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Freitag, 03.07.2020

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Sie retten neugeborene Rehkitze vor dem Mähtod

Simone Schmidt aus Bechhofen bei Abenberg hat sich den Wildtieren verschrieben - 15.06.2020 16:13 Uhr

Simone (re.) und Celina Schmidt mit ihren derzeitigen Gästen. Sissi und Penny sind noch keine drei Wochen alt. Sie haben aber gute Chance zu überleben. Im Herbst sollen sie ausgewildert werden. In einem umzäunten Bereich eines befreundeten Jagdpächters nahe des Brombachsees sollen sie ein langes Leben haben. Sie werden dort auch nicht geschossen. © Foto: Robert Gerner


Die 41-jährige Simone Schmidt hat sich die Rettung von Rehkitzen seit zehn Jahren auf die Fahnen geschrieben. "Ich habe damals viele Berichte gelesen und furchtbare Bilder gesehen", erzählt sie. "Ich wollte etwas tun, damit diese Tiere eine Zukunft haben."

Ein entsetzlicher Tod

Es gibt keine Statistiken. Aber vermutlich sterben alljährlich tausende von Rehkitzen einen entsetzlichen Tod. Das blöde ist, dass die Geburt der Tiere ungefähr mit dem ersten Schnitt der landwirtschaftlich genutzten Wiesen zusammenfällt. Rücken die Bauern mit ihrem Mähwerk an, flieht die Ricke – das Muttertier – von den Wiesen in den Wald.


Rehkitz beim Mähen verstümmelt und weggeworfen


Die Kitze dagegen legen sich instinktiv ins tiefe Gras und bewegen sich keinen Millimeter, bis die Gefahr vorbei ist. In einer perfekten Welt würde das vielleicht funktionieren. Aber: Die Maschine kehrt nicht unverrichteter Dinge um, sondern mäht die Wiese. Der Fahrer hat praktisch keine Chance, ein Rehkitz zu entdecken. "Die sind fast unsichtbar", sagt auch Simone Schmidt. "Man muss schon fast drüberstolpern, um sie in einer hohen Wiese zu erkennen."

Netzwerk der Retter

Simone Schmidt begann vor zehn Jahren damit, Kontakt zu Bauern und zu Jägern zu knüpfen. Und zu anderen Gleichgesinnten, denen das Schicksal der hilflosen Rehkitze auch nicht egal ist. Zu Freunden und Arbeitskollegen, selbst zu Gästen im Biergarten in der Pflugsmühle, wo sie arbeitet.

Ein kleines Netzwerk ist so über die Jahre entstanden, mit einigen Jagdpächtern pflegt Simone Schmidt inzwischen einen freundschaftlichen Kontakt. Sie läuft nicht nur im Raum Abenberg Wiesen auf der Suche nach hilflosen Kitzen ab, sondern im gesamten Landkreis. "Bis in Heideck oder in Greding waren wir schon", berichtet Schmidt.

Wenn man so will, ist 2020 bislang ihr erfolgreichstes Jahr. 15 Rehkitze haben Simone Schmidt und ihre Helfer schon gerettet. Die kleinen Tiere werden vorsichtig – mit Handschuhen – aus der Wiese getragen und am Waldrand in hölzerne Boxen gelegt. Ist die Wiese abgemäht, werden die zum Teil erst wenige Tage alten Kitze wieder aus der Kiste geholt . "In der Regel kommen die Mütter wieder und holen ihre Jungen", erzählt Schmidt. Das kontrolliert die Retterin, oft gemeinsam mit dem Jagdpächter. "Wenn die kleinen laut Fiepen, ist die Mutter nicht mehr da", erklärt sie. In einem solchen Fall muss manchmal eine Handaufzucht sein.

Stündlich eine Flasche mit Spezialmilch

Auch dafür ist Simone Schmidt inzwischen Fachfrau. In ihrem kleinen Garten im Abenberger Stadtteil Bechhofen hoppeln derzeit zwei kleine Kitze durchs Grün. Sissi ist 23 oder 24 Tage alt. Als sie gefunden wurde, hatte sie noch die Nabelschnur am Bauch. Penny ist zwei oder drei Tage älter. Die eine wurde nahe Aschaffenburg gefunden, die andere bei Hergersbach. Ihre Mutter war von einem Auto überfahren worden.

Simone Schmidt glaubt, dass die Tiere durchkommen werden. "Sie machen einen guten, fitten Eindruck." In den ersten Tagen hat sie ihnen jede Stunde eine Flasche mit Spezialmilch gegeben, auch nachts. Die Flasche bekommen die zahmen Tiere immer noch. Doch inzwischen fressen sie auch all das, was sie auch in freier Natur finden würden.

Simone Schmidt hat mit den Jahren einiges an Erfahrungen mit der Handaufzucht von Rehkitzen gesammelt. Mit dem Windsbacher Tierarzt Dr. Stefan Götz weiß sie einen Fachmann an ihrer Seite, der sich, anders als manche seiner Kolleginnen und Kollegen, auch der Behandlung von Wildtieren verschrieben hat.

Doch nicht immer hat sie mit Handaufzucht Erfolg. Ein von einem wildernden Hund – Schmidt: "Ein immer größeres Problem" – verletztes Kitz hat es nicht geschafft. Ein weiteres, dem ein Mähdrescher einen Lauf abgetrennt hatte, auch nicht.

Mit einer Drohne noch erfolgreicher

Simone Schmidt will ihre Rehkitzrettung demnächst professionalisieren. Helfer, die mit ihr durch die zu mähenden Wiesen streifen, wird sie immer brauchen. Der wohl erfolgreichste Helfer hat aber keine zwei Beine, sondern Propeller. Mit Drohnen werden andernorts inzwischen in hohen Wiesen kauernden Rehkitzen aufgespürt.

Von einem Rehkitz-Retter-Verein nahe Mannheim bekommt Schmidt eine gebrauchte Profi-Drohne, die allerdings noch 2000 Euro kostet. Simone Schmidts Tochter Celina hat daraufhin über Facebook eine Crowdfunding-Aktion, also eine Spendensammlung, gestartet, und siehe da: Etwa die Hälfte der 2000 Euro sind von Unterstützern schon zugesagt oder überwiesen. "Das geht von zehn Euro bis zu einer Großspende von 200 Euro", freut sich die Tierliebhaberin.

Wenn am Ende insgesamt 2000 Euro zusammenkommen sollten, "wäre das superschön", sagt Simone Schmidt. Wenn nicht, wird sie das in ihrem Tatendrang nicht bremsen. "Dann zahle ich das selbst."

Wer die Arbeit von Simone Schmidt zur Rettung von frisch geborenen Rehkitzen unterstützen will, kann Geld auf ihr Konto bei der Sparkasse Mittelfranken-Süd (am besten mit dem Betreff "Rehkitzhilfe" oder "Drohne") überweisen: IBAN: DE95 7645 0000 0221 2236 21.

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