Samstag, 20.04.2019

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WM statt Wirtshaus

Viktoria-Kegler Bernd Klein fährt zu den Titelkämpfen - 20.10.2012 13:00 Uhr


Seit fünf Jahren kegelt der 23-Jährige für die Viktoria, begonnen hat sein Leben mit der Kugel aber schon viel früher. „Ich bin quasi über der Kegelbahn aufgewachsen“, sagt Klein. Schon die Großeltern betrieben in Neumarkt „Die Linde“, ein Wirtshaus mit Kegelbahn, hier treffen sich die „Lindenkegler“ seit Generationen — und Bernd Klein war ohne Zweifel ihr größtes Talent.

2008 wechselte er jedoch nach Fürth, zur Viktoria. „Da waren einige in Neumarkt schon enttäuscht“, erinnert sich Klein. Doch inzwischen sind sie alle stolz auf ihren ehemaligen Mitspieler, der bei der Viktoria den Durchmarsch von der Bayernliga bis ins Oberhaus packte — und nebenbei auch den Sprung in die Junioren- Nationalmannschaft.

Hier hielt er sich aber nicht lange auf: Gerade mal ein Spiel hatte er für die U23 absolviert, da berief ihn sein Trainer ins A-Team — und vor knapp zwei Wochen folgte die vorläufige Krönung: Der BWL-Student aus Fürth wurde als einer von nur drei deutschen Spielern für die WM nominiert. Das zeigt, wie groß die Wertschätzung des Bundestrainers für das Fürther Talent ist — und wie viel sich Deutschlands Kegelelite von ihm noch erhofft.

Für einen Podestrang kommt die WM in Leszno allerdings zu früh. Klein hält den Ball, respektive die Kugel, flach: „Reinschnuppern und Erfahrung sammeln“, lautet die Vorgabe. Erfahrung für das Jahr 2015, wenn der deutsche Kegelbund die WM im eigenen Land ausrichtet und auf große Goldjagd gehen will. Läuft alles glatt, steigt Klein dann als Lokalmatador in die Bahn: Die Titelkämpfe finden vor seiner Haustür, in Speichersdorf bei Bayreuth, statt.

Doch erst einmal wartet Leszno, eine Stadt mit langer Kegeltradition. Bei der großen Eröffnungsfeier am Sonntag ziehen die Sportler mit Nationalflaggen in die Festhalle der Stadt ein, am Montag beginnen die Wettkämpfe auf acht nagelneuen Bahnen. 64 Kegler starten in der Qualifikationsrunde, 32 kommen weiter.

Um 12 Uhr wird es ernst

Für Bernd Klein wird es am Dienstag ernst, Deutschlands Nummer drei muss um 12 Uhr ran. „Die Quali überstehen und in die Hauptrunde einziehen, das wär schon was“, formuliert er sein Ziel für die WM-Premiere. Die Nervosität hält sich bislang noch in Grenzen: „Aber die kommt noch. Das ist bislang ja mein definitiv größter Wettkampf.“

Seine Fürther Kollegen drücken ihm die Daumen. „Wir sollten nicht die ganz großen Dinge von ihm erwarten. Der Kopf spielt beim Wettkampf eine wichtige Rolle“, sagt Viktoria-Sportwart Uwe Fleischmann. Aber: „Bernd hat das Zeug zum Spitzenspieler, er lebt fürs Kegeln.“ Für den Verein sei die WM-Nominierung eine tolle Sache: „Das wird sich positiv auf uns auswirken. Schön zu sehen, dass auch ein kleiner Verein einen Nationalspieler stellen kann“.

Bei so viel Talent ist das Interesse von größeren Bundesligavereinen allerdings nur eine Frage der Zeit. Erste Anfragen soll es schon gegeben haben.

„Die Sorge, dass so einer geht, muss man immer haben. In Fürth ist mit Kegeln nun mal kein Geld zu verdienen“, sagt Fleischmann, stellt aber gleich klar: „Ich würd’ den Bernd nur ungern ziehen lassen.“
  

ACHIM BERGMANN

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