Abholzung und "Bush meat"

Wettelsheimer Tierschützerin: Kamerun ist "ein hoffnungsloser Fall"

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13.1.2022, 06:30 Uhr
Barbara Engelhardt erlebte in Kamerun einige schaurige Wochen voller Tierquälerei und Abholzung.

Barbara Engelhardt erlebte in Kamerun einige schaurige Wochen voller Tierquälerei und Abholzung. © Barbara Engelhardt, NN

Der Schreck ist ihr noch deutlich anzumerken. Wenn Barbara Engelhardt von Kamerun spricht, sucht man vergeblich nach dem Fünkchen Hoffnung.

Drei Wochen war die stadtbekannte Tierschützerin in diesem westafrikanischen Land unterwegs. Gemeinsam mit Gerhard Hochsieder, einem Verhaltensbiologen und Tierschützer aus Münster, versuchte sie dort, mit den Menschen in Machtpositionen zu sprechen - vergeblich.

Abgewiesen und ausgelacht

„Wir haben das Handtuch geworfen“, sagt sie nun resigniert. Doch im Nachgang möchte Engelhardt an den WWF schreiben, an die IFO und das Umweltministerium. „Wenn ich das Ganze verarbeitet habe“, sagt sie. Was ist geschehen in diesem Land?, mag man sich fragen, denn die Wettelsheimerin hat schon in so vielen Ländern gegen Tiere und die Natur gerichtete Gewalt erleben müssen.

Doch was sie in Kamerun so sehr schockierte, ist die Selbstverständlichkeit, mit der so viele Umwelt- und moralische Sünden tagtäglich und ohne Reue begangen werden. „Die Einheimischen essen nur Tiere, und zwar in rauen Mengen: Gorillas und Schimpansen, Antilopen und Fisch“, schildert Engelhardt.

Hunde auf dem Esstisch

Diese Hunde versuchte Barbara Engelhardt vergeblich vor ihrem Schicksal auf der Schlachtbank zu retten.

Diese Hunde versuchte Barbara Engelhardt vergeblich vor ihrem Schicksal auf der Schlachtbank zu retten. © Barbara Engelhardt

Bei dem Versuch, sie zur Raison zu bringen, hätten sie sie immerzu bloß ausgelacht. Und einen Versuch, drei Hunde vor ihrem Weg auf den Esstisch zu retten, habe man ebenfalls verhindert. „Der Mann wollte mein Geld nicht nehmen, um die Hunde auszulösen.“ Sie seien bereits bestellt gewesen, habe der Mann gesagt - und ist mit den Hunden davon gefahren.

Absurd muten für Barbara Engelhardt nun die hiesige Umweltpolitik und Proteste von Fridays for Future an - nicht etwa deshalb, weil diese etwas Schlechtes seien. Mit Blick auf die Abholzung „der Lunge der Welt“, die sie dort tagtäglich beobachtet hat, kommen ihr die Bemühungen in Deutschland nur vergeblich vor.

Baumstämme, die meterdick sind, wurden dort alle fünf Minuten auf Lastwägen an ihr vorbeigefahren. Der Wald, in dem abgeholzt wird, ist dann meist schon von Tieren „befreit“. Wilderei ist dort alltäglich, denn „bush meat“, wie es in Kamerun heißt, wird gerne gegessen.

„Es ist nichts mehr zu machen“

Engelhardt und Hochsieder sprachen vor Ort unter anderem mit dem High Kommissionary von Großbritannien, einem Militärattaché von der deutschen Botschaft und einem Journalist des BBC. „Alle waren sie sich einig“, sagt Engelhardt nun. „Wir appellierten an die Vernunft, und sie sagten: Hier geht alles den Bach runter, es ist nichts zu machen.‘“

Lebhaft in Erinnerung ist den beiden ein Gespräch, dass sie mit dem Fahrer ihres sogenannten „Bush taxis“ führten. In diesem Moment brausten sie in höchstem Tempo mitten durch einen Nationalpark, woraufhin Engelhardt und ihr Begleiter darum baten, der Fahrer möge doch bitte etwas langsamer fahren.

Die Antwort von ihm hallt bis heute nach. „Wir müssen nicht langsam fahren, die Affen hier sind schon alle aufgegessen“, soll er lachend erwidert haben.

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