Exotische Insekten

Tigermücke: Stadt Fürth zieht nach monatelanger Bekämpfung Bilanz

Alexandra Voigt

Redaktion Fürth

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8.12.2021, 07:20 Uhr
Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma behandelten in der Südstadt mögliche Brutstätten mit einem Mittel, das die Mückenlarven abtötet.

Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma behandelten in der Südstadt mögliche Brutstätten mit einem Mittel, das die Mückenlarven abtötet. © Foto: Tim Händel

Bis November war sie noch aktiv, mit Schnee, Eis und Minusgraden aber ist auch die zähe Tigermücke in Winterstarre verfallen. Für das Umweltamt ein guter Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen, wie sich die groß angelegte Bekämpfungsoffensive heuer ausgewirkt hat und was man nächstes Jahr besser machen kann.

Das Fazit: "Die Maßnahmen haben funktioniert, der Bestand konnte deutlich reduziert werden", sagt der Leiter des Umweltamtes, Jürgen Tölk. Hatte man 2020 noch 1680 Tigermücken in den zur Bestandskontrolle aufgestellten Fallen gezählt, waren es 2021 nur 567, also nur noch ein Drittel. "Diese Zahlen zeigen, dass eine konsequente Bekämpfung greift, auch wenn feuchtwarmes Wetter mit viel Regen für beste Fortpflanzungsbedingungen sorgen", sagt auch Silke Göttler von dem Unternehmen Biogents aus Regensburg, das für das Monitoring zuständig ist.

Eine Schädlingsbekämpfungsfirma hatte in der Kalbsiedlung und in den angrenzenden Kleingartenanlagen in regelmäßigen Abständen Zisternen, Regentonnen und Abwasserschächte des städtischen Kanalnetzes mit dem biologischen Mittel BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) behandelt, das zuverlässig Mückenlarven abtötet und so die Vermehrung verhindert. Eine Verkürzung des Intervalls von vier auf zwei Wochen hat sich dabei als äußerst effektiv erwiesen. Zusätzlich wurden über 600 Regentonnen abgedeckt und andere Wasserstellen trockengelegt, damit sie nicht zur Brutstätte für Stechmücken werden. Die Bewohner und Hobbygärtner in den betroffenen Gebieten wurden außerdem aufgerufen, Wasseransammlungen zu vermeiden.

Durch Informationsblätter und Medienberichte sind die Fürther in puncto Tigermücke inzwischen sehr sensibilisiert. Viele vermeintliche Sichtungen – darauf weisen Tölk und Göttler hin – stellen sich aber als Fehlalarm heraus. Meist handelt es sich um normale Haus- oder Überschwemmungsmücken. Letztere hatten im Juli und August extrem zugenommen, als die starken Regenfälle zu Überflutungen in der Region geführt hatten.

Merkmale der Tigermücke

Dabei lassen sich die heimischen Biester gut von den tropischen unterscheiden: Während Haus- und Überschwemmungsmücken meist beige- oder grau-braun sind, ist für die gefürchtete exotische Variante eine markante schwarz-weiße Maserung am Körper und an den Beinen charakteristisch. Am Kopf hat sie eine silbrig-weiße Linie, die sich am oberen Brustschild fortsetzt.


Klein und aggressiv: Die Tigermücke lässt sich in Fürth nicht mehr ausrotten.


In die Freude über die Tigermücken-Dezimierung "mischt sich aber auch ein Wermutstropfen", wie Tölk unterstreicht: "Ihre räumliche Ausbreitung ist im Randbereich des Beobachtungsgebietes vorangeschritten." Es sei zwar ein geringes, aber dennoch messbares Auftreten an der Höfener Straße und nahe dem Südstadtpark zu verzeichnen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die Tiere nicht nur verirrt haben, sondern sich hier vermehren.

Umso wichtiger ist es, dass die Bekämpfung auch im nächsten Frühjahr wieder rechtzeitig startet und die Ausbreitung engmaschig überwacht wird. Die Stadt will die Bevölkerung noch intensiver darüber informieren, wie man die potentiellen Krankheitsüberträger erkennt und ihre Brutstätten beseitigt. Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung, bei der wirklich alle an einem Strang ziehen, könne man den Insekten effektiv zu Leibe rücken, sagt Tölk. In einigen Hotspots will die Stadt deshalb auch auf einzelne Bewohner und Hobbygärtner zugehen, weil sie die Auflagen nicht befriedigend umsetzen und zum Beispiel Wasserstellen nicht trockenlegen, in denen die Tigermücken dann ihre Eier ablegen.

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