Stadt unterstützt den Handel

Leerstände nach Corona: So ist die Lage in Fürth

Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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7.12.2021, 08:20 Uhr
Noch halten sich die Leerstände in der Fußgängerzone in Grenzen. Meist zieht nach einer Geschäftsaufgabe bald wieder neues Leben ein.

Noch halten sich die Leerstände in der Fußgängerzone in Grenzen. Meist zieht nach einer Geschäftsaufgabe bald wieder neues Leben ein. © Foto: Hans-Joachim Winckler

"Sie ist besser als die Stimmung im Einzelhandel. Was den Leerstand angeht, stehen wir noch ganz gut da", sagt Wirtschaftsreferent Horst Müller und schiebt den Halbsatz "Jedenfalls bis jetzt!" hinterher. Eine Garantie, dass es so bleibt, gebe es nicht. Wenn ab Mittwoch 2G für den Einzelhandel gilt, werde das sicherlich negative Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft haben. "Das ist praktisch ein Konjunkturpaket für den Online-Handel. Da muss es nicht verwundern, wenn mancher Ladeninhaber doch noch resigniert aufgibt."

Müller hat schon von Kommunen gehört, in denen ganze Ladenzeilen leer stehen, wie etwa in Ingolstadt. In Fürth haben bisher nur wenige Geschäfte dicht gemacht. Dazu gehören die Modeläden Tally Weijl und Bonita. Aus sind die Lichter auch beim früheren H & M in der Schwabacher Straße, was allerdings nichts mit Corona zu tun hat: Die Filiale der schwedischen Modekette ist in das neue "Flair" umgezogen.

Das ändert aber nichts daran, dass an prominenter Stelle in der Fußgängerzone eine markante Lücke klafft. Der Rückbau des H & M-Ladens ist noch in vollem Gange; wann ein neuer Mieter einzieht, ist ungewiss. "Bei einem Objekt mit so viel Fläche in dieser zentralen Lage müssen sich die Eigentümer etwas Zeit lassen, bis der richtige Interessent kommt", sagt die Innenstadtbeauftragte Karin Hackbarth-Herrmann. Allerdings seien Filialisten und große Einzelhändler derzeit eher zurückhaltend, was neue Projekte angeht. Sie warten ab, wie sich die Lage entwickelt.


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Bei der Stadt Fürth ist man dennoch verhalten zuversichtlich. Es tut sich selbst in Coronazeiten immer wieder etwas: Wo sich früher die "Weltbild"-Niederlassung befand, wird ein Eiscafé mit Ganzjahresbetrieb eröffnen. Hier kann sich ein beliebter Treffpunkt entwickeln, der Leben in die City bringt. Im ehemaligen Tally Weijl ist zumindest eine Zwischennutzung geplant. Und in der südlichen Fußgängerzone sind zwei Geschäfte, die vorübergehend leer standen, wieder vermietet. Regelmäßig gehen auch Nachfragen nach günstigen Läden in der Altstadt ein, die man gar nicht befriedigen kann.

Wie gewinnt man die Kunden zurück?

Ohne Corona müsste man sich laut Hackbarth-Herrmann in Fürth mit der Neuen Mitte und dem gut belegten "Flair" derzeit kaum Sorgen machen. Doch wegen der Pandemie wandern viele Kunden nicht nur ins Internet ab. Die Bekleidungsbranche hat auch aufgrund von Homeoffice und abgesagter Veranstaltungen akute Probleme. "Es wird die große Kunst sein, die Kunden wieder in die Innenstadt zu locken", sagt sie.

Deshalb geht es der Stadt auch nicht ums bloße Vermeiden von Leerstand, sondern um das Fördern einer guten Mischung. Eine Kombination aus Gastro und Geschäften unterschiedlicher Branchen gilt als entscheidend dafür, dass Einkaufen zum Erlebnis wird.

Dafür tut die Stadt denn auch einiges, was laut Müller ein Grund dafür ist, dass man bisher noch vergleichsweise wenig Leere beklagen muss: Sie schaltet zum Beispiel Werbung in verschiedenen Medien, investiert in Winterbeleuchtung sowie Blumenschmuck und sorgt für eine saubere Fußgängerzone, damit die Menschen sich beim Flanieren wohl fühlen.

Und auch die Corona-Unterstützungsmaßnahmen wurden um ein halbes Jahr verlängert. Dazu gehören der Lieferdienst "Fürth bringt’s" und die Online-Plattform "Ein Herz für Fürth", bei der man Gutscheine für Geschäfte kaufen kann. Die Stadt will so die inhabergeführten Läden unterstützen. Denn sie sind es, die eine lebendige Innenstadt ausmachen.