oder Beratung zu holen. Für Luise Peschke ist das ein "Lichtblick", die Tür sei wieder etwas weiter als einen Spalt geöffnet.

Sebastian Fischer sieht "einen ersten Schritt in die richtige Richtung", hofft aber, dass Bayern wieder ganz auf 3G in den Jugendhäusern umschwenkt. Im Catch Up etwa darf man mit 3G jetzt erst einmal in die Zocker-Ecke, in die Chill-Area und ins Café.