So heftig war der Asteroiden-Einschlag von Nördlingen

22.9.2017, 05:06 Uhr
Eine Explosion mit der Sprengkraft von 250.000 Hiroshima-Atombomben ereignete sich vor 14,5 Millionen Jahren in Nördlingen.

Eine Explosion mit der Sprengkraft von 250.000 Hiroshima-Atombomben ereignete sich vor 14,5 Millionen Jahren in Nördlingen. © dpa/Nasa

Ein gewaltige Druck- und Hitzewelle fegte in Überschallgeschwindigkeit über das Land und löschte alles Leben im Umkreis von 100 Kilometern aus. Nur Millisekunden, nachdem ein Asteroid mit einem Durchmesser von rund 1000 Metern mit 70.000 Kilometern in der Stunde auf die Erde geprallt war, war nichts mehr wie zuvor.

"Den Aufprall hat man europaweit gehört", sagt Prof. Stefan Hölzl, Leiter des Rieskratermuseums in Nördlingen, über den Asteroiden-Einschlag, der vor 14,5 Millionen Jahren das Ries formte. Schmelzkörper flogen damals nicht nur in die heutige Region Nürnberg, sondern bis nach Böhmen.

In den ersten Sekunden bildete sich ein ungeheurer, viereinhalb Kilometer tiefer Krater, aus dem sich eine 100 Kilometer hohe Glutwolke emporhob. Dann kollabierten die Kraterränder, massenhaft Material rutschte in den Abgrund, aus der Glutwolke regnete emporgeschleudertes, durch Hitze und Druck umgewandeltes Gestein herab. "Im Umkreis von hunderten Kilometern war es damals wochenlang dunkel. Es hat sehr viel geregnet durch die vielen Kondensationspunkte in der Luft", sagt Hölzl.

Noch heute liegt das Ries in einem Krater mit einem Durchmesser von etwa 24 Kilometern. 100 bis 150 Meter über der ebenen Ries-Fläche erheben sich Wälder rund um den Kraterrand. Eigentlich wären die schwäbische und die fränkische Alb ein zusammenhängender Höhenzug. Doch tatsächlich werden sie heute von einer Einbuchtung unterbrochen: dem Ries.

Lang erkannten die Menschen nicht, dass sie sich in einem Asteroiden-Krater befanden. "Man wusste nicht, was das für eine komische runde Struktur ist. Die gängige These war, dass da ein großer Vulkan drunter sitzt", erzählt Hölzl. Erst 1960 enthüllte der amerikanische Geologe und Astronom Eugene Shoemaker die wahre Entstehungsgeschichte des Kraters. "Die mineralogischen Veränderungen, die durch großen Druck und hohe Temperaturen entstehen, kannte er von amerikanischen Atombombenversuchen", erläutert Hölzl.

Einschläge von Meteoriten kannte man zwar schon zuvor, doch diese deutlich kleineren Objekte erzeugen keine Krater, sondern höchstens kleine Löcher. "Beim Eintritt in die Atmosphäre schrumpft ein Meteorit mit einem Durchmesser von 15 bis 20 Metern schnell auf wenige Dezimeter zusammen und büßt viel von seiner Geschwindigkeit ein", erklärt Hölzl. Große Asteroiden verlieren ringsum zwar auch ein paar Meter an Material, doch bei einem Durchmesser von einem Kilometer macht das nicht viel aus. Auch langsamer werden die Himmelskörper nicht.

Was genau vor 14,5 Millionen Jahren passiert ist, findet man anschaulich aufbereitet im Nördlinger Rieskratermuseum — und viel mehr als das: "Wir haben das Ereignis zum Anlass genommen, in unserer Ausstellung über die Stellung der Erde im Kosmos nachzudenken", verdeutlicht Hölzl. Zu sehen sind neben Mondgestein, das man den guten Kontakten zur Nasa verdankt, ein 1750 Gramm schwerer Meteorit, der am 6. April 2002 in der Nähe von Schloss Neuschwanstein einschlug, und einige Stückchen, die 2013 im russischen Tscheljabinsk für gewaltiges Aufsehen sorgten. Weil die Einschläge der Trümmer des auseinandergebrochenen Himmelskörpers von etlichen in Autos installierten Dashcams aufgezeichnet wurden, gingen die Bilder um die Welt.

Auch heute noch wird zum Nördlinger Asteroideneinschlag geforscht. Direkt neben dem Museum befindet sich ein Bohrkernlager. Mehr als 1300 Meter Gesteinsproben aus der Tiefe ruhen hier in kräftigen Holzschubladen — und werden auch immer wieder herausgezogen. "Wer zu Impaktereignissen forscht, kommt auf jeden Fall auch hierher", betont Hölzl.

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