Beschwerden, Anfeindungen und zu wenige Parkplätze

Der Spalter Hoffmanns-Keller: Ein Traditionsgasthaus gibt auf

Motiv: Portrait - Carola Scherbel  Foto: Martin Regner, gesp.29.08.2019
Carola Scherbel

RHV

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30.11.2021, 06:04 Uhr
Außen wenig Platz und innen anscheinend nicht so ganz amtliche Bauwerke. Die Reisingers haben von Auseinandersetzungen mit Anliegern und Behörden genug und schließen das Feinschmecker-Lokal.
 

Außen wenig Platz und innen anscheinend nicht so ganz amtliche Bauwerke. Die Reisingers haben von Auseinandersetzungen mit Anliegern und Behörden genug und schließen das Feinschmecker-Lokal.   © Katja Jäckel, NN

Was muss passieren, damit ein Traditionsgasthaus in vierter Generation, als Sommerkeller schon hunderte von Jahren alt und seit der Übernahme der Tochter mit vielen Auszeichnungen vom Guide Michelin bis zum Feinschmecker bedacht, jetzt einfach zusperrt?

"Eine Entscheidung, die uns aus vielen Gründen nicht leichtgefallen ist", schreiben Andrea und Wolfgang Reisinger auf der Homepage des Lokals zur Schließung ihres Lokals. "Es ist aber ein Punkt erreicht, an dem trotz aller Leidenschaft und fachlicher Anerkennung eine Weiterführung des Restaurants für uns keinen Sinn mehr macht."

Druck und Anfeindungen

Zur Begründung fügen sie hinzu: "Letztlich war es der Druck durch nicht enden wollende Beschwerden und Anfeindungen aus dem Umfeld. Es ging unter anderem um zu viel Lärm und zu wenige Parkplätze. Also um Vorwürfe, die auch gegen jede alteingesessene Gaststätte innerorts vorgebracht werden könnten."

"Leider machen es die Baugesetze des Freistaates Bayern möglich, dass persönliche Befindlichkeiten einzelner Mitbürger*innen den Bestand einer über mehrere Generationen geführten Gaststätte gefährden", so die Klage des jungen Wirtsehepaars. "Durch diese wurden amtliche Auflagen des zuständigen Landratsamtes Roth ausgelöst, die für uns die Weiterführung des Gasthauses unmöglich machen."

Im Laufe der jahrelangen Auseinandersetzungen mit dem Landratsamt seien sie auf Umbauten des Vorbesitzers gestoßen, "die ohne die notwendigen Baugenehmigungen durchgeführt worden sind. Darüber wurden wir auch bei der Übernahme des Anwesens nicht informiert. Die fehlenden Baugenehmigungen schwächten natürlich unsere Verhandlungsposition und führten zu weiteren, für uns unlösbaren amtlichen Auflagen."

Mit einem Lebewohl verabschiedet sich das Paar: "Unsere Reise durch die österreichische und fränkische Küche geht deshalb in Spalt und im Landkreis Roth zu Ende! Nach sechs arbeits- und erlebnisreichen Jahren heißt es für uns nun, Danke zu sagen." Gedankt wird besonders dem Spalter Bürgermeister Udo Weingart, "der uns in den schwierigen Auseinandersetzungen mit den zuständigen Behörden immer unterstützt hat".

Lokal war etwas Besonderes

"Außerordentlich" bedauert der Spalter Bürgermeister Udo Weingart die Schließung des Traditionshauses. Denn "der Hoffmanns-Keller war ein Aushängeschild für Spalt", betont der Rathauschef. "Das sind junge Leute, die gut sind und ein neues Konzept haben – ihr Lokal war was Besonderes." Und spielt damit an auf den Slogan, mit dem das Gasthaus geworben hat: "Offen für neue Trends und alte Traditionen".

Dem Landratsamt will der Spalter Bürgermeister jedoch keinen Vorwurf machen: "Die amtlichen Auflagen müssen ja rechtssicher sein." Eine moralische Verantwortung sieht er aber beim Umfeld: "Schließlich hat man die Wirtsleute schließlich so weit gebracht, dass sie aufgeben."

Im Landratsamt heißt es zu der Causa, dass schon 2019 die Nutzung von vier Ferienwohnungen (von insgesamt acht) untersagt werden musste - zum Teil aus Brandschutzgründen, zum Teil wegen fehlender Genehmigung.

Außerdem hätten die Gastwirte für die Terrasse des Lokals einen neuen Genehmigungsantrag "mit Lärmbetrachtung" einreichen müssen. Bis zu einer Genehmigung müsste die Schließung um 22 Uhr gelten. "In solchen Fragen der Außengastronomie liegen häufig Beschwerden aus der Nachbarschaft vor", sagt dazu ganz allgemein Jörg Pfaffenritter, der Chef der Genehmigungsbehörde im Landratsamt.

Gaststätte gar nicht tangiert

Die Gaststätte selbst, so Pfaffenritter, sei von diesen Dingen gar nicht tangiert gewesen. Und die Frage der Parkplätze sei in den damaligen Gesprächen mit den Eigentümern "noch gar nicht ausdiskutiert gewesen". Erst wenn die Wirtsleute Pläne vorlegen, werde besprochen, ob die notwendigen Parkplätze auf dem Grundstück selbst oder auf einem alternativen Grundstück ausgewiesen werden könnten. Aber dazu sei es bisher nicht gekommen. "Anträge wurden nicht eingereicht."

Nun haben sich die Wirtsleute vom Hoffmanns-Keller anders entschieden. Ihrer Stellungnahme auf der Website und im Netz wollen Andrea und Wolfgang Reisinger nichts mehr hinzufügen. Nur noch eins: Ihren Gästen, Lieferanten, Freunden und Familien des Hauses sowie dem Personal sagen sie "Danke".

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