"Newcomer" in heimischer Fauna

Stattlicher Silberreiher schmückt Winter-Idyll am Ludwigskanal

15.1.2022, 11:19 Uhr
Auf der Pirsch nach Fisch und Mäusen: Dieser Silberreiher ließ sich am vergangenen Wochenende bei Sengenthal nieder.

Auf der Pirsch nach Fisch und Mäusen: Dieser Silberreiher ließ sich am vergangenen Wochenende bei Sengenthal nieder. © Foto: Peter Roggenthin/Pauschal, NNZ

Mit ihm hat man in der „Stunde der Wintervögel“ nicht unbedingt gerechnet. Pünktlich zur 17. Winter-Zählung des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) hat sich im Raum Neumarkt, am Kanal bei Sengenthal, ein stattlicher „Newcomer“ eingefunden. Er ist groß, blendend weiß, hat einen gelben Schnabel und schwarze Beine: der Silberreiher.

Im Gegensatz zu seinem Vetter, dem Graureiher, der in den vergangenen Jahren häufig in der Region zu sehen war, an Gewässern und auf Wiesen, brütet der Silberreiher bisher nur selten in Mitteleuropa. Er gilt als Vielflieger und ist auf allen Kontinenten zuhause. 329 Exemplare wurden bei der aktuellen Zählung bereits gemeldet, im Vorjahr waren es am Ende 434.

Der Silberreiher hat eine Flügelspannweite von bis zu 1,90 Meter. Charakteristisch sind sein schneeweißes Gefieder, der gelbe Schnabel und die dunklen Beine.

Der Silberreiher hat eine Flügelspannweite von bis zu 1,90 Meter. Charakteristisch sind sein schneeweißes Gefieder, der gelbe Schnabel und die dunklen Beine. © Foto: Peter Roggenthin/Pauschal, NNZ

Im Landkreis Neumarkt wurden in diesem Winter fünf gesichtet, gegenüber Null im Kreis und 16 in der gesamten Oberpfalz im Zähl-Zeitraum von 2021. Auch in der Umgebung von Freystadt und Berg wurden Silberreiher in den vergangenen Wochen beobachtet.

Er ist ja auch kaum zu übersehen: Der große, schneeweiße Vogel fällt auch Menschen auf, die sich selbst nicht zu den Vogelexperten zählen. Oft stehen die bis zu einen Meter großen Reiher gut erkennbar auf Wiesen und Äckern und suchen dort nach Nahrung. Ihre Flügelspannweite misst bis zu 190 Zentimeter.

Vor 30 Jahren noch eine absolute Sensation in Deutschland und auch vor der Jahrtausendwende nur ein seltener Gast, stieg die Zahl der in Bayern beobachteten Silberreiher in den letzten Jahren rapide an. „Im vergangenen Winter waren es an Spitzentagen zwischen 1000 und 1500 Individuen, die auf bayerischen Feldern, Äckern und in Feuchtgebieten beobachtet wurden“, sagt LBV-Ornithologe Simon Niederbacher in einer Pressemitteilung zu Beginn des Winters.

Ein Winter-Idyll: Die Schleuse 32 beim Bögl-Werk.

Ein Winter-Idyll: Die Schleuse 32 beim Bögl-Werk. © Foto: Peter Roggenthin/Pauschal, NNZ

Noch sind sich Vogelkundler nicht ganz sicher, warum sich der Silberreiher seit Jahren immer weiter nach Mittel- und Westeuropa ausbreitet, obwohl seine Brutgebiete hauptsächlich im Südosten sowie Osten Europas und bis nach Russland zu finden sind. Ähnlich wie der Weißstorch hat er zunehmend Mäuse, Insekten und Würmer, die reichlicher vorhanden sind als Fische und Amphibien, in seinen Speiseplan aufgenommen.

Laut LBV gab es die erste Brut in Deutschland 2012 in Schleswig-Holstein – mittlerweile sind es bundesweit etwa ein Dutzend. Auch in Bayern, das der Silberreiher immer häufiger im Winter besucht, könnte es bald Bruten geben, so Niederbacher.

Spatz auf Platz eins

Nach dem Zwischenstand bei der „Stunde der Wintervögel“ ist der Haussperling der am häufigsten beobachtete Wintervogel im Freistaat, er rangiert jedoch nur knapp vor der Kohlmeise. Nach dem Eingang von ungefähr der Hälfte der Meldungen zeichnet sich eine ähnlich hohe Beteiligung ab wie im Vorjahr, als bayernweit 40.000 Naturfreunde teilnahmen.

Noch bis zum 17. Januar können Teilnehmer dem LBV ihre Beobachtungen der Zähltage schriftlich oder online melden unter www.stunde-der-wintervoegel.de.

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