Tiertherapie

Ponys zu Besuch im Seniorenheim

Die Bewohner hielten für Kalle und Konrad Möhren und Heu bereit. Die aßen die Leckereien ganz schön gierig.

Die Bewohner hielten für Kalle und Konrad Möhren und Heu bereit. Die aßen die Leckereien ganz schön gierig. © Foto: Milena Kühnlein

Konrad und Kalle waren etwas nervös vor ihrem großen Auftritt. Neugierig schnupperten sie an den Blumen und bissen hier und da das noch saftige Gras ab. Die beiden Shetlandponys vom Reit- und Therapiehof "Artgerecht" in Weißenburg hatten schon Wochen vorher mit Trainerin und Leiterin Sandra Wägemann fleißig trainiert. All das geschah für den Moment, in dem sie auf die Seniorinnen und Senioren des BRK Seniorenzentrums an der Altmühltherme in Treuchtlingen treffen sollten.

Aber von Anfang an: Mittlerweile ist bekannt, welche Wirkung Tiere auf alle Menschen, vor allem aber auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen, haben. Regelmäßig sind im Seniorenzentrum Katzen zu Besuch, welche die Erinnerung der an Demenz erkrankten Personen wieder etwas anregen sollen – und natürlich einen abwechslungsreichen und schönen Nachmittag bescheren.

Keine Berührungsängste: Sandra Wägemann führte die Tiere gezielt zu den Menschen, so dass die Bewohner die Ponys streicheln und füttern konnten.

Keine Berührungsängste: Sandra Wägemann führte die Tiere gezielt zu den Menschen, so dass die Bewohner die Ponys streicheln und füttern konnten. © Foto: Milena Kühnlein

Zum aller ersten Mal sollten an diesem Donnerstag nun Ponys ins Zentrum kommen. Konrad mit dem dunklen Fell und Kalle mit den lustigen Tupfen hatten schon ordentlich Winterfell bekommen und waren deshalb besonders flauschig. "Der ist ja weich", sagt ein älterer Mann, der Konrads Blesse und struppigen Schopf ausgiebig streichelte. "Ja, die haben sich schon warm angezogen", lachte Wägemann und führte ihre Tiere über den Hof bis zum Innenraum des Zentrums. Dort warteten die Bewohner in einem großen Kreis schon auf die zwei Besucher.

Es standen Heu und Möhren bereit, die die Bewohner an die Ponys verfüttern durften. Dabei nahmen sich die Verantwortlichen viel Zeit, damit alle Bewohnerinnen und Bewohner ihre ganz eigenen Momente mit den Ponys erleben durften.

Diejenigen, die nicht laufen können, wurden mit dem Rollstuhl in den unteren Raum des Seniorenzentrums gefahren. Es mag befremdlich wirken, dass die Tiere nicht nur auf dem Hof waren, sondern sogar in den Räumlichkeiten, jedoch war es den Betreibern des Seniorenheims wichtig, dass wirklich alle den Besuch der Tiere miterleben durften.

Dorothea Eidam, Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Rummelsberger Diakonie in Weißenburg, hat dieses Projekt mitorganisiert. "Das Anfassen der Tiere, das weiche Fell, der Geruch, all das kann bei den Menschen wieder Erinnerungen hochholen", erzählte sie.

Viele Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, hätten außerdem schon früh Kontakt zu Pferden gehabt, meint sie. Die Tiere sind also ein möglicher Anknüpfungspunkt für Erinnerungen und Gefühle aus der Vergangenheit.

Als ein Senior über die große Glastür auf dem Hof lief und das Pony sah, musste er lachen. "Auf solchen sind wir früher ohne Sattel geritten", erzählte er. Die Pferde aus seinen Erinnerungen wären allerdings nicht so klein gewesen, sondern eher "echte Ackergäule".

Sandra Wägemann lachte und stellte dem Mann so gleich weitere Fragen zu seinen Erfahrungen mit den Tieren. Die Stimmung im Seniorenzentrum war unbeschwert und heiter, für die Seniorinnen und Senioren war der Besuch von Kalle und Konrad ein echtes Highlight.

Stärke, Kraft und Energie

Auch in Zukunft wolle man weiter auf Therapietiere setzen, hieß es seitens des BRK Seniorenzentrums. Denn: "Pferde strahlen Stärke, Kraft und Energie aus, was sich positiv auf das menschliche Gegenüber auswirkt", heißt es auf der Homepage vom Reit- und Therapiehof.

Die Unvoreingenommenheit und die Neugierde der Pferde täten vielen Menschen auf unterschiedlichste Weise gut. Deshalb kommt die Heilpädagogische Förderung am Pferd zum Beispiel auch bei verschiedene Formen von Autismus oder ADHS/ADS zum Einsatz.

Für Konrad und Kalle war der Einsatz nach etwa eineinhalb Stunden beendet. Sie wurden mit dem Hänger wieder zurück auf ihren Hof gefahren. Die Bewohner werden sich aber sicher noch länger an die zwei flauschigen Gäste erinnern.

Keine Kommentare