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Neumarkt als kleines Licht im Handball: Die Gründe

DJK hinkt den weiblich dominierten Hochburgen aus dem Landkreis hinterher - 02.04.2020 19:19 Uhr

Handball bei der DJK Neumarkt war auch in den 90er Jahren nicht uneingeschränkt vergnügungssteuerpflichtig. Aktuell dümpeln die Herren am Tabellenende der Bezirksklasse. © Archivfoto: Fritz Etzold


Vor einer imponierenden Kulisse von knapp 300 Zuschauern, wie die Vereinschronik des SV Seligenporten festhält, stieg am 28. Juni 1972 ein erster Derby-Schlagabtausch zwischen den Mädchen des SVS und den nur einige Monate zuvor formierten Damen der DJK Neumarkt. Zu den Olympischen Spielen in München nach 36 Jahren Pause wieder im Programm, erfasste die deutschlandweite Verbreitung des Handballsports auch die Oberpfalz.

Fußball beherrschte das Terrain

Dabei galt die bald maßgebliche Hallen-Variante zunächst noch als winterlicher Zeitvertreib, während die prestigeträchtigen Wettkämpfe im Sommer unter freiem Himmel stattfanden. Anders als in Altdorf oder Winkelhaid, durfte nur selten zu großen Turnieren der ursprüngliche Feldhandball auf Rasen gespielt werden. Gegen die Vorbehalte der Fußball-Mehrheit blühte der Handball in den 70ern vornehmlich in weiblicher Prägung auf. Die Szene verteilte sich um die Hochburg Pyrbaum, die sich 2002 mit Seligenporten zusammenschloss und nach Regionalliga-Zeiten immerhin bis 2004 in der Landesliga behauptete, auf weitere Standorte in Berg, Berching oder Pavelsbach. Doch ausgerechnet in der großen Kreisstadt Neumarkt blieb nur eine kleine Nische für die DJK. "Der Fußball beherrschte das Terrain zu stark", konstatiert der BLSV-Bezirksehrenvorsitzende Josef Lobenhofer, beschreibt ein "weltmeisterliches" Publikums-Aufkommen allein beim Platzhirsch ASV.

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Handball-Derby in Postbauer-Heng

Handball-Derby in der Bezirksoberliga Ostbayern: Die HSG Pyrbaum-Seligenporten(grau) gewinnt 16:13 gegen die SG Rohr/Pavelsbach.


Torverhältnis von 100:280

In der Rangfolge der bedeutendsten Sportarten, bezogen auf den gesamten Landkreis, sieht der 73-Jährige den Handball auch heute "nicht unter den ersten fünf". Ausgehend von den historischen Strukturen bedürfe es für einen wesentlichen Schub meist das herausragende Engagement von Einzelpersonen, die sich mit Fachkompetenz oder Geld einbringen. Denn ohne Erfolg keine Aufmerksamkeit und umgekehrt. Der Trend zur Professionalisierung habe den Einsatz auf allen Ebenen erhöht. Einen Schwenk hin zur Fokussierung auf die eigene Nachwuchsförderung hat indes die DJK Neumarkt zwangsweise vollzogen. Seit mehreren Jahren dümpeln die nie über Oberpfalz-Grenzen hinaus erfolgreichen Handballer im hinteren Feld der untersten Liga, bilden in der aktuell unterbrochenen Bezirksklassen-Runde mit neun Niederlagen in neun Anläufen bei einem Torverhältnis von 100:280 das Schlusslicht. Die einstigen Vorzeige-Frauen zogen sich zum Herbst 2017 aus dem Spielbetrieb zurück, hoffen über ein neu aufgelegtes Fitness-Angebot mittelfristig wieder auf Zuwachs.

"Die Qualität der Trainer ist entscheidend, aber der Markt überschaubar", erklärt Abteilungsleiter Ralf Stagat. Finanzielle Mittel werden unter seiner Regie verstärkt in die Ausbildung eigener Übungsleiter investiert, die sich inzwischen um rund 100 Jugendliche (bei insgesamt etwa 150 Mitgliedern) kümmern. Die Auffrischung mit dem Zusatztitel Neumarkt "Vampires" habe ihres zugetan, dass sämtliche männlichen Altersklassen besetzt werden können. Eine beinahe kompliziertere Herausforderung bestehe indes darin, Talente wie den gegenwärtig in der ÜBOL auftrumpfenden Jahrgang der C-Junioren auch im Erwachsenenalter an den Verein zu binden. "Man ist ja schon froh, wenn zwei oder drei noch oben ankommen", so Stagat, der nach längerer Handball-Abstinenz über seinen Sohn im Ehrenamt landete und in den 70er Jahren selbst aktiv war. "Das gesamte Vereinsleben ist mit heute nicht zu vergleichen."

Die weiblichen Landkreis-Aushängeschilder aus Pyrbaum erlebten ihre bis dato letzte Hochzeit bis 2004 in der Landesliga unter anderem in Vergleichen gegen den 1.FC Nürnberg. © Archivfoto: Fritz Etzold


Die vielschichtige Konkurrenz an Freizeitbeschäftigungen sowie beruflich oder studienbedingte Umzüge reißen bei der DJK Neumarkt bis dato immer wieder Lücken ins mühsam aufgebaute Personalaufgebot. Nur vereinzelt ließen sich darüber hinaus Eigengewächse von höherklassigen Klubs abwerben. Mit einer Mischung aus jungem Blut, Rückkehrern und erfahrenen Haudegen reicht es momentan nicht für höhere Ansprüche. Die zu Corona-Zeiten verordnete Zwangspause empfindet der beharrliche Funktionär Ralf Stagat jedoch kaum als erholsame Abwechslung. Nachhaltiges Interesse für den Handball müsse aus seiner Sicht vor allem durch den Kontakt an Schulen erzeugt werden. Die jährlich in Kooperation von der DJK ausgerichtete Stadtmeisterschaft und die Präsentation auf der Sportausstellung zum Frühlingsfest fallen 2020 aus.

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