Infra ist besorgt

Wegen Amazon: Ist Fürths Trinkwasserversorgung in Gefahr?

Luisa Degenhardt
Luisa Degenhardt

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Das Wasserschutzgebiet im Allersberger Raum versorgt insgesamt rund 30 000 Menschen mit dem kostbaren Gut.

Das Wasserschutzgebiet im Allersberger Raum versorgt insgesamt rund 30 000 Menschen mit dem kostbaren Gut. © Foto: Lukas Schulze/dpa

Erst Anfang September erklärte Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung bei einem Pressetermin, dass sich die Bürger in Zeiten des Klimawandels nicht um das Trinkwasser sorgen müssen. Nun allerdings bereitet ein Bauvorhaben bei Roth den Experten der Infra Kopfzerbrechen.

In Allersberg könnte sich neben anderem Gewerbe der Online-Versandriese Amazon mit einem Sortierzentrum ansiedeln, bislang ist dies aber nur inoffiziell bestätigt. In unmittelbarer Nähe liegt das Wasserschutzgebiet, aus dem die Stadt Fürth über die Infra derzeit 44 Prozent ihres Trinkwassers bezieht und um das sich der Versorger jetzt verstärkt Gedanken macht. Bei Bauvorhaben können die Träger öffentlicher Belange üblicherweise eine Stellungnahme zu den Plänen abgeben – das hat das Unternehmen mit deutlichen Worten getan.

"Unsere seit Jahren bestehende und auch in der Zukunft enorm wichtige und notwendige Trinkwasserversorgung ist u.a. durch diese Planung gefährdet", heißt es darin. Um sie weiterhin sicherzustellen, wird unter anderem gefordert, dass immer dann im Vorfeld ein Sachverständiger zu Rate gezogen wird, wenn die Bauarbeiten mehr als fünf Meter in den Untergrund reichen. Auch möchte die Infra, dass auf den Bau und Betrieb von Erdwärmesonden verzichtet wird.

Mit diesen, erklärt Geschäftsführer Marcus Steurer auf FN-Nachfrage, werde in die Tiefe gebohrt. Dadurch könnten Erdschichten verletzt werden und jüngeres, verunreinigtes Wasser könnte sich mit dem tiefer liegenden, älteren Trinkwasser vermengen. Zudem gibt die Infra zu bedenken, dass künftig "sehr wohl wassergefährdende Stoffe gelagert und umgeschlagen werden".

Steurer: "Versiegelungen oder Verdichtungen wirken sich immer irgendwie auf den Untergrund aus." Das Vorhaben in Allersberg schafft der Stellungnahme zufolge "ein mittel- bis langfristiges Gefährdungspotenzial für die Hauptwasserversorgung einer gesamten Region". Das Industriegebiet werde sich verändern, eine Erweiterung sei zu erwarten.

"Es gibt Alternativstandorte, die in Bezug auf den Grundwasserschutz besser geeignet wären", betont Steurer. Einer wurde abgelehnt, weil er in der Nähe von Wohnhäusern liegt. Die Infra wünscht sich, dass er abermals untersucht wird. Beim Allersberger Bürgermeister Daniel Horndasch stößt diese Forderung auf taube Ohren – wenngleich es nachvollziehbar sei, dass die Infra einen Alternativstandort vorschlägt, der möglichst weit vom Wasserschutzgebiet entfernt sei. Andere Flächen seien nicht mehr im Rennen. Der Gemeinderat habe durch die Entscheidung "für den aktuellen Standort die Interessen und Bedürfnisse der Allersberger Wohnbevölkerung zu Recht höher gewichtet als die Interessen der Infra Fürth", so der Bürgermeister – zumal er außerhalb des Wasserschutzgebiets liege.

Eine Gegnerin des Projekts ist die Fürther Grünen-Landtagsabgeordnete Barbara Fuchs. "Mein Thema ist langfristig sicherzustellen, dass wir in Fürth kein Trinkwasserproblem kriegen", sagt sie auf FN-Anfrage. Daniel Horndasch wirft sie vor, "von Anfang an nicht transparent gearbeitet" zu haben. "Relativ fadenscheinig" habe er ein Bürgerbegehren gegen die Ansiedlung von Amazon ablehnen lassen.

"Mit Argusaugen"

Das will Horndasch so nicht stehenlassen. Als Politikerin sollte Fuchs wissen, "dass alle Verfahrensschritte des Bauleitplanverfahrens generell völlig transparent und öffentlich im Gemeinderat behandelt wurden und werden", erklärt er. Das Bürgerbegehren gegen eine Ansiedlung von Amazon sei nach rund zwei Stunden "intensiver Prüfung" mit einer Mehrheit von 14:6 Stimmen vom Gemeinderat abgelehnt worden. Fuchs Vorstoß wertet er als "Einmischung in Allersberger Belange".

Die Infra kündigte derweil an, das Projekt genau verfolgen zu wollen. Wenn man sich an die Vorgaben des Wasserversorgers halte und die Baumaßnahme korrekt erfolge, sieht Steurer die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet. Doch werden die Auflagen missachtet – und das passiere in Fürth "regelmäßig" – könne dieses Fehlverhalten zur Gefahr werden. "Wir passen mit Argusaugen auf, dass alle Vorgaben zum Schutz unseres Trinkwassers eingehalten werden", kündigt Steurer an.

Die Grünen-Abgeordnete Barbara Fuchs wünscht sich unterdessen klare Worte der Fürther Stadtspitze ans Allersberger Rathaus. Sie solle bekunden, dass sie dieses Projekt an diesem Standort nicht haben will und "größte Bedenken" habe.

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