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Höchstadt: Erinnerung ans Schweden-Massaker lebt

Der 10. März 1633 war der schwärzeste Tag der Stadtgeschichte - 09.03.2018 14:36 Uhr

Der Dreißigjährige Krieg, nachgespielt im Engelgarten in Höchstadt. 1633 kam es zu dem Massaker an der Aisch. Archivfoto: Matthias Kronau


Es ist unerträglich heiß, als die Stadt Höchstadt im Juli 2003 ihren 1000. Geburtstag feiert. Trotzdem haben sich die Höchstadter Musketiere in aufwendige Kostüme geworfen. Trotzdem wollen rund 1500 erwartungsvolle Zuschauer den "Sturm auf Höchstadt" sehen, den sie auf dem Marktplatz nachstellen. Das ist typisch an der Aisch: Der Angriff von 1633 ist immer wieder Thema, die zahlreichen Inszenierungen dazu stoßen auf großes Interesse. Überall im Städtchen finden sich Spuren, Mahnmale und Gedenktafeln.

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1633: Schweden stürmen Höchstadt

Der schwärzeste Tag in der Geschichte Höchstadts ist der 10. März 1633. Schwedisch-weimarsche Truppen stürmen die Stadt und ermorden fast alle Einwohner brutal. Die Höchstadter halten die Erinnerungen daran bei vielen Gelegenheiten mit Inszenierungen wach.


Im Februar 1633 lagerten die schwedischen Truppen unter dem Kommando von Herzog Bernhard von Weimar vor der Stadt. Auf der Höhe von Etzelskirchen hatten sie ihr Lager. Der Straßenname "An der Schwedenschanze" zeugt bis heute davon.

Die Höchstadter hatten mehrere Gelegenheiten ausgeschlagen, sich zu ergeben oder zu flüchten. Daraufhin hatten die Generäle Lohhausen und Zorn von Bullach den Angriff für den 10. März akribisch geplant. Früh am Morgen begann das Bresche-Schießen — "Am Graben", wo jetzt eine Tafel des Heimatvereins hängt. Am heutigen Samstag, um 18 Uhr, treffen sich die Höchstadter Musketiere dort und gedenken der Toten mit Trompeten-Musik und einem Lager.

Die Trommeln wirbeln

Die Höchstadter verteidigten sich 1633 kläglich. Unbemerkt konnten weimarische Reiter in die Stadt eindringen und das Tor öffnen. Jetzt stürmten auch von Süden die Schweden herein. "Es begann ein Massaker ohnegleichen", schreibt der Historiker Anton Wölker in seinem Buch "Aus der Geschichte der Stadt Höchstadt".

Nur sieben Einwohner überlebten das grausame Gemetzel innerhalb der Stadtmauern, weil sie sich unter der Aischbrücke und im Schwedenbrunnen versteckt hatten. Etwa 62 weitere Menschen, die sich wohl bei ihrem Vieh im Bürgerwald aufhielten, entkamen dem Tod. Von 160 bekannten Familien wurden 98 ausgelöscht.

Unter Trommelwirbel marschieren bei den Inszenierungen zu verschiedenen Anlässen die Höchstadter Musketiere auf den Marktplatz. Bei der 1000-Jahr-Feier hat sich auch die dritte Bürgermeisterin Irene Häusler einen Musketier-Hut aufgesetzt und will alles für ihre Stadt geben. Rathauschef Gerald Brehm ragt aus der Menge, mit brauner Kopfbedeckung und beigem Hemd, in der Hand eine Hellebarde.

Vor der Tribüne halten die rund 50 Verteidiger unter der Führung eines Sachsen — Mitglied des Vereins Delitzscher Landsknechte — an. "Wir wollen euch sterben sehen!", ruft ein Zuschauer und alle klatschen.

Trommelwirbel kündigt die Angreifer an. "Fahnen und Trommeln zu mir, Sakra!", brüllt Höchstadts Anführer. Die Gesandten der beiden Lager treffen sich in der Mitte. Ein Krieg ist unvermeidlich "Wir werden bis zur letzten Kugel kämpfen", rufen die Musketiere. Die Kanonen böllern zum Angriff. Die Luft stinkt nach Schwarzpulver und mancher sieht vor Rauch nichts mehr. Kinder zucken zusammen und alles hält sich die Ohren zu. Wieder wird geschossen, diesmal mit Gewehren und Pistolen. Mit Geschrei stürzen sich die Gegner aufeinander, erste Tote sind zu beklagen, die sogleich von den schwedischen Damen ausgeplündert werden. Nur noch in karierten Unterhosen liegen die Männer auf dem heißen Asphalt. "Wollt ihr noch mehr Gemetzel?", schreit ein Schwede. "Ihr metzelt doch sowieso!", ist die Antwort. Und so ist es. Nach dem 10. März 1633 ist das Städtchen geplündert und in Asche gelegt. Es steht nicht mehr viel, bis auf das Schloss, die Kirche und die Türme. Am Stadttor erinnern drei Gedenktafeln an den schwarzen Tag. Und sicher werden hier auch bald wieder Darsteller durchmarschieren, die den Überfall inszenieren.

  

VON CLAUDIA FREILINGER

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