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Heinershof: Wie viel Platz braucht eine Pizza?

Schulbauernhof und Umweltstation in Stolzenroth hoffen auf Gäste nach der Pandemie - 11.05.2021 18:00 Uhr

Im Moment ist der Schulbauernhof in Stolzenroth noch dicht; wie es nach den Pfingstferien weitergeht, weiß Tina Sickmüller noch nicht.

07.05.2021 © Foto: Jeanette Seitz


"Die Sieben-Jahres-Aussage hat uns durch so manche Durststrecke geholfen", blickt Tina Sickmüller zurück. Denn als der Heinershof im März 2013 nach einem umfangreichen Umbau als Schulbauernhof an den Start ging, musste das neue Angebot erst einmal bekannt werden. "Es braucht Zeit, bis die Mund-zu-Mund-Propaganda greift", so Sickmüller.

Wie glücklich war sie da, als der Schulbauernhof für das Jahr 2020 sehr gut gebucht war. Doch der Betrieb lief nur bis März, dann erfolgte der erste Lockdown. Alle mit Übernachtung gebuchten Schulklassen mussten absagen.

"Wir haben den Betrieb über den Sommer aufrechterhalten, aber eben stark angepasst – mit Tagesangeboten und Ferienprogramm in Kleingruppen. Das war für unser Personal auch psychisch anstrengend, weil man zusätzlich zur Aufsichtspflicht auch noch für die Einhaltung der Hygieneregeln sorgen musste." So verging das Jahr.

Gut gebucht gewesen

Tina Sickmüller: "Auch heuer wären wir ab Februar gut gebucht gewesen, aber da ging es wegen des erneuten Lockdowns ja gar nicht erst los." Im Moment ist der Schulbauernhof noch dicht, wie es nach den Pfingstferien weitergeht, weiß Sickmüller nicht. "Aus Thüringen ist bereits klar, dass es bis Ende des Schuljahres keine Klassenfahrten mehr geben wird, da wurde alles schon storniert." Andere Klassen aus anderen Bundesländern haben die Termine erst mal nur verschoben. "Theoretisch wären wir nach Pfingsten bis August voll."

Und das ist auch der Grund, warum sie momentan keine Planungen für Tagesangebote machen kann. "Es ist zum Heulen", sagt Sickmüller resigniert. Sie könne derzeit nur von Woche zu Woche planen oder nicht mal das. Dabei merkt sie: "Die Leute wollen kommen!" Wann das sein wird oder wie das aussehen kann, steht momentan jedoch in der Sternen.

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Heinershof wird Schulbauernhof

Rundgang mit Tina Sickmüller.


Genauso ist es mit den Angeboten der Umweltstation. Seit fünf Jahren ist der Heinershof nämlich auch Umweltstation, eine staatlich anerkannte Einrichtung zur Umweltbildung bzw. Bildung zur nachhaltigen Entwicklung. Innerhalb dieses Netzwerks können Anträge auf finanzielle Unterstützung für die pädagogischen Mitarbeiter gestellt werden – allerdings nur für spezielle Programme. "Die Förderung hat Modellcharakter", erklärt Tina Sickmüller. "Das heißt, man muss sich jedes Jahr etwas innovativ Neues einfallen lassen und jedes Mal einen neuen Antrag stellen."

"Totale Aha-Effekte"

Im Jahr 2019 beispielsweise hatte der Heinershof das Programm "Die Zukunftsbauer(n)" genehmigt bekommen. Das Thema Flächenverbrauch stand auf der Tagesordnung. "Da haben wir mit den Kindern ein Feld angelegt, um herauszufinden, wie viel Fläche wohl eine Pizza braucht. Also Getreide für den Teig, Tomaten, Oregano, Gemüse etc. Oder dass das Schwein für die Salami extrem viel Platz braucht. Da gab es totale Aha-Effekte."

Im Jahr 2020 sollte das Thema Flächenverbrauch weitergeführt werden in Bezug auf Bauen und Wohnen. "Das war auch schon genehmigt, wir konnten es aber nicht durchführen", bedauert Tina Sickmüller.

Über Online-Angebote während der Corona-Pandemie habe der Heinershof durchaus mal nachgedacht. "Aber wofür wir stehen und was wir vermitteln wollen, ist ja genau das Gegenteil", so Sickmüller. Denn es gehe ja eben darum, den Kindern die Landwirtschaft nahezubringen. "Da muss man etwas anfassen, riechen, schmecken können", so Sickmüller. Und das fehle bei Online-Angeboten, ebenso wie der persönliche Kontakt. Sie hofft darauf, dass nach der Pandemie diese Dinge umso wichtiger werden, dass es dann ein "verstärktes Bedürfnis nach Echtem" gibt.

Bayernweite Pflanzaktion

Um auf die wichtige Arbeit der Umweltstationen hinzuweisen, hat der Dachverband ANU eine bayernweite Pflanzaktion initiiert mit dem Titel "Umweltbildung trägt Früchte". Wesentliche Ziele sind laut ANU die langfristige Sicherung der wertvollen Arbeit, die gemeinsame Forderung nach einer Verwaltungspauschale und einer Koordinierungsstelle.

"Wir hätten gerne eine institutionelle Förderung ähnlich wie die Landschaftspflegeverbände", erläutert Sickmüller. Das hieße, dass nicht jedes Jahr neue Anträge gestellt werden müssten. "Das würde den beständigen Charakter der Umweltbildung unterstreichen und wäre mehr auf Nachhaltigkeit ausgelegt", meint Sickmüller. Man hätte eine verlässliche Größe und müsste nicht mehr "von der Hand in den Mund" leben, zumal auch viel ehrenamtliches Engagement geleistet werde.

Auf dem Heinershof ist zu der Aktion am 21. Mai der Pommersfeldener Bürgermeister Gerd Dallner eingeladen, um im Gemüsegarten "Klimatomaten" zu pflanzen.

JEANETTE SEITZ

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